Archiv | texter on road

Der texter on road sagt Ciao

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Rück­kehr in die Kälte Ber­lins — und Ende der Reise.

Jede Reise hat ein Ende — lei­der! — und auch diese. Und dazu ein eis­kal­tes am Flug­ha­fen Berlin-​​Tegel — nach Tem­pe­ra­tur­sturz von 30 Grad (Val­pa­raiso) auf –5 Grad (Ber­lin). Wann kommt hier der Sommer?

Bye Bye und bis zur nächs­ten Tour sagt

Domi­nik

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Top– oder Flop-​​Hotel

Als Tipps für alle ande­ren Tra­vel­ler, die wie ich weder als Back­pa­cker noch als Edel­tra­vel­ler son­dern auf Middleclass-​​Niveau durch Chile und Argen­ti­nien rei­sen, hier meine Hotels im Rück­blick mit kur­zer Bewertung.

Bue­nos Aires, Hotel Mun­dial, EZ 30 Euro: Hotel o.k.; liegt rela­tiv zen­tral aber etwas zu nörd­lich an der berühm­ten Av. de Mayo; Ser­vice, Zim­mer, Früh­stück alles mit­tel­mä­ßig bis o.k.; kann man neh­men, gibt aber sicher besseres.

Iguazú, Los Tron­cos, EZ 50 Euro: Traum­haf­tes pri­va­tes Hotel in und gleich­zei­tig am Rand des Ortes — als Aus­gangs­punkt zu den Was­ser­fäl­len. Wer diese atmo­sphä­ri­sche Welt nicht genies­sen kann, ist sel­ber schuld.

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Das roman­ti­sche Hotel Los Tron­cos in Iguazú — per­fekt für einen Besuch bei den Wasserfällen

Men­doza, Hotel Nutibara, EZ 40 Euro: Von außen häss­lich, Zim­mer in Ord­nung, Lage, Ser­vice, Hilfs­be­reit­schaft fan­tas­tisch, der kleine Outdoor-​​Pool am mor­gen ganz für sich allein gött­lich. Und diese Freund­lich­keit! Beden­ken­los buchen — für 40 Euro gibt es in der Wein­stadt nix bes­se­res. Und auch für mehr Geld kaum.

San­tiago de Chile, Hotel Vegas, EZ 40 Euro: Liegt im hüb­schen, ver­win­kel­ten, kopfst­ein­ge­pflas­ter­ten Bar­rio Lond­res direkt süd­lich der Haupt­achse Ala­meda. Für Sight­seer liegt alles in Lauf­ent­fer­nung, für Nacht­eu­len die Szene zu weit nörd­lich. Aber Zim­mer, Früh­stück, Ser­vice alles mehr als o.k.. Ich würde wie­der­kom­men. Wer einen bes­se­ren Tipp hat, her damit. In Sna­tiago ist es nicht einfach.

Val­pa­raiso, B&B Har­ring­ton, EZ 40 Euro: Bei Tri­pad­vi­sor das best bewer­tete B&B in Val­pa­raiso — daher auch von mir gebucht. Ein sehr per­sön­li­ches Hos­tal mit 5 Zim­mern auf dem schöns­ten Hügel Con­cep­tion hat hier ein aus Besan­con aus­ge­wan­der­tes fran­zö­si­sches Paar erschaf­fen. Sehr geschmack­voll ein­ge­rich­tete Zim­mer, tol­les Früh­stück (und das in Chile!) und dazu jede Menge Tipps und Hil­fe­stel­lun­gen für jeden Neu­an­kömm­lich. Was will man mehr! Tipp: Zim­mer 1 ist das schönste Doppelzimmer.

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Das schöne B&B Har­ring­ton in Val­pa­raiso auf dem Hügel Conception

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Elvis lebt auch hier weiter

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elvis lebt wei­ter — wie hier in Val­pa­raiso Chile

*hier war — lei­der — vor­ges­tern in Val­pa­raiso, Chile

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Chile und Argentinien sind unterschiedliche Nachbarn

Heute ist mein letz­ter Rei­se­tag. Zeit fuer ein klei­nes Resu­mee nach die­ser 2-​​Laender-​​Tour. Chile und Argen­ti­nien sind Nach­barn. Gleich­lang unter­schied­lich breit. Und zwar sehr unter­schied­lich: Das maech­tige Argen­ti­nien und das schmale Hand­tuch Chile. Getrennt nur durch die meh­rere Tau­send Kilo­me­ter lange Andenkette.

Doch wie stark unter­schei­den sie sich eigent­lich in ihren Gewohn­hei­ten? Sind sie so aehn­li­che Nach­barn wie Deut­sche und Hol­la­en­der oder sehr anders wie Deut­sche und Polen? Ich weiss, der Ver­gleich hinkt. Auch wenn sich beide Laen­der nach nur drei Wochen Rei­se­zeit nur sehr begrenzt ver­glei­chen las­sen, ver­su­che ich es ein­fach mal.

a) Die Chi­le­nen sind reli­gio­e­ser: Man­gelt es in Bue­nos Aires und Men­doza an wich­ti­gen Kir­chen, sind sie gerade in San­tiago im Stras­sen­bild uebe­r­all sicht­bar — und gut besucht. Kaum ein Chi­lene — jung, alt, Mann, Frau, der nicht das Got­tes­haus per Knicks, Kreuz­zei­chen, Beru­eh­rung der Hei­li­gen oder von Sym­bo­len betritt und so wie­der verlaesst.

b) Die Chi­le­nen tra­gen mehr Son­nen­bril­len: Faellt man in Bue­nos Aires mit einer Son­nen­brille noch fast auf, kom­men Chi­le­nen ohne die­ses Gestell auf der Nase defi­ni­tiv nicht aus. Nicht mal in der dunk­len U-​​Bahn von San­tiago las­sen sie es von der Nase, was ich bis­lang nur von den — coo­len — Ita­lie­nern kannte.

c) Die Chi­le­nen sind spielsu­ech­ti­ger: Es gibt kaum eine Strasse, in der die Chi­le­nen nicht ihrem Hobby nach­ge­hen: Spie­len. Meist ist es ein ein­fa­cher Schuh­kar­ton, in dem 10 bis 20 Spiel­au­to­ma­ten jeg­li­cher Art ste­hen, die rund um die Uhr im Ein­satz sind. Keine Ahnung, woher diese Sucht kommt.

d) Die Argen­ti­nier essen bes­ser: Nichts ist leich­ter als in Argen­ti­nien gut zu essen. Die Fleisch­qua­li­taet ist ueber­ra­gend, die Piz­zaqua­li­taet fast wie in Itlaien. Eigent­lich laesst sich gerade fuer Nicht-​​Vegetarier nix falsch machen — und das schon fuer rela­tiv wenig Geld. Wer in Chile dage­gen rich­tig gut essen will, gibt viel Geld aus, geht um die Mit­tags­zeit essen — oder liebt Fastfood.

e) Die Chi­le­nen haben einen eige­nen Drink: Nau­ter­lich den Pisco — meist mit Zitro­nen­saft und Zucker als Pisco Sour. So steht die­ses leckere Etwas auf jeder Aperitif-​​Karte — und wird zahl­los genos­sen. Von mir auch!

f) Die Argen­ti­nier haben eine eigene Musik: Natu­er­lich den Tango. Und der domi­niert alles. Und in Chile? Einen eige­nen Stil wie in Argen­ti­nien oder auch in Kolum­bien habe ich noch nicht ent­deckt. Eher ein Mix aus allem.

g) Die Chi­le­nen spre­chen schnel­ler: Machen die Argent­nier nur aus dem „ll“-Buchstaben ein mal schaer­fe­res, mal wei­che­res „Sch“, sind die Chi­le­nen die schnel­le­ren, fau­le­ren Spre­cher. Sie ver­schlu­cken genre die Sil­ben, was das Ver­staend­nis nicht ganz ein­fach macht. So nannte unser Gren­zer den Gren­zu­e­ber­gang immer „Liber­dor“. Erst im nach­hin­ein habe ich ver­stan­den, dass er „Liberta­dor“ gemeint hat.

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Valparaiso in wenigen Bildern

Damit ihr einen ers­ten visu­el­len Ein­druck von die­ser beson­de­ren Stadt Val­pa­raiso bekommt sowie ihren viel­schich­ti­gen Bil­dern und Gefu­eh­len, die sie bei jedem Besu­cher hin­ter­la­esst, hier eine kleine Galerie.

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Mit Pedro im Gefaengnis

Ges­tern war ich im Gefa­eng­nis. Ja, in einem rich­ti­gen Gefa­eng­nis. Mit Gefa­eng­nis­tor, Gefa­eng­nis­hof, Gefa­eng­nis­zel­len, Gefa­eng­nis­ga­en­gen. Sogar ueber den rie­si­gen Fuss­ball­platz des Gefa­eng­nis­ses durfte ich lau­fen. Mit den vie­len ver­git­ter­ten Guck­loe­chern der zahl­lo­sen Zel­len drumherm, aus denen die Gefan­ge­nen die Spiele beob­ach­ten koen­nen bzw. konn­ten. Denn in einem unter­schied sich die­ses Gefa­eng­nis nicht unwe­sent­lich von den aktu­el­len Anstal­ten: Es war ver­waist. Es waren keine Gefan­ge­nen mehr da. Es war auch kein Gefa­eng­nis­per­so­nal mehr anwe­send. Die sind alle schon seit dem Jahr 2000 aus­ge­flo­gen. Seit­dem vege­tiert diese Ex-​​Carcel vor sich hin. Oder nicht ganz.

Vor dem Tor lernte ich Pedro ken­nen. Pedro kennt diese Anlage wohl bes­ser als jeder andere. Er war 20 Jahre lang selbst Haeft­ling in die­ser Anlage. Warum, habe ich ihn nicht gefragt. Irgend­wann sei er dann mit ande­ren Mit­in­sas­sen durch einen Tun­nel geflo­hen. Heute ist er 55 Jahre alt: „Ich habe fast mein hal­bes Leben in die­ser Anlage ver­bracht. Manch­mal fuehre ich jetzt Besu­cher herum, um mir etwas dazu­zu­ver­die­nen“, sagt der Grau­haa­rige, der seine Augen hin­ter einer dicken Brille verbirgt.

Es war Mit­tags­zeit. Die Sonne brannte. Viel war um diese Zeit nicht los in die­sem geo­eff­ne­ten Sperr­raum. Ein Saxo­phon­spie­ler uebte in einer schat­ti­gen Ecke. Immer wie­der die­selbe Melo­die. Ein paar Jungs spiel­ten Fuss­ball. Andere berei­te­ten sich auf die abend­li­che Thea­ter­auf­fu­eh­rung vor. Denn die Ex-​​Carcel ist ein Kul­tur­zen­trum. Oder zumin­dest auf einem Weg dort­hin. Und der ist noch ziem­lich lange.

Denn bis heute ist alles unver­aen­dert geblie­ben: Die Raeume, die Hoefe, die vie­len Graf­fi­tis an den Waen­den. „No kere­mos pre­sos poli­ti­cos, kere­mos a los poli­ti­cos pre­sos“, steht an einer Wand geschrie­ben. Wir wol­len keine poli­ti­schen Gefan­ge­nen, wir wol­len die Poli­ti­ker ins Gefa­eng­nis ste­cken. Sicher auch ein Spruch aus einer ver­gan­ge­nen Zeit. Wie so viele andere Graffitis.

In eini­gen Zel­len haben Kuenst­ler ihre Ate­liers instal­liert. Auch einen klei­nen Aus­stel­lungs– und Thea­ter­saal gibt es bereits. Ansons­ten vege­tiert das Areal vor sich hin. „Bis 2012 soll auf dem Gela­ende ein wirk­li­ches Kul­tur­zen­trum ent­ste­hen“, erzaehlt Pedro, „mit gross­zue­gi­gen Aus­stel­lungs– und Thea­ter­flae­chen und einem gros­sen Pro­gramm.“ Man kann sich dies ehr­lich gesagt heute noch kaum vor­stel­len. Aber bis dahin ist ja noch eini­ges an Zeit.

Solange fuehrt Pedro wei­ter­hin die ver­ein­zel­ten Besu­cher durch den still­ge­leg­ten Knast. Oder preist ein klei­nes Thea­ter­fes­ti­val an, das heute abend zum letz­ten Mal in den Gefa­eng­nis­rui­nen gas­tiert. Immer­hin ein klei­ner kul­tu­rel­ler Anfang fuer die­ses wirk­lich span­nende Experiment.

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