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Berlusconi zu 50 Prozent Rabatt

Die Via San Gregorio Armeno in Neapel ist sicherlich die berühmteste Krippengasse der Welt. Schließlich ist die Stadt am Fuße des Vesuvs seit Jahrhunderten für seine individuell gestalteten Weihnachtskrippen bekannt, die in den kleinen Läden dieser Gasse teils hergestellt, vor allem aber vertrieben werden. Es ist Tradition, dass in Figuren auch auf Szenen aus dem Alltag oder auf Persönlichkeiten aus Politik und Sport angespielt wird, die mal hübscher mal karikativer feil geboten werden.

Rabatt auf Berlusconi in der neapolitanischen Krippengasse

Auf diese Weise hat es immerhin auch der frühere italienische Alleinherrscher Silvio Berlusconi neben Angela Merkel, Barack Obama u.a. in die Stadt geschafft – wenn auch nur als Krippenfigur – wo sie seit seinem Machtverlust zu 50 Prozent Rabatt angepriesen wird. Gekauft hat sie trotzdem niemand.

Ob Groß-Silvio daher jetzt wieder in die Politik zurück will?

Übersetzungen und ihre Fehlerchen

Wenn Übersetzungen nicht ganz korrekt sind Es ist doch immer wieder ein kleiner Augenschmaus, wenn sich lieb gemeinte Übersetzungen zu sprachlichen Sonderheiten weiterentwickeln. Da muss ich mir nur diese italienische Nachtischkarte mit diesen wirklich leckeren Desserts ansehen, deren Übersetzer sehr wahrscheinlich kein Deutscher war. Oder?!

Kleiner Tipp: Mit Google Translate wird’s sicherlich besser! Andererseits: Gehören solche „Entdeckungen“ nicht auch zum Reisen?

Beck’s Werbung auf italienisch

Das ist doch wirklich interessant: Bei meinem letzten Italien-Besuch habe ich die folgende Becks-Werbung auf den U-Bahnhöfen von Rom entdeckt. Dazu wird das Bier mit dem Slogan beworben:

Werbung für Beck's Bier in Italien„Das erste deutsche Bier in einer grünen Flasche

Auch wenn dies mit der grünen Flasche stimmt und durch die Unternehmensgeschichte der Bremer Brauerei begründet ist, so ist doch diese Werbestrategie äußerst interessant. Einerseits wurde hier keinerlei Kommunikationsstrategie aus dem Heimatland exportiert, sondern stattdessen ein eigener Mehrwert für Italien gesucht. Andererseits bleibt es fraglich, ob sich mit dieser etwas dünnen Aussage wirklich italienische Trinker anziehen lassen. Ich konnte zumindest dieses Bier in keiner Bar entdecken … aber stattdessen leckeres Peroni und Vino genießen.

Kein leckerer Kaffee

nescafeallitaliana
nescafe all'italiana. Bitte nicht.

Kann mir jemand erklären, was das zu bedeuten hat? Nescafe all’italiana? Wo ist denn da bitte der Zusammenhang? Will Nescafe jetzt auch den italienischen Markt überschwemmen und den italienischen Caffè ersetzen? Hat denn niemand Mitleid mit den wirklichen Kaffeeliebhabern, die dieses schwarze Etwas im Mund wirklich schätzen? Denen, die italienischen Kaffee lieben aber Nescafe – nur wenn es irgendwie muss – runterdrücken? Verstehe einer diese Kaffeewelt.

Das Barcelona-Fußball-Tagebuch

Barcelona, Sonntag, 22. Juni 2008, 20h35: Nur noch wenige Minuten bis zum Anpfiff des Viertel-Final-Schlagers: Spanien gegen Italien. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Die Bordsteine hochgeklappt, die Public Viewing Zonas überfüllt, die Bars lärmend, die Ramblas rot-gelb geflaggt, die Luft vibrierend, die Menschen zitternd. Schließlich haben sie mit Italien in den letzten Jahr(zehnt)en nur schlechte Erfahrungen gemacht. Dies sollte man zumindest meinen.

Doch in Barcelona scheinen die Uhren anders zu gehen. Public Viewing? Fehlanzeige. Fanmeilen? Que es eso! Volle Bars? Nicht anders wie sonst. Rasende Begeisterung? Keine Spur. Erste Fragen kommen auf: Haben die geschäftigen Katalanen etwa die EM vergessen? Überraschung! 3 mittelalte Herren in Fernando-Torres-Trikots eilen durch die Altstadtgassen, wahrscheinlich wie ich auf der Suche nach einem Fernseher. Ach ja: In den Trikots mit der Nummer 9 stecken übrigens waschechte Bayern.

 21 Uhr. Nach langer Suche habe ich mitten im neuen Hafengebiet doch glatt eine typisch spanische Tapas Hotdog- und Sandwich-Bar mit kleiner Terrasse entdeckt. Von draußen lässt sich das unscharfe Bild auf der Leinwand sogar halbwegs gut betrachten. Wenn auch als Spiegelbild. Aber was spielt das jetzt noch für eine Rolle. Die Stimmung ist …. naja, das mittelmäßige Spiel auf jeden Fall deutlich besser. Wir 8 „Fans“ werden nur zweimal laut, als der deutsche Konzertpianist in seinem letzten Spiel vergisst, in seine Pfeife zu blasen, als Spaniens Liebling Villa unsanft am Strafraum von den Beinen gegrätscht wird und als die Defensive pennt und Keeper Casillas in höchster Not mit Fußparade klärt. In den Bars um uns herum ist in der Zwischenzeit dafür jede Menge los. Aber da gibts auch keinen Fernseher.

22.35 Uhr: Die offizielle Spielzeit ist zu Ende. Aus den 8 Terrassen-Fans sind immerhin 12 geworden. Ein mexikanische Pärchen und zwei ältere Engländer haben auch den Weg zu unserem lauschigen Plätzchen gefunden, um lauwarme Bocadillos und -immerhin – eiskaltes Bier zu genießen. Jeder „fiebert“ der kommenden dramatischen Verlängerung entgegen. Doch Moment: Wo ist denn plötzlich das Bild? Kurze Entrüstung bei dem Futbol-Dutzend? Doch das Bild bleibt schwarz. Das Bar-Resto macht ganz einfach Feierabend. Und dies bei der EM im Viertelfinale zwischen Italien und Spanien? Wo sind sie denn hin, die viel beschriebenen heißblütigen Barcelonesen? Alle beim Live-Spiel in Wien? Kann doch nicht wahr sein …

10 Minuten später in einem deutschen! Imbiss: Hier sind es sicherlich 30, die gebannt auf den Fernseher oben an der Wand blicken. Richtig groß ist er übrigens wirklich nicht.

Bar in Barcelona Juni 2008 

Ach ja: Der Ton fehlt auch. Stattdessen dröhnen spanische Schlager aus den Boxen. Zu stören scheint dies niemand. Vielleicht weiß auch niemand, wie er die Bedienung sprachlich darauf aufmerksam machen sollte. Denn spätestens nach dem letzten verschossenen italienischen Elfer ist klar: Vor allem Italiener blicken gerade aus trüb-traurigen Augen auf das unscharfe Bild ohne Ton an der Wand neben der Speisekarte mit den deutschen Würstel-Spezialitäten.

Bar mit deutschen Spezialitäten in Barcelona 

23.30 Uhr: Auf den Ramblas ist der Teufel los. Feuerwerk, Hupkonzerte, blockierte Straßen, rasende Menschenmengen. So hatte ich mir diese schlaflose Nacht vorgestellt. Wie beispielsweise bei jedem Spiel in Berlin – egal ob die Türken, die Griechen (o.k., die hatten nichts zu feiern), die Kroaten (zumindest als sie noch dabei waren), die Italiener und die  Deutschen siegten und „südländisch“ feierten. Und hier? Als ich die Ramblas hoch bummel, schieben sich gemächlich die Menschen von der Kolumbussäule am unteren Ende zum oberen Ende. Als hätte es das Spiel – und den spanischen Sieg! – nie gegeben. Plötzlich tröten ein paar vorbeifahrende Autos los. Sofort rast die Menge. Naja. Die Begeisterung in Wolfenbüttel bei einem Sieg ihrer Altherrenmannschaft gegen die Nachbargemeinde wäre nicht weniger heftig ausgefallen. Fast an der Placa Catalunya posieren dann doch einige Spanier um zwei Fahnen, um Jubelgesänge anzustimmen. Noch lauter ist aber eine Gruppe junger Mädels mit wilden und freudigen „Espana, Espana“-Rufen. Die Aussprache sitzt gut. Schließlich sind sie Studentinnen einer nahen Sprachschule.

Bei meinem letzten Besuch in Barcelona hatte mir ein Freund erzählt, dass es für Fußball-Fans in Barcelona Barca, dann Barca und dann lange nichts bis zur spanischen Nationalmannschaft gäbe. Dieses lange Nichts muss in dieser Nacht besonders lang gewesen sein. Was wohl passiert, wenn Spanien Europameister wird? Bekommt dies hier überhaupt jemand mit?

P.S.: Gestern Nacht war Sant Joan, das riesige Stadtfest zu Ehren des heiligen Johannes. Da haben sie sicherlich gefeiert, gesungen, gehupt, gekracht, gelacht. Denn das sollen sie wirklich exzessiv können. Aber ich war schon wieder zurück.