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Mit Pedro im Gefaengnis

Ges­tern war ich im Gefa­eng­nis. Ja, in einem rich­ti­gen Gefa­eng­nis. Mit Gefa­eng­nis­tor, Gefa­eng­nis­hof, Gefa­eng­nis­zel­len, Gefa­eng­nis­ga­en­gen. Sogar ueber den rie­si­gen Fuss­ball­platz des Gefa­eng­nis­ses durfte ich lau­fen. Mit den vie­len ver­git­ter­ten Guck­loe­chern der zahl­lo­sen Zel­len drumherm, aus denen die Gefan­ge­nen die Spiele beob­ach­ten koen­nen bzw. konn­ten. Denn in einem unter­schied sich die­ses Gefa­eng­nis nicht unwe­sent­lich von den aktu­el­len Anstal­ten: Es war ver­waist. Es waren keine Gefan­ge­nen mehr da. Es war auch kein Gefa­eng­nis­per­so­nal mehr anwe­send. Die sind alle schon seit dem Jahr 2000 aus­ge­flo­gen. Seit­dem vege­tiert diese Ex-​​Carcel vor sich hin. Oder nicht ganz.

Vor dem Tor lernte ich Pedro ken­nen. Pedro kennt diese Anlage wohl bes­ser als jeder andere. Er war 20 Jahre lang selbst Haeft­ling in die­ser Anlage. Warum, habe ich ihn nicht gefragt. Irgend­wann sei er dann mit ande­ren Mit­in­sas­sen durch einen Tun­nel geflo­hen. Heute ist er 55 Jahre alt: „Ich habe fast mein hal­bes Leben in die­ser Anlage ver­bracht. Manch­mal fuehre ich jetzt Besu­cher herum, um mir etwas dazu­zu­ver­die­nen“, sagt der Grau­haa­rige, der seine Augen hin­ter einer dicken Brille verbirgt.

Es war Mit­tags­zeit. Die Sonne brannte. Viel war um diese Zeit nicht los in die­sem geo­eff­ne­ten Sperr­raum. Ein Saxo­phon­spie­ler uebte in einer schat­ti­gen Ecke. Immer wie­der die­selbe Melo­die. Ein paar Jungs spiel­ten Fuss­ball. Andere berei­te­ten sich auf die abend­li­che Thea­ter­auf­fu­eh­rung vor. Denn die Ex-​​Carcel ist ein Kul­tur­zen­trum. Oder zumin­dest auf einem Weg dort­hin. Und der ist noch ziem­lich lange.

Denn bis heute ist alles unver­aen­dert geblie­ben: Die Raeume, die Hoefe, die vie­len Graf­fi­tis an den Waen­den. „No kere­mos pre­sos poli­ti­cos, kere­mos a los poli­ti­cos pre­sos“, steht an einer Wand geschrie­ben. Wir wol­len keine poli­ti­schen Gefan­ge­nen, wir wol­len die Poli­ti­ker ins Gefa­eng­nis ste­cken. Sicher auch ein Spruch aus einer ver­gan­ge­nen Zeit. Wie so viele andere Graffitis.

In eini­gen Zel­len haben Kuenst­ler ihre Ate­liers instal­liert. Auch einen klei­nen Aus­stel­lungs– und Thea­ter­saal gibt es bereits. Ansons­ten vege­tiert das Areal vor sich hin. „Bis 2012 soll auf dem Gela­ende ein wirk­li­ches Kul­tur­zen­trum ent­ste­hen“, erzaehlt Pedro, „mit gross­zue­gi­gen Aus­stel­lungs– und Thea­ter­flae­chen und einem gros­sen Pro­gramm.“ Man kann sich dies ehr­lich gesagt heute noch kaum vor­stel­len. Aber bis dahin ist ja noch eini­ges an Zeit.

Solange fuehrt Pedro wei­ter­hin die ver­ein­zel­ten Besu­cher durch den still­ge­leg­ten Knast. Oder preist ein klei­nes Thea­ter­fes­ti­val an, das heute abend zum letz­ten Mal in den Gefa­eng­nis­rui­nen gas­tiert. Immer­hin ein klei­ner kul­tu­rel­ler Anfang fuer die­ses wirk­lich span­nende Experiment.

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Kommunikationsberater, Journalist, Autor, Dozent, Reisender, Lebensliebhaber, Trapezartist zwischen Off- und Online-World

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2 Kommentare zu “Mit Pedro im Gefaengnis”

  1. mac sagt:

    Der Link geht lei­der nicht.
    Hab auch keine Wes­bite auf die schnelle gefun­den… nur ein beein­dru­cken­des Bild: http://jcantillano.files.wordpress.com/2008/03/panoramica-ex-carcel.jpg

  2. Dominik sagt:

    @Mac: Thanx für die Nach­richt. Link geht mal — mal geht er nicht. Dein Bild ist auf jeden Fall bes­ser. Oder nimm diese hier http://maps.google.de/maps/place?hl=de&resnum=1&um=1&ie=UTF-8&q=ex+carcel+valparaiso&fb=1&gl=de&hq=ex+carcel&hnear=valparaiso&cid=14696870426856743832. Habe lei­der keine eige­nen gemacht — Bat­te­rie war alle ;-))

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