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Design follows sauberer Recherche. Eigentlich.

Liebe medium-magazin-Redaktion,

als fleißiger Leser des medium magazins hatte ich mich hier im texterblog.de bereits mit der ersten Ausgabe nach Ihrem Heftrelaunch kritisch auseinandergesetzt. Und Sie hatten sich direkt daraufhin bei mir gemeldet. Vorbildlich dieser persönliche Kontakt. Jetzt drucken Sie einen Auszug meiner Anmerkungen – hier der gesamte Text – sogar in Ihrer neuesten Ausgabe unter Leserbriefe direkt ab. Gut. So weit – so perfekt? Leider nein!

Denn neben meinem Zitat prangt das Foto eines etwas ernst dreinblickenden Herrn. Nicht dass ich etwas gegen diesen hätte, dessen Namen Sie mir in der kommenden Ausgabe sicherlich mitteilen werden. Nur – und das ist die Krux – hat dieser ältere Herr auf dem s/w-Foto so gar nichts mit meiner Person zu tun. Nein, wirklich nicht. Dazu erinnere ich mich noch an unseren E-Mail-Verkehr, dass ich auf ein Bild aus verschiedenen Gründe ausdrücklich verzichten wollte. Und jetzt das?

Irgendwie könnte ich das Gefühl bekommen, dass neues Design über sauberer Recherche steht. Oder ist es doch eine Momentaufnahme? Und nur den vielfältigen Herausforderungen eines Relaunches geschuldet? Ich hoffe doch. Denn auf eine medium-magazin-Serie à la „Pleiten, Pech und Pannen“ hier im texterblog.de kann ich als Leser Ihres geschätzten Magazins gerne verzichten.

Schluss mit der Kritik – ran an die neue Ausgabe. Sonnige WM-Grüße aus Berlin schickt Ihnen

Dominik Ruisinger

Please check your facts!

Über die neue Ausgabe des medium magazin bin ich auf das Thema Factchecking gestoßen. So lag dem relaunchten Heft nicht nur eine spannende Journalisten-Werkstatt zu dieser Art Fakten-TÜV für Medien bei. Zudem verwies diese in einer Linkliste auf eine Konferenz hin, die die Journalistenvereinigung netzwerk recherche im vergangenen März gemeinsam mit dem Spiegel veranstaltet hatte.

netzwerk recherche hat TV-Beiträge, Interviews, Artikel und Tipps ausführlich online bereitgestellt. Dieses Kompendium kann ich jedem (angehenden) Journalisten und Kommunikationsverantwortlichen als Pflichtlesestoff nur empfehlen.

Nur eine kleine Kritik muss ich doch äußern: Wenn man hier schon so viel Wert auf den Check von Fakten liegt, wie kann es dann sein, dass auf der Webseite auf einen Beitrag verwiesen wird, der am 26.10.2010 in der Wiener Zeitung erschienen ist, äh, erscheinen wird.

Sind wir schon im Oktober 2010 angelangt?
Kleine Fehler auch beim Factchecking

Sind wir in diesem Jahr schon wieder so weit fortgeschritten?

medium magazin im neuen Layout

medium magazin im neuen Layout
Relaunch des medium magazin zur Ausgabe April/Mai 2010

Ich war schon sehr gespannt gewesen, als ich bei der Rückkehr von der Londoner CDISC Konferenz im Briefkasten das frisch relaunchte medium magazin fand. Schließlich ist es mein Lieblings-Medienmagazin. Und jetzt nach zwei Tagen lesen kann ich eines sagen: So richtig glücklich macht mich das neue Layout nicht.

Nach fünf Jahren hat es sich mit dem Spanier Javier Errea einen international renommierten Designer für den Relaunch genommen: Dieser verpasste dem Heft erst einmal eine neue Type, die sehr dominante „Leitura“. Die Schrift ist gut lesbar, ihre Fettversion hebt Über- und Zwischenüberschriften deutlich erkennbar hervor – wirkt aber gleichzeitig durch den geringen Zeilenabstand sehr gepresst und anstrengend zu lesen.

Chefredakteurin Annette Milz schreibt im Editorial, dass sie die Heftstruktur in drei Teile klarer geordnet haben. Diese drei Teile habe ich bislang nur im Inhaltverzeichnis entdeckt. Zwar hat Errea dem Magazin einen schön erkennbaren und konsequenz durchgängigen Rubrikkopf gestaltet. Ansonsten fehlt es mir an Orientierung, mich leselustig und wissensbegierig durchs Heft zu navigieren.

Dazu kommen viele handwerkliche Dinge, die mir nicht gefallen und mich eher verwirren: Bilder wie die von Mathias Döpfner oder vom Interview mit Antonia Rados sind durch die geringe Auflösung völlig unscharf; mal sind die Linktipps in grauer Schrift, mal werden sie zusätzlich leuchtend gelb unterlegt; Überschriften wirken nicht einheitlich, sondern schwanken teils von Seite zu Seite im Stil wie in wechselnden Größen – von dezent bis riesig die Story fast erschlagend.

Außerdem führt das Papier dazu, dass gerne die vorherigen bzw. nächsten Seiten durchscheinen – gerade bei längeren Texten ziemlich störend. Und noch etwas: Warum man für die Erstausgabe ein fast schwarzes Cover wählte, auf dem Giovanni di Lorenzo und Jakob Augstein eher wie Totengräber wirken, bleibt mir ein Rätsel.

Insgesamt wirkt das Heft so sehr unruhig, wenig Orientierung liefernd, fast unfertig. Als hätte man hier einen Relaunch gestartet, diesen aber noch nicht konsequent umgesetzt. Ich weiß, es ist die Erstausgabe – und vieles wird sich (hoffentlich) noch bessern. Bisher hat das Layout meine Leselust auf jeden Fall eher geschmälert. Trotzdem bleibt es weiterhin mein Lieblingsmagazin. Schließlich kommt es vor allem auf den Inhalt an – und da gibt es zum medium magazin in Deutschland keine Alternative.

Update 13. Mai 2010: Ich habe heute auf diesen Beitrag hin eine sehr persönliche E-Mail der Chefredakteurin des medium magazins erhalten. Kompliment auch von hier für die gute Medienbeobachtung und die positive Reaktion auf Kritik. Das ist nicht immer so.

Pflichtlektüre für Nachwuchsjournalisten

Wer den Journalisten-Traum in sich trägt und sich nach seinen eigenen künftigen Möglichkeiten fragt, dem ist die Dezember-Ausgabe des „medium magazins“ – leider kein Direktlink auf Ausgabe möglich ;-( –  sehr ans Herz gelegt, die ich jetzt erst gelesen habe – Kolumbien sei dank.

Gerade Stefan Niggemeier zeigt in seinem Beitrag „Auf eigene Faust“ auf, wo künftige Chancen liegen. Schließlich erlaube die Technik es heute kleinen Leuten bei richtigem Engagement etwas zu tun, wozu früher nur große Konzerne fähig waren, wie die Erfolgsgeschichten der Journalisten Matt Drudge mit seiner Newssite „Drudge Report“ oder Peter Turi mit seinem Medien-Service „Turi2″ belegen.Daher fragt er sich auch zurecht, warum diese Chancen gerade in Deutschland so wenig genutzt werden: „Es ist erstaunlich, in welch geringem Maße deutsche Journalisten, auch junge, von ihren Möglichkeiten Gebrauch machen.“

Da zu müssten aber jetzt auch endlich die Journalistenschulen aus ihrem Tiefschlaf aufwachen und diese neuen Möglichkeiten in ihre Lehrpläne integrieren. Ansonsten wird man dort weiterhin nur den unwahrscheinlichen Fall vermitteln, dass alle Schulabgänger später bei ARD, RTL, Zeit, Bild und SZ unterkommen. Schön wäre es für diese ja. Nur haben sich die Zeiten nicht etwas geändert?

Tageszeitungen und Web 2.0: Passt das?

Eine interessante Untersuchung ist in der neuesten Ausgabe des wie immer spannenden Medium Magazins nachzulesen. So hatten Journalisten die Websites von 105 Tageszeitungen auf ihre Interaktivität untersucht. Ihr Fazit: „Vom virtuellen Gruselkabinett bis zum experimentierfreudigen Regionalblatt ist alles dabei.“ Während 75% der großen überregionalen Tageszeitungen Blogs in ihr Angebot integriert haben, sind es bei den regionalen ganze 21%. Auch wenn viele noch fest in den 90er Jahren steckengeblieben sind, gibt es – so der Bericht – auch lobenswerte Ausnahmen wie beispielsweise die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine.

Weitere Ergebnisse der Studie: Jede zweite Zeitungswebsite hat ein Forum, auch wenn sich mancherorts angesichts veralterter Einträge „schon Spinnweben auf der Site gebildet“ haben. Leserkommentare sind nur in 10% der Fällen möglich, Journalistenblogs mit Kommentarfunktion bieten gerade 19%, Chats 14% und Podcasts 8%. RSS-Feeds zur Abonnierung der Inhalte bzw. einzelner Rubriken waren nur in 43% der Fälle zu entdecken. Dagegen boten immerhin 37% Videos an, auch wenn die bewegten Inhalte nur selten aus Eigenproduktionen stammten.

Gerade wenn man diese Ergebnisse mit den amerikanischen Tageszeitungen vergleicht – wie es die Untersuchung macht – kommt man nur zu einem Fazit: Die deutschen Tageszeitungen haben noch viel zu tun, um wirklich erfolgreich und zielgenau durch das Web 2.0-Zeitalter zu marschieren. Von einer Liebe auf den ersten Blick ist auf jeden Fall nicht zu sprechen.

Wer sich fragt, wie wohl seine eigene Lieblingszeitung abgeschnitten hat, der kann jetzt in diesem Wiki die Ergebnisse nachlesen.