„Ich weiss, was Sie jetzt denken“, wuerde Thomas Magnum sagen. „Der Titel ist doch reichlich alt.“ Und da hat der schnauzbaertige Ferrari-Fahrer natuerlich recht. Wie koennte ich dieser Kultfigur meiner Jugend — war die nicht gestern? — auch widersprechen. Doch um auf den Titel zurueckzukommen: Wenn Kolumbien auch ein in seinen kulturellen, musikalischen, kulinarischen, landschaftlichen wie menschlichen Facetten ein sehr reiches Land ist, so ist sichtbar, warum es noch zu den Entwicklungslaendern — oder (Fast-)Schwellenlaendern — zaehlt.
Jeder Besucher wird mit dem Thema Armut andauernd konfrontiert. Niemand kann sich den Bildern entziehen, kann wegsehen, diese einfach nicht wahrnehmen, sie ausblenden. Sie zeigt sich in allen Varianten: Es sind die Bettler, die durch Stassen und Cafes ziehen, die Jungen und Alten, die auf der Strasse das Letzte von sich verkaufen, die vielen Obdachlosen, die ab abends bis in den naechsten Vormittag hinein manchmal bloss, manchmal auf Papperesten, manchmal in etwas was frueher eine Decke war eingehuellt auf der Strasse schlafen, die vielen, die jeden Muelleimer bis aufs Detail durchkaemmen, Trinkreste aussaugen, Essensreste in sich hineinschlingen, wertvolle Reste sorgfaeltig aussortieren, um sie an der naechsten Ecke gegen etwas fuer sie wertvolles einzutauschen.
Auch wenn die kolumbianischen Innenstaedte — in die Slums traut sich niemand — nur einen winzigen Teil dieser Armut zeigen, sie bleibt staendig sichtbar und erinnert jeden von neuem daran, wie verdammt gut es uns doch geht.

