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Manche PR-Agenturen nerven wirklich

Journalisten und PR-Leute haben ein schwieriges Verhältnis. Ähnlich wie Blogger und Journalisten. Sie reiben sich aneinander (nein, nicht so!). Und nicht selten. Beide sitzen an Schreibtischen, die sich zwar in ihrer Aufmachung durchaus ähneln, die aber verschiedene Eigentümer haben. Somit sind sie natürlich auch durchaus unterschiedlichen Aufgaben und Zielen verpflichtet.

Die eine Seite geht der Aufgabe nach, die Öffentlichkeit über eine breite Vielfalt an hörer-/zuschauer-/leser-/nutzer-relevanten Themen zu informieren – und dabei auch ihre Verleger/Herausgeber/Vorstandsvorsitzende glücklich zu machen. Die andere Seite arbeitet hart daran, sich selbst (wenn Unternehmen) oder seinen Auftraggeber (wenn Agentur) in einem guten Licht darzustellen bzw. dafür zu sorgen, dass die Stakeholder sich für das Thema, die Produkte und Dienstleistungen auch möglichst kräftig interessieren. Davon kann ich mehrere Songs singen, arbeite ich doch auf beiden Seiten – wenn auch in unterschiedlichen Themenfeldern.

Und selbst in der Web 2.0 Welt und eigens produzierten Inhalten spielen die Medien als Gatekeeper und Bindeglied zwischen Journalisten und Unternehmen eine weiterhin wichtige Rolle. Sind die Medien also für die Agenturen und Unternehmen durchaus wichtig, so sollte es doch jedes Unternehmen und vor allem jede Agentur eigentlich wissen, wie man mit Medien umgeht. Dass man zum Beispiel zuvor erst mal seinen Presseverteiler durchsieht, ob diese Journalisten überhaupt für einen relevant sind, anstatt diese blind mit Themen einzudecken.

Und dass man diese Pressemitteilungen natürlich Plain-Text – nein, kein HTML und auch nein, keine Attachments und auch die 24 Bilder mag ich nicht – versendet. Vielleicht fällt dies ja schwer. Aber die meisten sollten irgendwann lernfähig sein. Oder der Berufsberater war doch unfähig gewesen – was natürlich vorkommen kann. Und vor allem sollten sie wissen, dass „nein“, „nein“, 2x „nein“ doppelt „nein“  bedeutet und dass Journalisten spätestens nach dem 8. „nein“ ziemlich genervt reagieren. Aber das ist nicht Journalisten-spezifisch – sondern ganz einfach menschlich.

Eigentlich müsste das klar sein. Nicht aber bei bestimmten Agenturen. So geschehen mit einer Agentur namens Katja Zimmer Public Relations (sorry, verlinken tue ich euch sicher nicht!). Von diesen bekam ich heute diese wahnsinnig spannend, an Mehrwert reiche, mich vor Neugierde fast berstende Pressemitteilung:

Betreff: Pressemitteilung: Größtes Mietwagenprogramm bei billigfluege.de

Sehr geehrter Pressevertreter,

über eine Veröffentlichung würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Bow, ey. Jetzt wäre eine Pressemitteilung für ihren Kunden billigfluege.de ohne Newswert schon ein fetten Minus-Punkt wert. Und den Hinweis mit der Hoffnung auf Veröffentlichung habe ich auch lange nicht mehr gelesen. Nur leider ist dies nicht alles. Natürlich ist diese E-Mail hübsch formatiert – mit Logo (ist ich ja toll), Fettungen (wohl Werbetexterin) – und erringt damit den 2. Minus-Punkt. Dies wäre eigentlich schon einen Trauerflor wert mit der Überschrift „Nicht für die Online-Welt geeignet“.

Trotzdem hätte ich wohl kaum über diese Agentur geschrieben, wenn jetzt nicht wieder dieses unverstandene „nein“ ins Spiel käme. Zig mal habe ich die Mail mit „bitte austragen“ u.ä. zurückgesandt. Anfangs kamen dann noch großes „sorrys“, „natürlich sofort“, gefolgt vom sehr sonderbaren und höchst fraglichen „wir finden Ihre E-Mail-Adresse nicht mehr“. Woher haben sie denn dann die Adresse (geklaut/gekauft)? 

Irgendwann kamen dann keine Antworten mehr. Nicht mal auf meinen letzten gut gemeinten Ratschlag ;-)) „Ihr seid wirkliche Presse-Spammer! Prima als Negativ-Beispiel für Pressearbeit im Unterricht. Prima auch als Negativ-Beispiel im Blog. Besonders bin ich aber gespannt darauf, was euer Kunde dazu sagt, wenn sich bei dem die Presseleute über die „PR-Agentur“ beschweren.“

Doch jetzt ist Schluss mit Mund halten. Denn gerade als Kommunikationsfachmann, der beide Branchen – die PR-Branche und den Journalismus – seit mehreren Jahrzehnten gut kennt, ist es mir daran gelegen, ein gutes, verständnisvolles Verhältnis zwischen beiden Seiten aufzubauen und dieses zu bewahren. Doch gerade solche Versager wie diese Agentur tragen ganz wundervoll dazu bei, dass alle guten Ansätze sofort wieder zerschlagen werden und die PR-Branche auf der Liste der angesehendsten Berufe bald noch hinter die Werber nach unten wandert. Und das wäre doch wirklich das Ende. Aber daran hat diese Agentur sicherlich noch nie gedacht. Sollte sie aber. Zumindest wenn sie lernfähig ist. 

interactivenarratives: Wie multimedialer Journalismus aussieht

Wie sich die eher herkömmliche Welt der Print- oder AV-Medien mit den heutigen multimedialen Möglichkeiten anreichern lässt, das zeigt regelmäßig www.interactivenarratives.org auf. Dazu führt das Online-Projekt beispielhafte journalistische Beiträge aus der – US-amerikanischen – Praxis auf, die wirkliches „online visual storytelling“ praktizieren. Und das ist wirklich tief beeindruckend, was sich auf der Seite entdecken lässt und was amerikanische Medien fernab der großen deutschen Augen tagtäglich produzieren.

Allein die Reportage über die rapide städteplanerische Entwicklung der chinesischen Hauptstadt Peking sowie der Spielstätten zur diesjährigen Sommer-Olympiade, die jeweils eng Text, Radio-Streaming, Dia-Shows und Animationen miteinander verknüpfen, machen deutlich, dass selbst deutsche Qualitäts-Onlinemedien noch ziemlich am Anfang des Online-Journalismus-Zeitalters stehen. Aber warum sollte dies im Journalismus auch anders sein, wenn unser (einstiges) Land der Dichter, Denker und Entwickler auch bei der Internet-Nutzung und speziell im Mitmachweb eher bescheidene Mittelfeldplätze im internationalen Vergleich einnimmt?

Der Twitter-Sinn (2)

Noch bevor Dominik in seinem Blogbeitrag den Sinn von Twitter so genau erörtern konnte, schickt sich die Business-Community XING an, ein „Mini-Twitter“ zu installieren — aktuell noch in der Beta-Version (wie es sich für Web 2.0-Anwendungen gehört) und nur für zahlende MItgleider des Services nutzbar: Die Statusmeldung. Hier erhält der geneigte Nutzer die Möglichkeit, in wenigen Worten zu beschreiben, was er gerade macht oder wo er gerade ist.

Lassen Sie Ihr Netzwerk wissen, wenn Sie im Urlaub oder auf einer Konferenz sind. Sie können hier als Freiberufler auch eintragen, ob Sie noch verfügbar oder bereits ausgebucht sind.

Man darf gespannt sein, ob das neue Tool die Beta-Phase überlebt. Denn die Statusmeldungen, die mich von meinen Kontakten erreichten, lassen an der Ernsthaftigkeit der Nutzung zweifeln. So liest man z. B. „… ist gerade zuhause“ oder „… macht jetzt Feierabend. Schönes Wochenende.“

Das mache ich jetzt auch. Und wünsche den Lesern des Texterblog ebenfalls einen solchen!

Web 2.0 und der Twitter-Sinn

Liebe Leut‘,

heute habe ich mal eine Frage. Und zwar zu einer dieser typischen Web 2.0-Anwendungen. Genau zu Twitter. Denn wenn man in der Online-Welt nach dem Wort des Jahres 2007 suchen würden, wären Facebook und Twitter sicherlich die Nummer 1 und 2. Doch auch wenn ich selbst – manchmal – twischer – habe ich ganz ehrlich gesagt selbst als Online-Relations-Berater und -Dozent den Sinn noch nicht ganz verstanden. O.k., live von einer Veranstaltung an seinen Fankreis an „Follower“ maximal 140 Zeichen zu zwittern ist sicherlich nett. Oder sich mit allen zu einem Event zu verabreden, erspart schon mal die Massen-SMS. Aber ansonsten? Wo liegt der Grund für diesen Hype? Oder wird dieses Hip-Instrument den Web 2.0-Storm nicht überleben und unter den Web 3.0-Tools nicht mehr zu finden sein? Ich bin ziemlich ratlos ….

Und es war Sommr…

sommr.jpg

Mann, was ist das nur für ein Wetter da draußen? Ich gebe gerne zu: Unter September verstehe ich etwas anderes, als morgens bei 7,5 Grad aus dem Haus zu gehen. War’s das schon, oder kommt er noch — auch die Meterologen wissen keine Antwort auf die Frage, was der Sommer so im Sinn hat. Zumindest keine sichere.

Aber was soll’s! Verlegen wir den Sommer doch einfach ins Web. Und zwar ganz im Sinne von Web 2.0 auf die Domain sommr.de. Und während noch alle vom Wetter reden, wird es auf sommr.de einfach gemacht: Ganz demokratisch lässt sich hier die Wunschtemperatur für den folgenden Tag ermitteln.

An sich ist sommr.de nichts Besonderes, erfreut hat mich allerdings die kurze, dafür aber umso zutreffendere Zusammenfassung darüber, warum die Seite auch wirklich Web 2.0 ist:

  • Fehlendes e im Namen
  • Farbverlauf im Logo
  • Social-Buttons auf der Seite
  • Beta-Hinweis (rechts oben am Seitenrand)
  • Crowd-Sourcing: Die Benutzer stimmen über die Wunsch-Temperatur des nächsten Tages ab
  • AJAX-Technik zur Abstimmung
  • RSS-Feed für die aktuelle Wunsch-Temperatur
  • Durch kontextsensitive Anzeigen wird das große Geld verdient
  • Widgets
  • Voll Social: Es gibt wohl kein besseres Small-Talk-Thema als das Wetter

In diesem Sinne: „Schönen Sommr noch!“

Fisch oder System? Fisch!

In letzter Zeit sind mir immer häufiger diese drei Buchstaben aufgefallen: AAL, direkt aneinander gepresst. Als ich diese Buchstabenkombination zum ersten Mal las, fragt mich als erstes mein ganz persönlicher Magen, ob ich diesen schlängelnden Fisch nun eigentlich mag oder nicht. Denn meistens schlängelt er sich zwar elegant durchs tiefe Wasser, macht aber auf dem Tisch einen eher fettigen Eindruck und schweren Magen. Außer er kommt im westlichen Frankreich in den Sümpfen des grünen Venedigs, des Venise Verte, auf den Tisch. Aber das ist eine andere Geschichte.

Kürzlich kapierte ich dann, dass es sich eher um ein System handeln müsste, die anderen für sich arbeiten zu lassen. Don Alphonso hat dies ganz wundervoll in seinem Beitrag über die bislang missratenen Web 2.0-Versuche der Readers Edition beschrieben. So lernte ich ganz allmählich umzudenken. Bis heute: Denn vorhin fragte ich mich, wer wohl unter den Blogs das Rennen gemacht hat: Der Fisch oder das System? Und ganz ehrlich gesagt bin ich doch beruhigt, dass sich das AAL-Blog ganz dem fettigen Fisch zum Namensgeber genommen hat, um kulinarische Welten und keine halbseidenen Systeme zu erkunden.