Archiv | 2007

FDP — von der Partei zum Medium?

Zu den noch immer bes­ten Rubri­ken im Spie­gel zählt zwei­fel­los der „Hohl­spie­gel“. Es gibt wohl kaum einen Leser, der sich am Spiegel-​​Montag nicht zuerst die­sem Sam­mel­su­rium an skur­ri­len Eska­pa­den aus der Welt der Print-​​Publikationen wid­met. Bei uns im tex­ter­blog heißt diese Rubrik, in der sol­che Ent­de­ckun­gen gemacht wer­den könn­ten, ganz pro­fan „Fund­text“. Doch die fol­gende texterblog-​​Entdeckung hätte sicher­lich gute Chance, auch einen Ein­trag im „Hohl­spie­gel“ zu gewinnen.

Wir neh­men das unter Jour­na­lis­ten bekannte Medi­en­ma­ga­zin „jour­na­list“: Nach sanf­tem Relaunch befin­det es sich heute wirk­lich auf einem guten Wege, nicht mehr nur noch über sich selbst und einen klei­nen Kreis an Inter­es­sen­ten zu berich­ten. Aber das ist ein ande­res Thema. Wie in jedem ande­ren Medium wird in der Dezember-​​Ausgabe auf die wich­tigs­ten Medi­en­ge­scheh­nisse des aus­ge­hen­den Jah­res 2007 zurückgeblickt.

Medienparter FDP

Und was ent­de­cken wir dort: In die recht span­nende Auf­stel­lung hat sich plötz­lich ein neues Medium ein­ge­schli­chen, das zumin­dest ich bis­lang als „Medium“ nicht unbe­dingt wahr­ge­nom­men habe: Die FDP. Nicht anders ist die­ser Absatz zu ver­ste­hen, dass das das Video­por­tal YouTubeals Medi­en­part­ner unter ande­rem das ZDF und die FDP gewon­nen“ hat.

Wenn Guido mor­gen sein berühm­tes Gui­do­mo­bil von 2002 wie­der zurück­kau­fen würde, hätte dies sicher­lich gro­ßen, wenn auch zwei­fel­haf­ten Medi­en­wert. Aber dass man sei­ner Par­tei dann gleich die Rolle eines Medi­en­part­ners zuste­hen sollte, das wäre wohl auch die­sem Medi­en­profi sicher­lich etwas zu viel.

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Leitantrag: Fan oder Frust?

Zu einem eigent­lich ganz wun­der­vol­len Leit­an­trag hat sich die Ber­li­ner SPD durch­ge­run­gen. So soll ein WLAN-​​Funknetz in ganz Ber­lin instal­liert wer­den. Und das Ganze sogar für kos­ten­los. Der Grund: Ber­lin würde mit einem Schlag zum größ­ten Internet-​​Hotspot die­ser Repu­blik wer­den — zum Nut­zen von Ber­li­nern und Tou­ris. Und natür­lich soll — so Par­tei­spre­cher Höne­mann — auch die IKT-​​Weiterentwicklung unter­stützt werden.

Die Frage jetzt ist viel­mehr, was man davon hal­ten soll. Denn bevor jetzt alle ins Jubeln kom­men ob die­ser Ber­li­ner Vor­rei­ter: Plötz­lich alles kos­ten­los, nach­dem der rosa Riese und seine eng­li­schen Partner-​​Kontrahenten solch — zumin­dest für die eige­nen Kas­sen — schöne Punkte müh­sam und kos­ten­in­ten­siv auf­ge­baut haben. Ob das mit die­sen doch für die IKT-​​Weiterentwicklung in Ber­lin nicht ganz unwich­ti­gen Fir­men wohl mög­lich ist? Also alles doch nur Leitantrag-​​Gedöse ohne Chance auf Rea­li­sie­rung? Man darf gespannt sein, wie weit und wie ehr­lich sich die Ber­li­ner Regie­rungs­par­tei sich die­ses Thema auf ihre (Partei-)Fahnen geschrie­ben hat.

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Der mit dem Text tanzt

Text kann man schrei­ben, man kann ihn lesen — und man kann ihn tan­zen. Dass das mög­lich ist, zeigt uns der Dance Wri­ter von typotheque:

Dance­Wri­ter con­verts text to a sim­ple dance moves. Create your own cho­reo­gra­phy by typ­ing a mes­sage. You can also share it with your fri­ends, and send them your ani­ma­ted emails.

Das Ganze ist durch­aus les­bar — auch wenn so man­cher Buch­stabe nach einem Mix aus Schat­ten­bo­xen und Yoga anmu­tet, und (ab einem gewis­sen Alter) zur Nach­ah­mung nicht emp­foh­len wird.

Doch neben dem Dance­Wri­ter hat typo­the­que einige andere Dinge im Ange­bot, die guten Text in durch­aus schö­nen Lichte strah­len las­sen: Erwähnt seien hier vor allem der Font „Greta Text“ mit dem inter­es­san­ten Fea­ture der ver­schie­de­nen „Gra­des“, der den Ton­wert­zu­wachs im Druck aus­gleicht, oder das Typo-​​Sketchbook 2008, das neben einem Jah­res­ka­len­der auch ein hüb­sches Notiz– und Skiz­zen­buch ist.

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Songza macht die Musiksuche schön!

Es ist gerade mal zwei Wochen her, dass ich auf die­ses nette Tool für eine visu­elle Bil­der­su­che aus Zürich gesto­ßen bin, über das ich hier geschrie­ben habe. Jetzt schreibe ich schon wie­der über eine Such­ma­schine — und was für eine!

Alles fing eigent­lich damit an, dass ich beim Sur­fen Arbei­ten mal wie­der im Netz nach der pas­sen­den Musik gesucht habe. Natür­lich nach etwas kos­ten­lo­sem — und bitte nicht so kom­pli­ziert wie iTu­nes und Kon­sor­ten. Und dann traf ich auf die­ses wun­der­hüb­sche wie ein­fa­che Exem­plar: Songza

Songza ist für mich die geni­alste Musik-​​Suchmaschine, die ich der­zeit kenne. Schon das Inter­face erin­nert in sei­ner Schlicht­heit an den berühm­ten Suchmaschinen-​​Giganten, der eben­falls seine Start­seite von allem ande­ren frei räumte. Auch der Such-​​Ablauf ist easy: Ein­fach Song oder Band in das Such­feld ein­ge­ben, aus den Ergeb­nis­sen die pas­sende Musik aus­wäh­len und Song wei­ter­sen­den, bewer­ten oder abspie­len — auch noch ohne Ladezeiten!

Die­ses Inter­face sollte sich wirk­lich jeder Website-​​Designer als kleine Anre­gung in sei­nem Gedächt­nis par­ken und es beim nächs­ten Pro­jekt wie Kai aus der Kiste prä­sen­tie­ren. Sein Gegen­über wird Augen machen!

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Visuell suchen

Eine rich­tig nette Spie­le­rei kommt jetzt aus Zürich, wo Tüf­ler sich jetzt eine ganz andere Art von Such­ma­schine aus­ge­dacht haben: oSkope. Mit die­ser wird nicht mehr nach Begrif­fen gesucht, viel­mehr dreht sich alles um die visu­elle Suche.

Dabei funk­tio­niert dies ganz sim­pel: Ein­fach unter Ama­zon, eBay, flickr oder youtube die gewünschte Bil­der­samm­lung aus­wäh­len, schon flie­gen bis zu 160 Thumbnails auf die Seite. Schritt­weise lässt sich jetzt die Suche the­ma­tisch noch wei­ter ein­gren­zen — sowohl län­der­spe­zi­fisch als auch the­ma­tisch. Ein Klick auf das erschie­nene Bild, schon las­sen sich wei­tere Infor­ma­tio­nen zum Buch-​​, DVD– oder CD-​​Cover abrufen.

Eine wirk­lich hüb­sche Form der intui­ti­ven Suche. Wenn jetzt die Macher dem Gan­zen noch etwas Tempo ver­pas­sen, damit die Suche etwas schnel­ler ver­läuft, dann wird oSkope sicher­lich einige Freunde finden.

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Vorbildlicher Journalismus

Wie gehe ich als Zei­tung mit PR-​​Angeboten um? Wie berichte ich in Bei­trä­gen über Fir­men­ju­bi­läen, über Geschäfts­er­öff­nun­gen? Wie ver­meide ich eine Ein­fluss­nahme von Unter­neh­men und Agen­tu­ren auf den Jour­na­lis­mus? Die Medi­en­gruppe Main-​​Post in Würz­burg hat jetzt den Redak­tio­nen ihrer Zei­tun­gen einen Ver­hal­tens­ko­dex ver­passt, der deut­lich über den Pres­se­ko­dex des Pres­se­ra­tes hin­aus­geht. 44 Sei­ten jour­na­lis­ti­sche Leit­li­nien, auf denen klar und ein­deu­tig die ethi­schen Grund­sätze und Richt­li­nien defi­niert sind. Und dies in einer Klar­heit, die sich sehr an ame­ri­ka­ni­schen Vor­bil­dern wie New York Times und Washing­ton Post ori­en­tie­ren. Kein Wun­der, dass bereits der Begriff „Watergate-​​Regeln“ die Runde macht. Wie heißt es doch gleich zu Anfang der Prä­am­bel: „Unab­hän­gi­ger, kri­ti­scher Jour­na­lis­mus beruht auf Frei­heit und Ver­ant­wor­tung.“ Vor­bild­lich und danke!

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