Archiv | 2011

Abschied: Tipps für Kolumbien-​​Reisende

Cartagena bei Nacht in Kolumbien

Nach drei Wochen ist meine Kolumbien-​​Reise jetzt zu Ende. Statt eines Resü­mees will ich lie­ber jedem Neu­gie­ri­gen die­ses Land wärms­tens ans Herz legen. Und damit die Rei­se­pla­nung etwas ein­fa­cher wird, habe ich meine wich­tigs­ten Tipps kurz zusammengefasst.

Flüge: Mei­nen rich­ti­gen bil­li­gen Airfrance-​​Flug (ca. 550 Euro) habe ich über meine der­zei­tige Lieblings-​​Reisesuchmaschine swoo­doo geschos­sen. Im Inland bin ich bis­lang mit der Bil­lig­flug­li­nie Easy­fly, der Staats­li­nie Avi­anca und der Panana-​​Line Copa geflo­gen — alle recht zuver­läs­sig und pünktlich.

Rei­se­zeit: Eigent­lich emp­fiehlt jeder den Zeit­raum zwi­schen Dezem­ber und April als Rei­se­mo­nate — also zwi­schen den Rei­se­zei­ten. Aber bei dem, was „La Nina“ mit uns die­ses Jahr wie­der ange­stellt hat (bzw. wir mit der Natur anstel­len), wer­den Reisezeit-​​Tipps immer schwie­ri­ger. Trotz­dem würde ich den Zeit­raum bis auf den Januar emp­feh­len, denn da hat das gesamte Land Ferien, und die Preise sind deut­lich höher.

Hotels: (alles Preise für EZ/​DZ inkl. Frühstück)

  • Bogota: Die­ses Mal habe ich die Casa Vio­leta gewählt, das sich wie viele hier „Bou­tique“ nennt. Das Hos­tal ist erst 6 Monate alt — und noch viel wird gewer­kelt. Das Team nett und bemüht, der Preis pro Zim­mer bei 29 Euro mit Gemein­schafts­bad okay. Wer keine Hei­zung braucht (in Bogota wird’s auf 2.700m ver­dammt kalt) und null lär­m­emp­find­lich ist (Zim­mer sind ziem­lich hell­hö­rig) kann zum Bei­spiel mein Comic-​​Zimmer buchen. Aber es gibt mit Sicher­heit bes­se­res zu ähnli­chen Preisen.
  • Villa de Leyva: Die Hos­pe­deria La Roca war meine per­sön­li­che Lieblings-​​Neuentdeckung — und das zum jähr­li­chen Feu­er­werk­spek­ta­kel. Direkt an einem der schöns­ten Plätze der Welt gele­gen dehnt sich das Hotel sich über zwei große, zwei­stö­ckige Innen­höfe aus. Wun­der­bare Zim­mer, tolle Atmo­sphäre und das für 30 Euro inkl. Pri­vat­bad — ich war 4 Nächte lang sehr glücklich.
  • Tunja: Über die­ses Hotel in der eher mit­tel­präch­ti­gen Stadt hülle ich lie­ber den Man­tel des Schwei­gens. Bes­ser nach 2 Stun­den Auf­ent­halt direkt weiterreisen.
  • San Gil: Erst vor 2 Mona­ten als Hotel-​​Ergänzung zu Sam’s Hos­tel eröff­net, will Sam mit der Man­sión del Par­que Rei­sende anzie­hen, die etwas mehr als Mehr­bett­zim­mer und Gemein­schafts­bad erwar­ten. 30 Euro mit Bad ohne Früh­stück ist für den gro­ßen, extrem hell­hö­ri­gen Raum nicht bil­lig. Auch würde ich eher eine Unter­kunft in dem wun­der­schö­nen, nur 40 Minu­ten ent­fern­ten Kolonial-​​Dorf Bari­chara empfehlen.
  • Girón: Auch wenn die E-​​Mail-​​Kommunikation mit dem Hotel Las Nie­ves etwas müh­sam war, hat es sich gelohnt: Direkt am Haupt­platz des wun­der­schö­nen Ortes Girón gele­gen, ist es ein stol­zes, hüb­sches Haus mit net­tem Innen­hof, extrem groß­räu­mi­gen Zim­mern — und das für 15 Euro inkl. Privatbad.
  • Santa Marta: Mein Lieb­lings­ho­tel: Jeder, der nach Santa Marta kommt, sollte unbe­dingt ins Nueva Gra­nada. Das Team um Javier ist super­nett und hilfs­be­reit, die Lage der Zim­mer rund um den Innen­hof mit klei­nem Pool und kräch­zen­dem Papa­gei ent­spannt. Und wem es wie mir mal gesund­heit­lich schlecht geht, kann sich auf alle 100%ig ver­las­sen. Der Preis: 25 Euro pro Zim­mer mit Bad. Bes­ser geht es nicht.
  • Car­ta­gena: Die schönste Stadt Kolum­bi­ens ist teuer — und auch die Hotels sind nicht wirk­lich bil­lig. Wer ein biss­chen Qua­li­tät haben will, sollte sich das 3 Ban­de­ras vor­neh­men. Die Lage im etwas weni­ger tou­ris­ti­schen Stadt­teil San Diego ist top, alles Sehens­wür­dige in siche­rer Lauf­ent­fer­nung, das Haus mit sei­nen Brun­nen und den Zim­mern sehr geschmack­voll gestal­tet, das Team stets hilfs­be­reit. Der Preis: 75 Euro inkl. a/​c, Früh­stück und Bad.

Posted in Allgemein, Featured, texter on road3 Kommentare

Was Zeitungen alles so behaupten …

Kürz­lich in einer kolum­bia­ni­schen Zeit­schrift ent­deckt: Die wich­tigs­ten The­men aus der Online-​​Welt des Jah­res 2011. Alles recht tref­fend. Nur dass Steve Jobs doch zu Google gehörte, wäre mir dann doch ent­gan­gen. Oder wie soll ich diese gra­fi­sche Dar­stel­lung anders deuten?

Zeitschrift packt Steve Jobs doch zu Google

Posted in Featured, Fundtext, texter on roadKeine Kommentare

Eine andere Religiositaet

Ich habe schon oef­ters ueber das Thema Reli­gio­si­taet in Kolum­bien und ueber die Men­schen geschrie­ben, wie sie diese leben, indem sie — ob jung oder alt, gesetzt, cool, trendy, nor­mal, reich oder arm — sofort das Kreuz auf der Brust schla­gen, nicht nur wenn sie ein Got­tes­haus betre­ten, son­dern oft auch wenn sie es nur pas­sie­ren. Oder wie sie im Gebet tief ver­sun­ken trotz­dem noch zu ihrem laeu­ten­dem Handy grei­fen, da das Mobil­te­le­fon ihr Ein­un­dal­les ist. Bei die­sen Moment zeigt sich, dass die Reli­gio­si­taet fes­ter Bestand­teil und Teil der inne­ren Seele aller Kolum­bia­ner ist. Wenn man sich nicht mit ihr aus­ein­an­der setzt, wird man das Land und die Men­schen nie wirk­lich ver­ste­hen koennen.

Gerade komme ich bei­spiels­weise aus einer Kir­che — schliess­lich ist heute Weih­nach­ten. Und in frem­den Kul­tu­ren lernt man an die­sen Orten und Tagen viel ueber das Wesen der Men­schen. Die Weih­nachts­messe lief — und vie­les brachte mich zum Schmunzeln. Da war zum einen diese rie­sige Krippe, die — wie alles hier im Land — nicht mit ech­ten Ker­zen, son­dern mit einem glikt­zern­den und dyna­misch rea­gie­ren­den Lichterketten-​​Kombo erleuch­tert war, die mei­nen LED-​​Freund Jens begeis­tert haette.

„Stille Nacht, hei­lige Nacht …“ wurde von einer Seage­rin samt akkus­ti­scher Gui­tarre — inklu­sive elek­tro­ni­schem Kirchen-​​Verstaerker — ange­stimmt. Und — fuer die nicht Text­fes­ten — wurde neben dem Altar ein Bea­mer mit Lein­wand auf­ge­baut, ueber die die Gesangs­zei­len leicht nach­les­bar liefen.

Auch viele gerade der Besu­che­rin­nen haette man bei uns kaum zur Messe zuge­las­sen: Weih­nachts­fein auf­ge­hu­ebscht (wie alle in der Stadt) stoe­ckel­ten sie auf den hoechs­ten Schu­hen, in den kuer­zes­ten, engs­ten Roecken und mit den tiefst aus­ge­schnit­te­nen, schul­ter­freien Kleid­chen in und durch die Kir­che, am Ein­gang sorg­fa­el­tig das Kreuz auf die Brust zeich­nend, um dann neben Freun­din­nen und natu­er­lich der Fami­lie in einer Kir­chen­bank knie­end im Gebet zu versinken.

Auch dies ist wie­der eines der zahl­rei­chen Sym­bole, wie „nor­mal“ hier der Umgang der Men­schen mit ihrer Reli­gio­si­taet und ihrem ueber­zeug­ten Glau­ben ist, die fes­ter Bestand­teil ihres Leben und ihrer ganz per­so­en­li­chen Liebe sind.

Posted in Allgemein, texter on roadKeine Kommentare

Das etwas andere Weihnachten

Wenn in einem weit abge­le­ge­nen Klos­ter „Vom Him­mel hoch, da komm ich her“ auf deutsch erto­ent,
wenn eine Gruppe Kin­der in einer ver­steck­ten Gasse auf ihren Gei­gen „Oh du Fro­eh­li­che“ einstimmt,

wenn kleine Dorf­kir­chen ihre treue Gemeinde zum all­abend­li­chen Weih­nachts­kon­zert laden,
wenn Got­tes­haeu­ser auf zen­tra­len Plaet­zen jeden Mor­gen um 3.30 Uhr zur Fru­eh­messe laut laeuten,

wenn der groesste Weih­nachts­baum nicht im kal­ten Ber­lin son­dern im ver­reg­ne­ten Bogota steht,
wenn in jeder TV-​​Sendung fuer Geschenke gewor­ben wird, waeh­rend im Hin­ter­grund (Kunst-)Schnee faellt,

wenn an prak­tisch allen Haeu­sern — ob Stadt, ob Dorf — die Weih­nachts­be­leuch­tung schrill glit­zert,
wenn Lich­t­er­schlan­gen Sterne und Baeume auf Plaet­zen, in Stras­sen, in Natur­schutz­parks erleuchten,

wenn ael­tere Los­ver­kaeu­fer bei ueber 30 Grad Hitze stolz ihre wol­le­nen Weih­nachts­muet­zen tra­gen,
wenn mit Sues­screme gefu­ellte Spru­eh­do­sen unvor­sich­tige Pas­san­ten mit weis­sen Baer­ten verzieren,

dann spu­ert auch der zuge­reiste Deut­sche schon etwas melan­cho­lisch, dass Weih­nach­ten vor der Tuer steht und in jedem Land etwas ganz beson­de­res ist — auch in sei­nem eige­nen Herzen.

Frohe Weih­nach­ten Euch Lieben!

Posted in Allgemein, texter on roadKeine Kommentare

Mehr Regen — mehr Touristen — mehr Handys

Ges­tern hat mich der Besit­zer mei­nes Hotels in Santa Marta gefragt, was sich mei­ner Mei­nung nach in Kolum­bien inner­halb der letz­ten drei Jahre seit mei­nes letz­ten Auf­ent­halts so alles ver­aen­dert haette. Da fie­len mir spon­tan drei Aspekte ein:

1) Mehr Regen: Das Wet­ter­phae­no­men „La Niña“ hat hier voll zuge­schla­gen und in vie­len Regio­nen des Lan­des fuer schlimmste Ueber­schwem­mun­gen und Ver­wu­e­s­tun­gen gesorgt. Ich habe hier Bil­der im Fern­se­hen gese­hen, die mich regel­recht scho­ckiert haben — aber davon bekommt ihr in Deutsch­land sicher­lich nichts mit ;-(. Kaum jemand, mit dem ich hier gespro­chen habe, kann sich an der­ar­tige Was­ser­mas­sen erin­nern wie in die­sem Jahr. Einen guten Teil mei­ner Reise vor drei Jah­ren haette ich die­ses Jahr nie­mals machen koen­nen. Dabei ist die Regen­zeit eigent­lich seit 1 Monat zu Ende.

2) Mehr Tou­ris­ten: Auch wenn ich keine offi­zi­el­len Zah­len bei der Ent­wick­lung der Tou­ris­ten­zah­len kenne, ist es doch offen­sicht­lich: Die Zahl gerade der aus­la­en­di­schen Besu­cher hat deut­lich zuge­nom­men. Das betrifft die Haupt­stadt Bogota genauso wie fast alle meine bis­he­ri­gen Rei­se­ziele und sowohl Back­pa­cker, rei­sende Paare als auch Fami­lien mit Kin­dern. Kolum­bien scheint sich also ganz all­ma­eh­lich und Schritt fuer Schritt zum Rei­se­land zu ent­wi­ckeln. Bei den zahl­rei­chen teils noch unent­deck­ten Rei­zen auch kein Wunder.

3) Mehr Han­dys: Die welt­weite Mobil­funk­pho­bie hat auch hier voll zuge­schla­gen — auch wenn es wei­ter­hin die flie­gen­den „Minutos“-Telefonanbieter gibt. Kaum ein Ort, an dem nicht tele­fo­niert, gesmst oder per Face­book u.ae. kom­mu­ni­ziert wird. Bevor­zugte Han­dy­marke ist ueb­ri­gens ein­deu­tig Nokia. Das unglaub­lichste Bei­spiel habe ich erst vor weni­gen Tagen in der 2.800 Meter hoch gele­ge­nen Stadt Tunja erlebt. Ich sass in einer Kir­che, eine Bank wei­ter betete ein juen­ge­rer Mann knie­end in sich ver­tieft — die Reli­gio­si­taet ist im gesam­ten Land wei­ter­hin extrem hoch. Ploe­tz­lich laeu­tete sein Handy. Nicht dass er die­ses in die­sem inni­gen Moment igno­rie­ren wuerde. Kei­nes­wegs. Viel­mehr nahm er in sei­ner wei­ter­hin knie­en­den Stel­lung den Anruf an, sprach mit etwas geda­empf­ter Stimme in unver­aen­der­ter Hal­tung einige Minu­ten lang, um nach Abschluss — immer noch in der­sel­ben Hal­tung — wei­ter zu beten. Und da soll noch jemand sagen, dass Kir­che und Moder­ni­taet nicht zusammenpassen. ;-)

 

Posted in Allgemein, texter on roadKeine Kommentare

Entspannen am Strand? Fehlanzeige!

Wenn etwas in Kolum­bien am Strand nicht klappt, dann ist das schla­fen oder doe­sen. Nicht, weil die Straende so ueber­fu­ellt wae­ren und fuer einen zu hohen Laermpe­gel sorg­ten. Kei­nes­wegs! Die „Stoe­rer“ sind eher berufsbedingt.

Denn hat man sich ein­mal aus­ge­streckt und die Augen geschlos­sen, wird man — so meine offi­zi­el­len Berech­nun­gen — alle 8,5 Sekun­den einen ande­ren flie­gen­den Haend­ler vor sich haben. Schliess­lich haben sie eine Menge im Ange­bot. Da wae­ren — regel­ma­es­sig rou­tie­rend — „Aguila, cer­veza, agua“ (Bier und Was­ser), „Masa­jes“ (Mas­sa­gen, sic), „Tinto“ (Kaf­fee schwarz stark gesu­esst), „Hela­dos“ (Eis), „Fru­tas“ (meist Man­go­schnitze), „Cocos“ (Erst Nuss trin­ken, dann essen), „Ost­ras“ (Aus­tern), „Car­nes“ (Fleisch­spies­schen) oder mal „Excur­sio­nes“ (Tickets fuer Ausfluege).

Dazu noch alle Arten von Chips, Eis­schnee mit sues­sen Sos­sen (hat meist eine Penis­form ;-), daher viel­leicht so beliebt), T-​​Shirts und Umhaenge, Sil­ber­schmuck, Koral­len­ket­ten und Arm­baen­der (natu­er­lich alle made in Colom­bia), Tretboot-​​Angebote, Fotos vor Mee­res­hin­ter­grund (selbst­ver­staend­lich von pro­fes­sio­nel­len Foto­gra­fen) und wei­tere 38 oder 39 mehr oder weni­ger span­nende Offer­ten. Da hilft nur eines: Weit ins Meer raus­schwim­men. Denn da kom­men sie — noch — nicht hin.

Posted in Allgemein, texter on roadKeine Kommentare

Umfragen

Nach 2 Jahren haben wir das Layout des texterblogs völlig verändert. Wie gefällt es euch?

Ergebnisse anzeigen

Loading ... Loading ...

Tags