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Wenn Fotos sprechen

Auch wenn diese Aus­stel­lung der Gewin­ner des World Press Foto Award 2007 im Ber­li­ner Willy-​​Brandt-​​Haus bereits vor­über ist, wollte ich gerade allen Nicht-​​Besuchern noch ein­mal vor­füh­ren, was sie ver­passt haben. Im Ver­gleich zum Vor­jahr hatte die­ser Jahr­gang sicher­lich etwas an Dichte und Ein­dring­lich­keit ein­ge­büßt. Und doch sind die aus­ge­stell­ten Fotos wie­der ein Beweis, was Bil­der — auch im Unter­schied zum Text — aus­sa­gen und teils bewe­gen können.

Damit meine ich weni­ger den dies­jäh­ri­gen Sie­ger — Tim Hethe­ring­ton, der für Vanity Fair einen erschöpf­ten ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten nach einem Kampf­platz in Afgha­nis­tan aufnahm.

Tim Hetherington — Gewinner World Press Foto Award 2007

Viel ein­dring­li­cher fand ich bei­spiels­weise die Doku­men­ta­tion von Vanessa Winship über eine staat­li­che Kam­pa­gne, um Frauen in der Ost­tür­kei zur Schule zu bewe­gen. Das Motto „Wir gehen zur Schule“ spie­gelt sich in ihren Frauen– und Mäd­chen­por­traits wider.

Vanessa Winship Kampagne »Wir gehen zur Schule«

Schule mal ganz anders: Rich­tig auf­schre­ckend sind die Por­traits von Erika Lar­sen über Kin­der, die in ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten bereits im Alter von unter 12 Jah­ren — in Beglei­tung von Erwach­se­nen — jagen und damit töten dür­fen. Die absurde Begrün­dung: Den Kin­dern soll dies eine alter­na­tive Frei­zeit­be­schäf­ti­gung zu Com­pu­ter­spie­len bieten.

Portrait von Erika Larsen: Kinder, die jagen

Die Gewalt in Kolum­bien zeigt sich in den Por­traits von Fran­cesco Zizola: Ein mehr­fach ver­ge­wal­tig­tes und schwan­ge­res Mäd­chen, das allein in einem Zim­mer auf die Abtrei­bung war­tet; genauso beein­dru­ckend: Der durch ame­ri­ka­ni­sche Luft­an­griffe ver­letzte Junge in Afgha­nis­tan, den sein besorg­ter Vater im Arm hält;

Ein Vater und sein Sohn: Krieg in Afghanistan

Die auf­ge­putschte Atmo­sphäre nach dem Anschlag auf Bena­zir Bhutto im Dezem­ber 2007 zeigt sich in einer Serie von Bil­dern; noch inten­si­ver sind aber die fast fil­mi­schen Pro­traits von Gene­rä­len im Kongo von Céd­ric Gerbehaye.

Cedric Gerbehaye: Generäle in Kongo

Im Anschluss an diese Bil­der ist es für viele Besu­cher schon rich­tig ent­span­nend, wenn er sich auf foto­gra­fi­sche Urlaubs­reise begibt — mit den Heiß­luft­bal­lons von Mas­simo Sira­gusa, die über einen Frei­zeit­park in Ravenna schwe­ben — und nicht wie bei Erik Ref­ners erschöpft nach dem Kopen­ha­ge­ner Mara­thon zusammenbricht.

Erik Refners: Marathon in Kopenhagen

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Geschrieben von

Kommunikationsberater, Journalist, Autor, Dozent, Reisender, Lebensliebhaber, Trapezartist zwischen Off- und Online-World

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