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Hat Pressearbeit eine Zukunft?

Die Medi­en­land­schaft ver­än­dert sich der­zeit gra­vie­rend. Immer stär­ker split­tert sie sich in frag­men­tierte Öffent­lich­kei­ten, in dia­lo­gi­sche Wis­sens­aus­tausch­struk­tu­ren, in inter­ak­tive Tools, in kurz­fris­tige The­men­af­fi­ni­tä­ten, in the­ma­ti­sches Fast­food auf. Klas­si­sche Medien ver­lie­ren die Macht, die Kraft, die Funk­tion. Neue pro­fes­sio­nelle und nicht-​​professionelle Macher kom­men hinzu, erset­zen die klas­si­schen Medien zwar nicht, aber ergän­zen sie und nagen kräf­tig an ihrer Bedeutung.

Damit glei­tet die öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung den pro­fes­sio­nel­len Kom­mu­ni­ka­to­ren schrit­t­eise aus der Hand, raubt der inter­ak­tive Dia­log den tra­di­tio­nel­len Jour­na­lis­ten ihr Infor­ma­ti­ons­mo­no­pol, nimmt ihnen die Gatekeeper-​​Macht, löst sie als ein­zige Agenda Set­ter ab. Dies hat gra­vie­rende Aus­wir­kun­gen auf die her­kömm­li­che Pressearbeit.

Jeder PR-​​Profi muss sich der neuen Kanäle bewusst sein und die Inhalte auf diese Kanäle mul­ti­me­dial und inter­ak­tiv her­un­ter bre­chen. Er muss sei­nen Ziel­grup­pen Geschich­ten ent­wi­ckeln und diese in den ver­schie­de­nen Kanä­len ver­teilt erzäh­len. Dabei lebt die Online-​​Pressearbeit im Social-​​Media-​​Zeitalter von der Authen­ti­zi­tät. Wer­den die Betei­lig­ten als offen, ehr­lich und ver­ant­wor­tungs­voll erkannt, kön­nen gerade Web-2.0-Anwendungen eine her­vor­ra­gende Platt­form für die Kom­mu­ni­ka­tion eines Unter­neh­mens nach innen wie nach außen dar­stel­len. Aber immer nur im Dialog.

Denn Social Media bedeu­tet das Ende der puren Sen­der – aber nicht das Ende der Medi­en­ar­beit. Diese wird ein wich­ti­ger PR-​​Teil blei­ben, wenn wir den Begriff Medien an die neuen Gege­ben­hei­ten mit ihren kom­mer­zi­el­len wie pri­va­ten Akteu­ren und der sich ver­än­dern­den Medi­en­land­schaft anpas­sen. Die PR-​​Branche muss immer weni­ger nur in den Kate­go­rien der Mas­sen­me­dien den­ken und agie­ren. Jour­na­lis­ten blei­ben eine wich­tige Multiplikatoren-​​Zielgruppe. Aber nicht mehr die Einzige.

Gerade jün­gere User ach­ten ver­stärkt auf das, was ohne die Betei­li­gung der Medien geschieht und im Inter­net aus­ge­tauscht wird. Sie betei­li­gen sich an die­sen Pro­zes­sen – und schen­ken Mei­nun­gen eine hohe Glaub­wür­dig­keit. Dabei voll­zieht sich ein Infor­ma­ti­ons­aus­tausch, der Meinungs-​​, Image– und Mar­ken­bil­dung beein­flusst, und der von Medi­en­st­ra­te­gen nur wenig gesteu­ert wer­den kann.

Die PR-​​Branche steht damit vor einer neuen Auf­gabe, die sie schon kannte, die aber immer stär­kere Rele­vanz bekom­men hat: Sie muss sich von ihrem Push-​​Denken, Infor­ma­tio­nen und Nach­rich­ten in den Markt hin­ein­zu­drü­cken, ver­ab­schie­den. Sie muss ver­stärkt ler­nen, in den Markt hin­ein­zu­hor­chen, dann zuzu­hö­ren, die Gesprä­che als ech­ten Dia­log zu ver­ste­hen, den Gesprächs­part­ner als Part­ner zu akzep­tie­ren, die Vor­schläge, Ideen und Kri­tik­punkte auf­neh­men — und dies in einem kon­ti­nu­ier­li­chen Dia­log mit den Bezugs­grup­pen. Diese neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur, diese Kul­tur der Offen­heit und des Dia­logs ist die Vor­aus­set­zung, wirk­li­che Com­mu­nities auf­zu­bauen und damit Respekt und Akzep­tanz für das eigene Unter­neh­men und seine Mar­ken zu erreichen.

Online-​​Pressearbeit ist eine große Her­aus­for­de­rung für jeden Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­na­ger. Bil­den der Pres­se­be­reich, der Pres­se­ver­sand, die Online-​​Pressekonferenzen, das Web-​​Monitoring bereits wich­tige Arbeits­fel­der, so wer­den mit der Social Media Welt und ihren viel­fäl­ti­gen Anwen­dun­gen die Auf­ga­ben nicht gerin­ger. Im Gegen­teil: Er muss sich dar­auf ein­stel­len und sich bewusst mit den Werk­zeu­gen aus­ein­an­der­set­zen. Ist dies nicht der Fall, wer­den es die Unter­neh­men im immer anspruchs­vol­le­ren und viel­fäl­ti­ge­ren Dickicht der ver­netz­ten Medi­en­wel­ten schwer haben. Wird die Chance dage­gen genutzt, öffnen sich die Tore zu einer neuen kom­mu­ni­ka­ti­ven Zukunft.

*Die­ser Text ist ein Aus­zug aus einem län­ge­ren Bei­trag zur Zukunft der Online-​​Pressearbeit, den ich für das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­nage­ment geschrie­ben habe und der in den nächs­ten Wochen noch erschei­nen wird.

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Geschrieben von

Kommunikationsberater, Journalist, Autor, Dozent, Reisender, Lebensliebhaber, Trapezartist zwischen Off- und Online-World

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