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Glaube an die Sache

Glaube an die Sache im kolumbianischen Tunja

Die­sen Slo­gan „Glaube an die Sache“ scheint es wohl in jeder Spra­che zu geben, um den Glau­ben an die eigene — mili­tae­ri­sche — Staerke auch so zum Aus­druck zu brin­gen, dass es jeder glaubt. Wie hier auf dem zen­tra­len Platz im kolum­bia­ni­schen Tunja bei einer gros­sen Militaerparade.

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Bus-​​Beifahrer fuer 3 Stunden

Blick aus dem fahrenden Bus auf den Canjon Chicamocha

Nein, diese Fahrt werde ich nicht wie­der ver­ges­sen. Und nein, auch die­sen Fah­rer nicht. Darf ich kurz vor­stel­len: Pedro Pablo, 58 Jahre, vol­les, grau melier­tes Haar, leicht aus­ge­praeg­tes Dop­pel­kinn, gol­den ein­ge­fan­gene Bril­len­gla­e­ser, gebuer­tig aus San Gil, in der kolum­bia­ni­schen Pro­vinz Santan­der gele­gen, mit Beruf Bus­fah­rer. Wenn er lae­chelt, zeigt er stets seine zwei ver­blie­be­nen Schnei­de­zaehne, wenn er sich raeu­s­pert — und das tut er haeu­fig, hat man den Ein­druck, ein 7,5-Tonner setze gerade zum Ueber­ho­len an. Er selbst faehrt aber einen Klein­bus, hier Bus­seta genannt, und dies in die­sem Stil, wie ihn auch Selbst­mo­er­der pfle­gen koenn­ten, nur dass diese keine Fuhre Pas­sa­giere als ihnen anver­traute Beglei­ter haben.

Ges­tern durfte ich neben ihm auf dem Bei­fah­rer­sitz Platz neh­men. Dazu muss man wis­sen, dass die Gesell­schaf­ten meist die ein bis zwei — je nach Bus — Bei­fah­rer­plaetze mit ver­kau­fen, um mehr „Plata“, also Geld, zu machen. Bei die­ser Fahrt von San Gil nach Buca­ra­manga hatte ich es geschafft, neben ihm sit­zen zu duer­fen. Da wusste ich aber noch nicht, dass vor uns die land­schaft­lich scho­enste und auf­re­gendste Stre­cke lie­gen wuerde, die ich bis­lang ken­nen­ler­nen durfte. Vom Outdoor-​​Mekka San Gil auf ca. 1.000 Metern Hoehe gele­gen schraubte sich der voll­ge­packte Bus schwer schnau­bend die Ser­pen­ti­nen hin­aus. Die zwei­fach durch­ge­zo­gene Fahr­bahn­li­nie muss eine hier unbe­kannte Bedeu­tung haben. Pedro Pablo ver­suchte statt­des­sen, so ziem­lich alles zu ueber­ho­len, was sich uns in den Weg stellte. Und das war ein gan­zer Zug an Lkws, Tank­wa­gen, Hueh­ner– und Bier­trans­por­tern, deren wenig hueb­sche Hin­ter­teile uns nur kurz anlach­ten. Schliess­lich bil­det diese enge Gebirgs­stre­cke die ein­zige Ver­bin­dung zwi­schen der Millionen-​​Metropole Bogota und der tou­ris­tisch wenig inter­es­san­ten Indus­triegross­stadt Buca­ra­manga.

Vor jedem Ueber­hol­vor­gang raeu­s­perte sich unser Fah­rer aus­fu­ehr­lich, riss dann kraft­voll den Rang run­ter, schwenkte kraef­tig aus und war dann meist an allen vor­bei — falls er mit Voll­brem­sung nicht doch irgend­wie zwi­schen den teils ueber­hol­ten Opfern wie­der ein­sche­ren musste. Ein hueb­sches Manoever, vor allem wenn rechts die Fahr­bahn sich hin­ter einer 30 cm fla­chen Stras­sen­be­gren­zung in den tie­fen Can­yon Chi­ca­mocha woelbte, der sich immer­hin 500 und 1.500 Meter tief unter uns durch die­ses Gebirgs­mas­siv schlug. Ab und zu tauch­ten auf unse­rer Magen unfreund­li­chen Ser­pen­ti­nen­tour kleine Haeu­schen am Weges­rand auf, vor denen auf Lei­nen bunte T-​​Shirts, Slips und BHs im leich­ten Wind tau­mel­ten. An den Peage-​​Stationen war­te­ten Kin­der und ael­tere Frauen auf uns — mit Rie­sen­man­da­ri­nen im gebuen­del­ten 10er-​​Pack.

„Ohne diese vie­len Lkws wuer­den wir die Stre­cke leicht in zwei­ein­halb Stun­den schaf­fen“, stiess mein gaeh­nen­den Fah­rer durch die Schnei­de­zaehne und schien sich eher nach sei­nem Mit­tags­schla­ef­chen zu seh­nen. Schliess­lich hatte seine Uhr gerade 13 Uhr ange­zeigt. Doch schon im naechs­ten Momente setzte er wie­der alles dran, die im Stau ver­lo­rene Zeit rein­zu­ho­len. Neben mir war­tete statt­des­sen wie­der die tiefe Schlucht auf uns, waeh­rend uns gege­nu­e­ber die grauen, gra­fit­ar­ti­gen Fel­sen ihre kraef­ti­gen Kon­tu­ren im Sonnen-​​Schattenspiel zeigten.

110 Kilo­me­ter in drei Stun­den — dies schaf­fen auf die­ser viel befah­re­nen Ser­pen­ti­nen­stre­cke sicher­lich nur kolom­bia­ni­sche Bus­fah­rer. Pedro Pablo hatte gerade die zwei­ein­halb Stunden-​​Marke geris­sen, als wir die Indus­trie­me­tro­pole Buca­ra­manga bereits erreich­ten und mit 90 Stun­den­ki­lo­me­tern statt der erlaub­ten 30 bis 50 wenig sicher­heits­kon­form durch den Ver­kehr pflueg­ten. Irgend­wie war ich fast ein wenig trau­rig, als diese Begeg­nung wenige Kilo­me­ter spae­ter am Bus­bahn­hof ein Ende hatte. Aber wie sagt man hier so schoen: „Hasta luego“, also bis dann. Dabei blink­ten zum Abschied noch­mals die bei­den Schnei­de­zaehne durch Pablo Pedros wohl­wol­len­des Lae­cheln hindurch.

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Abschied von Villa de Leyva

Die Hauptplaza im kolumbianischen Villa de Leyva

Ein wun­der­schoener Ort, den ich ges­tern ver­las­sen habe: Villa de Leyva. Allein der Name klingt herr­schaft­lich, ele­gant, vor­nehm, nach wirk­li­cher Groesse. Gross ist aber nur der Platz, einer der groess­ten ganz Sue­dame­ri­kas: 14.000 m2 Weite, um es ganz genau zu neh­men. Dazu frei­ge­hal­ten als tae­gli­che Begeg­nungs­staette und Ort wich­ti­ger Fei­ern wie des jaehr­li­chen Fes­ti­val de Luces.

Wenn man genau in der Mitte des Plat­zes an die­sem klei­nen, alten Brun­nen steht, den man so leicht ueber­se­hen kann und aus dem fru­e­her die Frauen ihr tae­gli­ches Was­ser scho­epften, ver­liert sich der eigene Blick ein wenig: Nur auf­ge­fan­gen von den geweis­sel­ten, zwei­s­toecki­gen Gebaeu­den im kolo­nia­len Archi­tek­tur­stil, mit ihren schwar­zen Tue­ren, Fens­tern und Bal­ko­nen, die sich spae­tes­tens ab 23 Uhr in die Dun­kel­heit des Schla­fes ver­ab­schie­den, wenn sich nur noch ver­ein­zelte Dorf­ju­gend­li­che und nim­mer­muede Hunde Bier­fla­sche oder Schwanz wedelnd etwas lau­ter gute Nacht sagen.

Still, alt, ent­spannt, verschlafen

Villa de Leyva war nach Bogota die zweite laen­gere Sta­tion auf mei­ner Tour und der volle Gegen­satz: Dort die Mil­lio­nen Metro­pole, laut, modern, hek­tisch, her­risch; hier der 15.000 See­len­ort, still, alt, ent­spannt, zuru­eck­hal­tend, der auf 450 Jahre Geschichte zuru­eck­blickt. Boese koennte man von einer Pup­pen­stube spre­chen — huebsch gemacht, mit den vie­len klei­nen Cafes, den gemuet­li­chen Restos und den nett anzu­se­hen­den Anti­qui­ta­te­ten­la­eden. Und dies waere kei­nes­wegs falsch beschrie­ben, schliess­lich lebt die­ses kolo­niale Sta­edt­chen knapp drei Stun­den Fahrt noerd­lich von Bogota aus­schliess­lich vom Tou­ris­mus. Und dies kei­nes­wegs schlecht. Doch im Unter­schied zu heu­ti­gen rei­nen Tou­ris­ten­ge­scho­ep­fen wie Assisi, Obi­dos oder Rothen­burg ob der Tau­ber (ich weiss, dass die­ser Ver­gleich gerade sehr will­ku­er­lich ist), hat sich der Ort seine Ent­spannt­heit, seine eigene Nor­ma­li­taet, sei­nen Dorf­cha­rak­ter, seine Tages­ab­la­eufe — gerade wenn die som­mer­li­chen Wochen­en­den vor­bei sind -, bewahrt.

Viel­leicht laesst sich dies damit erklae­ren, dass es hier eigent­lich nicht viel zu sehen gibt: 2–3 Kir­chen, das Haus eines Revo­lu­ti­ons­hel­den, ein Museum fuer loka­les Kunst­hand­werk, dazu ein klei­ner Natio­nal­park mit maenn­li­chen Frucht­bar­keits­sym­bo­len und ein pra­ech­tig erhal­te­nes Domi­ni­ka­ner­kon­vent in der nahen Umge­bung. Auch ist der Ort, wie ein Fueh­rer pas­send schrieb, inner­halb von zehn Minu­ten in allen Rich­tun­gen zu erlau­fen — natu­er­lich immer vom zen­tra­len Platz ausgehend.

Weni­ger ist manch­mal mehr

Doch braucht man wirk­lich mehr? Genuegt nicht das als Schach­brett­mus­ter ange­legte Gas­sen­ge­flecht aus mal purer, mal etwas ver­spiel­ter kolo­nia­len Archi­tek­tur? Diese vor 60 Jah­ren mit Kopf­stein­pflas­ter ange­leg­ten Wege, die jede Stoe­ckel­schuh­trae­ge­rin unwei­ger­lich in die Arme des naechs­ten Schus­ters trei­ben? Und die sich bei Regen in Minu­ten­schnelle in reis­sende Bae­che ver­wan­deln koen­nen, deren Ueber­que­rung zur Kern­auf­gabe jedes Fuss­ga­en­gers wird? Die klei­nen Laeden, deren Besit­zer einem schon bald ein mor­gend­li­ches oder abend­li­ches Lae­cheln schen­ken oder ein paar Worte zuru­fen? Die Hand­voll — ueber­teu­er­ter — Restos und Bars rund um die Plaza, die zu die­ser glu­eck­li­chen Weite im eige­nen Blick ein­la­den — und dies jeden Tag und Abend aufs Neue?

Es gibt die­sen sehr tref­fen­den Aus­spruch (von wem stammt der eigent­lich?), dass „manch­mal“ — warum eigent­lich nur manch­mal! — „weni­ger mehr ist“. So ist es auch hier. Dies wird vie­len jedoch erst dann wirk­lich auf­fal­len, wenn sie die­sen Ort bereits hin­ter sich gelas­sen haben und seine Ruhe, Ent­spannt­heit, Ver­traut­heit und kolo­niale Scho­en­heit etwas zu ver­mis­sen beginnen.

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So sieht ein richtiges Feuerwerk aus

Feuerwerk in Villa de Leyva

Wun­der­vol­les Feu­er­werk in Villa de Leyva jedes Jahr zum Fes­ti­val de Luces — erlebt vor weni­gen Tagen.

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Der Clasico in der Dorfkneipe

Die "Dorfkneipe" im kolumbianischen Villa de Leyva

Real Madrid & FC Bar­ce­lona luden zum Cla­sico, die­ses Mal in die „Dorf­kneipe“,

Aguila, Poker, Costeño flos­sen in Stroemen, der 1860-​​Loewenschal lae­chelte dazu an der Wand,

2x 5.000 Pesos auf Real gesetzt, trotz durch­weg schlech­ter Erfahrungen,

Auf den 85.000 Topf gehofft, meine Nach­ba­rin hat sich statt mir gefreut,

Dafuer viele Bekannte gewon­nen, zumin­dest fuer die­sen einen Spieltag,

So ist es wohl, wenn die Welt im Dorf gastiert.

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Obst statt Glimmstengel

Liebe Frau Gesundheitsministerin,

Nicht rauchen - besser Obst essen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

waere dies nicht ein wun­der­ba­rer Slo­gan fuer Ihre naechste Kam­pa­gne? „Hoert auf zu rau­chen und esst mehr Obst“. Alter­na­tiv ginge natu­er­lich auch „Obst statt Zich­ten“ oder „Nur die Fru­echte ueber­le­ben“. Damit wuer­den sie gleich zwei Dinge errei­chen: Die Zahl der Rau­cher redu­zie­ren und die Menge der Obst­lieb­ha­ber erho­ehen. Sogar die Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin haette fuer ihre Bau­ern damit eine posi­tive Nachricht.

Und das mit den feh­len­den Steu­er­ein­nah­men aus dem gerin­ge­ren Ver­brauch von Klimms­ten­geln liesse sich ganz ein­fach loe­sen. Fueh­ren Sie doch eine Obst­steuer ein. Selbst die FDP waere glu­eck­lich, end­lich mal eine posi­tiv gefa­erbte Steuer-​​Nachricht zu verkuenden.

Dies nur so als Idee, die mir von der Kopfs­tu­etze mei­nes Vor­der­man­nes in einem rum­peln­den Mini­bus noerd­lich von Bogota so ins Auge sprang.

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