Ich habe schon oefters ueber das Thema Religiositaet in Kolumbien und ueber die Menschen geschrieben, wie sie diese leben, indem sie — ob jung oder alt, gesetzt, cool, trendy, normal, reich oder arm — sofort das Kreuz auf der Brust schlagen, nicht nur wenn sie ein Gotteshaus betreten, sondern oft auch wenn sie es nur passieren. Oder wie sie im Gebet tief versunken trotzdem noch zu ihrem laeutendem Handy greifen, da das Mobiltelefon ihr Einundalles ist. Bei diesen Moment zeigt sich, dass die Religiositaet fester Bestandteil und Teil der inneren Seele aller Kolumbianer ist. Wenn man sich nicht mit ihr auseinander setzt, wird man das Land und die Menschen nie wirklich verstehen koennen.
Gerade komme ich beispielsweise aus einer Kirche — schliesslich ist heute Weihnachten. Und in fremden Kulturen lernt man an diesen Orten und Tagen viel ueber das Wesen der Menschen. Die Weihnachtsmesse lief — und vieles brachte mich zum Schmunzeln. Da war zum einen diese riesige Krippe, die — wie alles hier im Land — nicht mit echten Kerzen, sondern mit einem gliktzernden und dynamisch reagierenden Lichterketten-Kombo erleuchtert war, die meinen LED-Freund Jens begeistert haette.
„Stille Nacht, heilige Nacht …“ wurde von einer Seagerin samt akkustischer Guitarre — inklusive elektronischem Kirchen-Verstaerker — angestimmt. Und — fuer die nicht Textfesten — wurde neben dem Altar ein Beamer mit Leinwand aufgebaut, ueber die die Gesangszeilen leicht nachlesbar liefen.
Auch viele gerade der Besucherinnen haette man bei uns kaum zur Messe zugelassen: Weihnachtsfein aufgehuebscht (wie alle in der Stadt) stoeckelten sie auf den hoechsten Schuhen, in den kuerzesten, engsten Roecken und mit den tiefst ausgeschnittenen, schulterfreien Kleidchen in und durch die Kirche, am Eingang sorgfaeltig das Kreuz auf die Brust zeichnend, um dann neben Freundinnen und natuerlich der Familie in einer Kirchenbank knieend im Gebet zu versinken.
Auch dies ist wieder eines der zahlreichen Symbole, wie „normal“ hier der Umgang der Menschen mit ihrer Religiositaet und ihrem ueberzeugten Glauben ist, die fester Bestandteil ihres Leben und ihrer ganz persoenlichen Liebe sind.

