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Mitmachen – mitdenken – mitleben! Oder: Ein paar Gedanken zu Herausforderungen an Online-​​PR-​​Dozenten

Seit unse­rer pro­mi­nent besetz­ten PRSH.-Podiumsdiskussion zum „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­na­ger 2.0“ im Juni an der FH Han­no­ver lässt mich die­ses Zukunfts­thema mal wie­der nicht wirk­lich los. Dazu frage ich mich nicht nur, wel­che Funk­tio­nen heu­tige PR-​​Experten im Social Media Zeit­al­ter erfül­len müs­sen, um eine gewich­tige Rolle in die­ser sich rapide ver­än­dern­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­land­schaft zu spie­len. Vor allem geht mir durch den Kopf, wel­che Her­aus­for­de­run­gen dies für uns Dozen­ten und Coachs in sich birgt, also für Per­so­nen aus dem wei­ten The­men­feld von Online-​​PR, Online Rela­ti­ons, aber auch Online-​​Marketing und Social Media Rela­ti­ons, die die­ses Wis­sen an den Nach­wuchs wei­ter­ge­ben sollen.

Wir wis­sen alle, das wir der­zeit eine mediale Zei­ten­wende durch­lau­fen, die ohne Pause voran drängt, die kon­ti­nu­ier­lich neue Ent­wick­lun­gen und Tools ent­ste­hen lässt, die jeden Ler­nen­den wie Leh­ren­den fast täg­lich vor neue Her­aus­for­de­run­gen stellt. Bei mei­ner Recher­che und diver­sen Dis­kus­sio­nen mit Kol­le­gen und auch vie­len (Ex-)Studenten bin ich dann auf ver­schie­dene Berufs– und Rol­len­bil­der für Kom­mu­ni­ka­to­ren der Zukunft gesto­ßen, die Tho­mas Pleil als „Enabler“, Heinz Wit­ten­brink als „Faci­li­ta­tor“ bezeich­nen – bei­des Defi­ni­tio­nen, die die­ses Rol­len­bild im Kern als kom­pe­ten­ten Ver­mitt­ler, Ver­än­de­rungs­pro­zess­be­glei­ter, Pro­jekt­ma­na­ger, Meta-​​Vernetzer iden­ti­fi­zie­ren. Wirk­lich lesens­werte Ansätze die­ser bei­den Vor­den­ker – gerade auch hin­sicht­lich der Ver­ant­wor­tung gegen­über dem Nachwuchs.

Über­tra­gen wir dies in die ganz all­täg­li­che Pra­xis in (Fach-)Hochschulen, Aka­de­mien, pri­va­ten wie staat­li­chen Aus– und Wei­ter­bil­dungs­in­sti­tu­ten oder bei Semi­nar­ver­an­stal­tern: Wel­che Vor­aus­set­zun­gen muss ich dann als Dozent erfül­len, um diese Ent­wick­lun­gen im Online-​​PR– plus Social Media-​​Zeitalter gegen­über Aus­zu­bil­den­den glaub­haft zu ver­mit­teln? Mei­ner Mei­nung nach muss jeder ver­ant­wor­tungs­volle Dozent zumin­dest die drei fol­gen­den Pflicht­ver­spre­chen einlösen:

Mit­den­ken: Lebens­lan­ges Ler­nen auch für Dozenten!

Als Dozen­ten haben wir keine Chance, auf unse­rem jet­zi­gen Wis­sen­stand zu ver­har­ren. Wenn man bedenkt, dass die Online-​​Welt sich rund 7x schnel­ler als die reale Welt dre­hen soll – und die rasan­ten Ver­än­de­run­gen zei­gen dies -, dann ist zwar die Kennt­nis von Fach­bü­cher eine gute Kern­ba­sis. Aber nicht mehr. Jedes Fach­buch hat mit der Publi­ka­tion sei­nen Aktua­li­täts­ze­nit bereits über­schrit­ten und endet viel­fach nach drei Jah­ren als Alt­pa­pier. Statt­des­sen ist das täg­li­che Ver­fol­gen von Branchen-​​Bloggern und –Twit­te­rern, von Foren, Online-​​Magazinen und News­let­ter sowie ein regelmä8iger, kon­ti­nu­ier­li­cher Aus­tausch – ob vir­tu­ell oder real, ob auf Kon­fe­ren­zen und Dis­kus­sio­nen oder One-​​2-​​One — zum eigent­li­chen Weiterbildungs-​​Must gewor­den. Meine Erfah­run­gen sagen mir, dass diese Arbeit, die­ses Ver­fol­gen von Ent­wick­lun­gen, Tes­ten von Tools und Aus­tausch mit Inter­es­sen­ten rund 1 Tag Recher­che pro Woche ausmacht.

Über­setzt auf Dozen­ten als Aus­bil­der heißt dies: Wer sich die­ses zeit­li­che Fens­ter nicht öffnen kann, hat in die­ser Welt wenig ver­lo­ren. Er wird in die Bran­che nicht rein­hö­ren und als Dozent wich­tige Ent­wick­lun­gen und aktu­elle Fall­bei­spiele kaum an den Nach­wuchs wei­ter­ge­ben kön­nen. Dabei ist genau dies seine Auf­gabe, nicht unbe­dingt neue Tools vor­zu­stel­len, aber statt­des­sen die ver­än­derte Denk­weise zu ver­mit­teln – live aus der Praxis.

Mit­ma­chen: Aus der Pra­xis ler­nen und diese lehren!

Die Online-​​PR-​​Welt ist gerade im Zeit­al­ter von Social Media Zeit­al­ter und dem Mitmach-​​Web eine Mitmach-​​Welt. Nichts gegen ein biss­chen Theo­rie. Nur: Jeder muss ler­nen, vor wel­chen Ver­än­de­run­gen wir gerade ste­hen bzw. in denen wir mit­ten drin hän­gen. Jeder muss ler­nen, auf wel­che ver­än­der­ten Denk– und Hand­lungs­pro­zesse  – Push zu Pull, One2Many zu Many2Many, Insti­tu­tio­nal Con­trol zur User Con­trol etc. — wir rea­gie­ren müs­sen. Und jeder muss ler­nen, wie er anhand kon­kre­ter Fälle dies selbst ent­wi­ckeln kann — und dies dann auch machen.

Für einen pra­xis­na­hen Online-​​PR-​​Dozenten heißt dies: Es genügt nicht, nur die Denke zu ver­mit­teln son­dern auch das kon­krete Han­deln. Er muss Pra­xis leh­ren – auch wenn diese Dop­pel­deu­tig­keit im ers­ten Moment ver­wirrt. Und er wird dies nur kön­nen, wenn er selbst in der Pra­xis wei­ter­hin aktiv ist oder zumin­dest eng mit ihr ver­netzt ist. Denn die kon­krete Frage „Wie macht man das denn genau“, bedarf eine pra­xis­nahe, aktu­elle Ant­wort. Dies ist eine Ver­ant­wor­tung gegen­über Stu­die­ren­den als PR-​​Experten von morgen.

Mit­le­ben: Als Vor­bild eine starke Online-​​Präsenz vorleben!

Wie auch bei der Podi­ums­dis­kus­sion wie­der deut­lich zum Aus­druck kam: Wir for­dern vom Nach­wuchs, dass er in den rele­van­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­len prä­sent ist, sich dort klar und kom­pe­tent zeigt, um sich auf diese Weise eine Repu­ta­tion im Netz auf­zu­bauen. Die Social Media Soft­ware hat dies teils erst ermög­licht bzw. deut­lich erleich­tert. Und diese For­de­rung ist auch rich­tig – aber muss für beide Sei­ten gelten.

Denn in unse­rer Vor­bild­funk­tion bedeu­tet dies auch: Wenn wir dies for­dern, müs­sen wir es aktiv vor­le­ben – ja, als Vor­bil­der. Wir müs­sen uns als Dozent  online zei­gen – ob mit Blog-​​Beiträgen oder mit Fach-​​Tweets, ob mit Bookmarking-​​Tipps oder auf Social Sharing Platt­for­men, auch in Fach­bei­trä­gen für Online-​​PR-​​Portalen und –Maga­zi­nen wie PR-​​Journal, PR-​​Professional. Wer dage­gen keine kon­ti­nu­ier­li­che Prä­senz zeigt, kann diese Vor­bild­funk­tion nie­mals ein­neh­men. Die Emp­feh­lun­gen an den Nach­wuchs wer­den ver­puf­fen – mit nega­ti­ven Fol­gen gerade für die Studierenden.

Die Dis­kus­sion ist eröffnet

Ich weiß, dass diese Anmer­kun­gen erst ein klei­ner Ansatz und Anfang sind. Daher: Wer als Pro­fes­sor, Dozent, Stu­dent, Bera­ter, Agen­tur– und Unter­neh­mens­ver­tre­ter wei­tere Anfor­de­run­gen an (uns) Online-​​PR– und Social Media-​​Dozenten hat – bitte immer her damit!

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Geschrieben von

Kommunikationsberater, Journalist, Autor, Dozent, Reisender, Lebensliebhaber, Trapezartist zwischen Off- und Online-World

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6 Kommentare zu “Mitmachen – mitdenken – mitleben! Oder: Ein paar Gedanken zu Herausforderungen an Online-​​PR-​​Dozenten”

  1. Sina sagt:

    Mir fällt spon­tan nichts ein, was die Auf­zäh­lung ergän­zen könnte. Außer: Begeis­te­rung! Der Dozent muss sich dafür wirk­lich begeis­tern, weit übers Inter­esse hin­aus. Und dann diese Begeis­te­rung auch gut wei­ter­ge­ben kön­nen. Aber das trifft auf jedes Fach zu, nicht nur auf Online PR. Trotz­dem ist es erwäh­nens­wert, da es lei­der viel zu sel­ten vorkommt.

  2. Ein sicher­lich nicht unwe­sent­li­ches Thema ist das „Mit­neh­men“: Nehmt eure Stu­den­ten mit auf die Reise in die SM-​​Welt — und lasst sie das Ruder auch selbst über­neh­men. Soll hei­ßen: Pra­xis­nahe Lehre ist gut, Pra­xis­wis­sen von den Stu­die­ren­den selbst erar­bei­ten zu las­sen ist bes­ser. Mode­ra­tion und Coa­ching erset­zen den Begriff der rei­nen Lehre, füh­ren von stark mono­lo­gi­sier­ten Struk­tu­ren zum Dia­log. Und darum geht’s ja (auch) ;-) 

  3. Also der Auf­zäh­lung kann ich sehr zustim­men. Aber: Die Begeis­te­rung trifft es mei­ner Mei­nung nach auf den Punkt. Das soll jetzt nicht nach einer Lobes­hymne klin­gen, aber nach­dem ich Deine Pro­be­vor­le­sung (im letz­ten Spät­herbst) gehört habe, habe ich mei­nen Twitter-​​Account reak­ti­viert und den @PR_Studenten-Account ein­ge­rich­tet. Heute weiß ich bis ins letzte Detail, wie ich gegen Word­Press gewinne, habe span­nende neue Kon­takte bei Twit­ter gewon­nen (von denen ich täg­lich pro­fi­tiere), habe nen eige­nes Posterous-​​Blog, weiß was flavors.me ist und warte auf die Zustel­lung mei­nes Smart­pho­nes, damit ich auch Fours­quare und mobile Online-​​Relations aus­tes­ten kann Und dann ver­diene ich mit dem „Kram“ sogar noch ein paar Euros dazu. Fazit: Dan­ke­schön! Der Fun­ken ist schein­bar übergesprungen.

  4. su franke sagt:

    Danke Domi­nik, Mir fal­len noch Softs­kills ein. Heute gehts nicht mehr ums Raus­po­sau­nen von soge­nann­ten Bot­schaf­ten son­dern um Dia­log. In die­sem als Ansprech­part­ner ernst genom­men zu wer­den, braucht es Sozi­al­kom­pe­tenz, denn diese ist viel sicht­ba­rer als frü­her (auch online noch mehr). Dar­aus ergibt sich dann auch eine gute Repu­ta­tion und Glaubwürdigkeit.

  5. Dominik sagt:

    @sina: Ja, Begeis­te­rung — und dies wei­ter­zu­ge­ben. Stimme ich voll zu. In wel­chem Dozen­ten diese Begeis­te­rung nicht lodert, sollte nicht auf Stu­dis los­ge­las­sen wer­den. Ohne Begeis­te­rung macht der Job übri­gens auch kei­nen Spaß. Denn der Lohn ist mehr die Lust am eige­nen Job und die tolle Reso­nanz von Ler­nen­den — weni­ger das finan­zi­elle Etwas.

    @andreas: Mit­neh­men hatte ich mit Mit­le­ben und mit dem Begriff „Pra­xis leh­ren“ aus­drü­cken wol­len. Aber du hast recht: Eigent­lich ist es noch mehr — und das Ende des bis­he­ri­gen Dozenten-​​Monolog-​​Unterrichts. Ach ja: „Nehmt die Stu­den­ten mit auf die Reise in die SM-​​Welt.“ Wer nicht aus der Bran­che ist, wird jetzt sicher­lich ungläubig/​zweifelnd/​neidisch mit dem Kopf schütteln.

    @martin: Wenn ich dies wirk­lich bei dir aus­ge­löst habe, dann macht mich dies rich­tig glück­lich. Dann zeigt es näm­lich, dass die Begeis­te­rung ange­kom­men ist und ange­steckt hat — vor allem zum Aus­pro­bie­ren auch von neuen Ideen, Kon­zep­ten, Instru­men­ten. Und vom dem Sieg gegen Word­Press und den gewinn­brin­gen­den Euros darfst du mir das nächste Mal live erzäh­len. Schließ­lich will auch ein Dozent immer etwas von sei­nen Stu­dis ler­nen. Sollte er auf jeden Fall.

    @su franke: Sozi­al­kom­pe­tenz, Dia­log, ich könnte auch Ehr­lich­keit und Offen­heit oder ehr­li­ches Inter­esse und mensch­li­ches Mit­ein­an­der und noch vie­les mehr hin­zu­fü­gen. Denn ja: Softs­kills run­den ein Dozenten-​​Profil erst ab — und zwar als Top-​​Skills und nicht Neben-​​Skills. Das Schöne: Jeder kann hier­bei noch eine Menge ler­nen — täg­lich und lebens­lang — und sich an der Wir­kung dann jedes Mal neu erfreuen.

  6. Oliver sagt:

    Die Ver­mitt­lung von Know-​​how ist immer aktua­li­täts­ge­bun­den. Das Wis­sen, das ich heute ver­mittle, kann mor­gen schon ver­al­tet sein. Die hohe Kunst ist es aus mei­ner Sicht, gutes Metho­den­wis­sen mit the­mat­si­chen Lang­zeit­li­nien und Case-​​Studies als Moment­auf­nah­men zu ver­bin­den. Nicht jedes Thema ist rele­vant und gerade in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft ist es umso wich­ti­ger rele­van­tes Wis­sen zu erken­nen und immer wie­der neu zu reflek­tie­ren. Die Pra­xis sagt mir: Jeder Fall ist anders, von daher braucht man Wis­sen, das einen neu­tra­len und dis­tan­zier­ten Blick erlaubt — unab­hän­gig vom jewei­li­gen Gegenstand.

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