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Begegnungen: Damaris, die gute Hotelseele


Fast jeder, das das Strand­ho­tel 3 Ban­de­ras Playa auf Tier­ra­bomba besucht, wird sie ken­nen­ler­nen: Dama­ris. Mitte 50, ganz dunkle Haut, immer in weiss geklei­det, stets mit einem herz­li­chen Lae­cheln im Gesicht — sie ist der Engel des Hotels, den alle lie­ben und am liebs­ten mit­neh­men wuer­den. Auch mich hatte sie schnell in ihr war­mes Herz geschlos­sen. „Was sol­len Sie heute essen?“ „Wie waere es mit einem fri­schen Saft, zum Bei­spiel Coco?“ „Kom­men Sie, ich zeige Ihnen mal alle Fru­echte unse­res Gar­tens. „Ja, reis­sen Sie eine Papaya ab, ich mache sie Ihnen zum Fru­ehs­tu­eck“. Mit sol­chen und aehn­li­chen Ges­ten beglei­tete sie unsere 2-​​taegige Freund­schaft, ohne auch nur ein biss­chen auf­dring­lich zu sein. Dama­ris ist dabei sehr typisch kolum­bia­nisch: Gerne sollte man selbst den ers­ten Schritt machen, aber dann bekommt man prak­tisch alles.

Viel erzaehlte sie mir auch von ihrem Dorf nahe Car­ta­gena, den Men­schen dort, ihren Gewohn­hei­ten, ihrer Fami­lie, der eige­nen Spra­che und dass sie mich beim naechs­ten Mal unbe­dingt mit­neh­men wolle. Denn mir dies alles per­so­en­lich zei­gen zu koen­nen, das waere fuer sie das Scho­enste. Nur eine Bitte hatte sie: „Bit­ten schi­cken Sie mir ein Bild von sich“ — und drueckte mir dabei ihre Tele­fon­num­mer in die Hand. Als ich es ver­sprach, da begann auch wie­der ihre sil­berne Krone in ihrem Lae­cheln zu leuchten.

Als ihr zum Abschied die Trae­nen her­un­ter­lau­fen, muss auch ich schlu­cken. Denn das sind die scho­ens­ten Begeg­nun­gen und wert­volls­ten Momente, an die ich mich erin­nern werde.  

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Begegnungen: Carlos, der gewitzte Cartagena-​​Guide


Car­los ist ein furcht­bar net­ter Kerl. 28 Jahre alt, stu­diert Tou­ris­mus, ist ver­hei­ra­tet (wie fast alle hier) inklu­sive 7-​​jaehriger Toch­ter (wie auch fast alle hier) und stammt aus La Boquilla, einem klei­nen Ort noerd­lich von Car­ta­gena. Und Car­los hat es faust­dick hin­ter den Ohren — wie wahr­schein­lich alle „Gui­des“ hier.Kennengelernt habe ich ihn, als er mich in Car­ta­gena wegen einer Party ansprach. Ich fragte ihn naiv, ob es hier eigent­lich auch Fueh­run­gen gibt — und schon lie­fen wir durch die wun­der­volle Innenstadt.Er erzaehlte und erzaehlte, dass meine bei­den gedruck­ten Rei­se­fu­eh­rer blass vor Neid wur­den. Ich lud ihn auf einen Drink in das wun­der­schoen gele­gene und natu­er­lich teure Cafe del Mar ein und drueckte ihm zum Schluss als Dank noch einen klei­nen Schein in die Hand. O.k., er schaffte mich auch noch zu einer Freun­din, die Schmuck ver­kaufte — gruene Steine namens Esme­ral­das. Und wel­che Pro­vi­sion er dadurch erha­elt, will ich gar nicht so genau wis­sen. Dies dahin lei­der ueblich.Aber dann lernte ich noch eine wei­tere Touristen-​​Nepp-​​Seite ken­nen, als er mit mir eine Tour durch die Mangroven-​​Waelder per Kanu in La Boquilla machte. (hier ein klei­ner Tour-​​Einblick, wenn das Bild auch schräg ist!)Hatte er nicht am Anfang gesagt, dass in dem Preis alles inklu­sive ist — aus­ser das Essen. Aber dass ich auch noch fuer das Taxi hin, den Bus zuru­eck, die Biere in einer Bar auf dem Weg und das voel­lig ueber­teu­erte Essen zum Schluss auf­kom­men musste, hatte ich — naiv, wie ich die­ses Mal war — nicht ein­ge­plant. Und dass man als blo­eder Touri ihn und seine Freunde die ganze Zeit ein­la­den muss, wurde mir irgend­wann — viel zu spaet — auch klar. Und ploe­tz­lich kos­tete alles das 3-fache.Wie gesagt: Car­los ist ein net­ter Kerl. Doch auf diese Art wer­den er und seine „Kol­le­gen“ die Tou­ris­ten eher von Fueh­run­gen und andere Dienst­leis­tun­gen in die­ser wun­der­schoenen Stadt samt Umge­bung abschre­cken, denn gewin­nen. Ob sie dies noch ler­nen? Schoen waere es auf jeden Fall. Ansons­ten laeuft die Traum­stadt Car­ta­gena die Gefahr, sich irgend­wann in eine Nepp­stadt zu ver­wan­deln. Und diese Gefahr ist gar nicht so gering.

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Begegnungen: Alfonso, der Wachmann


Alfonso ist unge­fa­ehr 45 Jahre alt. Sein kohl­schwar­zes Haar ist ganz kurz geschnit­ten. Nur ein paar wenige graue Straeh­nen ver­ra­ten sein Alter. Sein stem­mi­ger Koer­per steckt in einer blauen Uni­form, die ihm wirk­lich gut steht. Und Alfonso scheint auch stolz auf diese zu sein. Er ist einer der vie­len pri­va­ten Wach­leute, die mit dem Emblem „Secu­ri­dad Pri­vada“ das Bild des heu­ti­gen Kolum­bi­ens in groes­se­ren Sta­ed­ten wie klei­ne­ren Ort­schaf­ten bestim­men. Sein per­so­en­li­ches Reich: Eine Garage fast an der Strand­pro­me­nade von Santa Marta, wo er das Ein– und Aus­fah­ren der Wagen ueber­wacht -  natu­er­lich verantwortungsvoll.

Mit ihm kam ich ins Gespra­ech, als ich ihn nach dem Weg zum Bus­bahn­hof fragte. „Der ist ein Stu­eck aus­ser­halb. Neh­men Sie fuer 3.000 Pesos (= 1 Euro) ein Taxi oder den Bus. Aber gerade mit Gepa­eck wuerde ich das Taxi vor­zie­hen, allein wegen der Kli­ma­an­lage“, fuegt er emp­feh­lend hinzu. „Und wo wol­len Sie denn hin?“ „Car­ta­gena“, meine ich. „Ach, wun­der­bare Stadt mit schoenen Straen­den und vie­len hueb­schen Maed­chen nur mit Tan­gas beklei­det“, schwaermt er von der Stadt. Wir spre­chen nicht ueber Frauen und Tan­gas, dafuer ueber Santa Marta, meine Rei­se­sta­tio­nen, er fragt nach Ber­lin, wun­dert sich ueber meine Sprachen.

Zum Schluss fragt er mich, ob ich denn mit dem Schiff nach Hause zuru­eck­kehre. Ich erklaere ihm, dass ich mir diese Kreuz­fahrt fuer ein anders mal auf­ge­ho­ben habe und ver­ab­schiede mich mit dem ueb­li­chen „Hasta luego“, bis ganz bald.

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Begegnungen: Frankie, der Guide


Frankie Tayrona-Guide 

Er nennt sich Fran­kie el Abuelo. Und „Abuelo“, Opa, wird er wirk­lich von allen geru­fen, denen wir begeg­nen wer­den. Ob er wirk­lich ein Gross­va­ter mit Enkel­kin­dern ist, kann ich nicht sagen. Zumin­dest ist er der ael­teste Guide in Santa Marta, der durch den Tay­rona Natio­nal­park fuehrt. „Es war genau im Jahre 1958 als ich zum ers­ten Mal hier­her kam“, erzaehlt der grau­haa­rige klei­nere Herr, des­sen Augen unter der blauen Schirm­muetze unun­ter­bro­chen zu blit­zen scheinen.

Schon in dem klapp­ri­gen, mit 10 Per­so­nen voll gepropf­ten Mini­bus hatte er vom Park gespro­chen: Von den Anfa­en­gen in den 70er Jah­ren, von der teils ein­ma­li­gen Flora und Fauna, warum die UNESCO die­ses Gebiet im Nor­den Kolum­bi­ens zur Schutz­zone erkla­ert hat, von den Voel­kern, die die­ses Gebiet einst besie­del­ten und heute noch in der Sierra Nevada de Santa Marta leben.

Fran­kie der Abuelo scheint wirk­lich alles zu wis­sen: Wie die Pflan­zen heis­sen, wel­che sel­tene Tiere hier leben, wel­che her­un­ter­ge­fal­le­nen Kokos­nuesse ess­bar sind, wie viele Esel auf die­sem nur per Fuss zuga­eng­li­chen Pfad tae­glich Lebens­mit­tel und andere Uten­si­lien zu den ver­streu­ten Huet­ten und den Zelt– und Haen­ge­mat­ten­plaet­zen der Tra­vel­ler brin­gen. Denn Fran­kie der Abuelo ist hier seit 37 Jah­ren Guide — und heute unser Guide.

Und so bleibt es auch ihm ueber­las­sen, am traum­haf­ten End­strand mit dem weis­sen Sand und dem auf­ge­wu­ehl­ten war­men Meer zu ver­ku­en­den, dass wir nur zwei Stun­den blei­ben duer­fen, da wei­tere 1,5 Stun­den Rueck­marsch noch auf uns war­ten. Aber das ist die ein­zige schlechte Nach­richt an die­sem Tag.

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Begegnungen: Gustavo, der Korallenkettenverkaeufer


Er ist alt, sehr alt. Wie alt genau weiss ich natu­er­lich nicht. Ich habe ihn nicht gefragt. Auf jeden Fall hat er schon viel erlebt. Und das glaubt man ihm sofort. Und er hat viele Men­schen ken­nen gelernt. „In der gan­zen Welt habe ich Freunde“, sagt Gus­tavo. Und wo? „In Ale­ma­nia, in …“ Auf jeden Fall viele.

Gus­tavo ist Koral­len­ket­ten­ver­kaeu­fer an der kolum­bia­ni­schen Kari­bik­ku­este, an den Straen­den um Santa Marta. Wirk­lich beson­dere Ket­ten hat er — in allen Far­ben: Tuer­kis, dun­kel­blau, schwarz, roet­lich. Ich habe ihn im Bus getrof­fen, der mich vom Flug­ha­fen nach Santa Marta gebracht hatte. Irgend­wann auf der Stre­cke war auch er ein­ge­stie­gen.  Bes­ser gesagt, er wurde zuge­stie­gen, musste ihm doch der 2. Bus­fah­rer beim Ein­stieg ueber die Schwelle hel­fen. Ich macht ihm Platz, hielt sei­nen schwe­ren, dun­kel­brau­nen Holz­stock, bis er sich neben mich auf die Plas­tik­schale fal­len gelas­sen hatte: Die Haut von der Hitze geschwaerzt, im Gesicht und an den Armen offene rosa Stel­len, die Augen leicht rot unter­lau­fen, aber dafuer strahlend.

Und so fuh­ren wir 20 Minu­ten in die Stadt. Gus­tavo erzaehlte von sei­nen Freun­den und wie er diese alle ken­nen gelernt hatte. „Natu­er­lich an den Straen­den.“ Und wegen sei­ner schoenen Ket­ten. Prompt holt er diese aus sei­ner dunk­len Plas­tik­tu­ete raus und zeigte sie mir eine nach der ande­ren. „Willst du nicht eine haben?“ „Oder viel­leicht eine fuer deine Freun­din?“ „Ansons­ten bin ich auch ein guter Guide fuer den Natio­nal­park Tay­rona und fuer Taganga.“ Nur mueh­sam konnte ich mich raus­re­den, ohne unfreund­lich zu sein. Denn das wollte ich auf kei­nen Fall sein — gege­nu­e­ber Gus­tavo und sei­nen Ket­ten. Dazu war er mit zu sympathisch.

Irgend­wann hielt dann doch der Bus. Fuer mich. Ich ver­ab­schie­dete mich von ihm mit „hasta luego“, bis dann. War sag­ten, dass wir uns sicher­lich an einem Strand wie­der­se­hen wuer­den und wuss­ten gleich­zei­tig — zumin­dest kann ich das von mir sagen -, dass dies die erste und letzte Begegnng war. Aber eine wirk­lich schoene.

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Begegnungen: Jose von Manizares


Vor­ges­tern habe ich Jose ken­nen gelernt. O.k., er hatte noch einen zwei­ten Namen wie so viele hier. „Per­do­name Jose, aber den habe ich schon wie­der ver­ges­sen.“ Jose ist Waech­ter und Kas­sie­rer des Mira­dors in Mani­za­les, so 200 km sued­lich von Medel­lin mit­ten im Gebirge — ueber die aben­teu­er­li­che Fahrt habe ich ja schon berich­tet. Der Mira­dor ist ein ca. 40 Meter hohes Tuerm­chen mit Bar auf Halb­ho­ehe und Aus­sichts­platt­form ganz oben. Also so ein Mini–Fern­seh­turm. Ich steu­erte direkt dar­auf zu, da zwei Bier meine Augen fuer das WC-​​Zeichen immens gewei­tet hat­ten. Er dachte, dass ich auf den Turm wollte. Als ich ihm meine „Pho­bia de Altura“ schil­derte, musste er lachen. Von da an waren wir Freunde: „Wenn du mal wie­der hier bist, weisst du, dass du noch einen Freund hast.“

Kaffeezone um Manizales Kolumbien

Jose fragte viel — und das ist tzpisch fuer kolum­bia­ni­sche Begeg­nun­gen, was das Leben und das Rei­sen auch so ein­fach macht: Woher kommst du? (Ale­ma­nia kannte er nicht) Was arbei­test du? (Sollte ich ihm von PR und Online-​​PR erklae­ren, lie­ber nicht) Wo ist deine Freun­din? Reist du allein? Was war das Scho­enste auf dei­ner Reise? Und — das wich­tigste — wie gefa­ellt dir meine Stadt, sie ist doch gross­ar­tig, oder? Wer hier selbst beim groess­ten Magen­grim­men mit­tei­len kann, dass er die­sen Ort natu­er­lich inter­es­sant, span­nend und — ganz beliebt — so abwechs­lungs­reich fin­det und dazu ein Lae­cheln auf den Lip­pen spa­zie­ren traegt, der wird einen Freund fuers Leben gefun­den haben - auch wenn es als Ergeb­nis oft ein Freund nur fuer ein paar Minu­ten sein wird.

Ich weiss schon jetzt: Diese Begeg­nun­gen — und davon gab es schon einige — werde ich zuhause ver­mis­sen, ja, rich­tig ver­mis­sen. Denn sie tun so gut. Warum gibt es diese Neu­gierde nicht auch bei uns?

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