Tag Archive | "Bogota"

Reisenotizen: Meine Hotels im Rückblick


Rück­bli­ckend habe ich für jeden künf­ti­gen Kolumbien-​​Reisenden einen klei­nen Über­blick über die Hotels erstellt, die mein müdes Haupt gebet­tet haben. Alle Hotels lie­gen abso­lut zen­tral. Die ange­ge­be­nen Preise bezie­hen sich auf Ein­zel­zim­mer mit Bad/​Toilette pro Nacht inkl. Steu­ern. In der Weih­nachts­zeit (ca. vom 15. Dezem­ber bis 10. Januar) stei­gen die Preise meist um ca. 30 Pro­zent, da dann auch die Kolum­bia­ner Ferien haben.

Bogota: Hotel Aba­dia Colo­nial, 39 Euro inkl. Früh­stück: Sehr schö­nes Hotel mit­ten im zau­ber­haf­ten Candelaria-​​Viertel; gute Zim­mer mit Hei­zung (nachts wird’s in Bogota kalt!), lecke­res Früh­stück, nette Innen­höfe zum rela­xen und Kaf­fee trin­ken, Zim­mer etwas hell­hö­rig — wie übri­gens in allen Hotels.

Cali: Cali Plaza Hotel, 52 Euro ohne Früh­stück: Wen es nicht stört, dass er bis mor­gens um 3 Uhr die volle Salsa-​​Dröhung auf’s Ohr bekommt — das Hotel hat näm­lich keine Außen­tür und liegt mit­ten im Aus­geh­vier­tel -, der kann es hier pro­bie­ren. Das Team ist o.k., der Rest sehr lieb­los. Auch wenn es etwas abseits liegt: Die Pen­sion Stein ist sicher­lich die bes­sere Wahl.

Mani­za­les: Hotel Esco­rial, 23 Euro inkl. Früh­stück: Sehr schö­nes Art-​​Deco-​​Hotel in der Kaf­fe­zone, über das und seine Mini-​​Bar ich schon geschrie­ben habe. Ich bin nur wegen der ele­gan­ten Zim­mer und der tol­len Stadt­lage gleich 1 Tag län­ger geblie­ben — und habe dadurch auch José ken­nen­ge­lernt

Medel­lin: Hotel Capi­to­lio, 17 Euro ohne Früh­stück, aber Kaf­fee frei: Durch­schnitt­li­ches Hotel mit net­ten Leu­ten, dafür recht bil­lig. Liegt am Rand des Top-​​Zentrums am Par­que Bolívar, der tags­über lus­tig, aber nachts nichts für Angst­ha­sen ist. Aber die Hotel­su­che ist in Medel­lin gene­rell nicht einfach.

Santa Marta: Hotel Nueva Gra­nada, 17 Euro inkl. Früh­stück + Was­ser, Kaf­fee und Inter­net frei: Ach habe ich die­ses Hotel geliebt. Sehr inter­es­san­ter Chef, hilfs­be­rei­tes Team gerade auch bzgl. Aus­flüge in den Par­que Tay­rona oder in die Ciu­dad Per­dida, schö­ner Innen­hof zum Früh­stü­cken. Ja, hier fühlt sich jeder wohl — und das mit­ten in Santa Marta.

Car­ta­gena: Hotel 3 Ban­de­ras, 50 Euro inkl. Früh­stück + Inter­net frei: Auch die­ses Hotel ist ein Traum: Die Lage im San Diego Vier­tel ist top, das Team hyper­nett und hilfs­be­reit, die Zim­mer groß­zü­gig, die Innen­höfe gemüt­lich. Aber diese Qua­li­tät und der Tou­ris­mus haben ihren Preis, der sowohl für Car­ta­gena als auch für die Insel Tierra Bomba gilt.

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Reisenotizen: Schoen gemacht


Gerade sass ich noch auf dem Flug­ha­fen Bogota mit Ziel Cali. Zwei Stun­den Ver­spae­tung waren es schliess­lich. Aber auf­ge­regt hat sich hier nie­mand. Scheint wohl hier nor­mal zu sein.

Bis vor zehn Jah­ren war die sued­lich gele­gene Mil­lio­nen­stadt Cali durch ein Weisses-​​Puder-​​Kartell beru­ech­tigt. Heute zieht sie ihre Beru­ehmt­heit — neben der Rolle als Salsa-​​Hochburg — aus einer ande­ren eben­falls finan­zi­ell meist ziem­lich zuschla­gen­den Attrak­tion: Cali ist die Metro­pole der Schoenheitschirurgie.

Waeh­rend ich also auf dem Flug­ha­fen war­ten durfte, bekam ich eine die­ser „Exem­plare“, „Besu­che­rin­nen“ — oder sagt man bes­ser „Use­rin­nen“? — die­ser Attrak­tion direkt vors Auge. Gege­nu­e­ber von mir sass eine Frau, kraef­tig blon­diert, viel­leicht Ende 40, an der sicht­bar nicht gerade wenig her­um­ge­bas­telt wurde: Das Gesicht halb­wegs fal­ten­los gestrafft, die Lip­pen etwas wuls­tig und knutsch­be­reit auf­ge­bla­sen, die Bru­este im wei­ten Aus­schnitt der­art hochge„schnitten“, dass selbst Mrs. Won­der­bra bei dem Anblick total nei­disch waere.

Und was macht die Gute auf dem Flug­ha­fen? Sie blaet­tert in „Jet-​​set“, einer der groess­ten People-​​Tratsch-​​und-​​Klatsch-​​Postillen des Lan­des, die Bunte maes­sig Jua­nes aus Medel­lin — was fuer ein sel­te­nes Thema — als Auf­ma­cher hat. Oder das neu gemachte Wesen haengt am Handy. Die Frage nach der Farbe erueb­rigt sich doch: pink ist es natu­er­lich. Gibt es noch mehr Vor­ur­teile auf einen Blick? Ach ja, so uebel sieht sie ueb­ri­gens gar nicht aus. Wenn sie jetzt noch gruene Augen haette …

Ueb­ri­gens: Letzt­end­lich flog die schoen Gemachte gar nicht nach Cali, son­dern ins noch scho­enere Car­ta­gena. Und da darf ich auch noch hin.

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Reisenotizen: Bogota, eine ganz normale Stadt


Candelaria-viertel in Da heute meine Zeit in Bogota abla­euft und es in den heis­sen Sue­den nach Cali wei­ter­geht, habe ich mich mal gefragt, was Bogota eigent­lich fuer eine Stadt ist. Bogota ist sicher­lich keine Stadt, die dich mit offe­nen Armen emp­fa­engt und dich warm hegt und pflegt. Bogota ist eine Stadt, die jeder sich selbst erobern muss, die rauh und laut ist, die gut riecht und auch mal stinkt, die dich for­dert, um ent­deckt zu wer­den, die deine Augen in La Can­del­aria (siehe Bild oben) auch mal umschmei­chelt und dann wie­der aufschreckt.Bogota ist kein Bue­nos Aires, mit sei­nen alten Kaf­fee­haeu­sern, sei­nen ele­gan­ten Vier­teln, dem lieb­li­chen Boca und dem vene­zia­ni­schen Tigre, kein Mexiko-​​City mit sei­nem atmo­s­phae­risch dich­ten Zocalo, der alles andere ueber­ragt. Bogota hat zwar seine High­lights wie dem edlen Gold– und dem span­nen­den Botero-​​Museum mit sei­nen schoenen Patios, den zen­tra­len Plaza de Boli­var, das gemuet­li­che La Candelaria-​​Viertel oder den 3200 Meter hohen Monts­er­rate mit sei­ner kit­schi­gen Kapelle, von wo einem die Stadt zu Fues­sen liegt, wenn man den stei­len Weg per Zahn­rad­bahn oder Gon­del ueber­lebt hat.Bogota ist aber ansons­ten eine ganz nor­male Stadt, die gelebt wer­den will, um erlebt zu wer­den.  Doch genau diese Brue­che machen sie fuer mich so span­nend, dass ich jeden Tag von neuem als Platt­fuss­in­dia­ner durch die Stras­sen laufe. 

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Reisenotizen: Nichts fuer Nacht-​​Esser


So ganz ver­stehe ich das noch nicht: Eigent­lich wer­den die Essens­zei­ten umso spae­ter, desto sued­li­cher man reist. Und in Europa stimmt dies. In Kolum­bien schei­nen die Uhren in der Innen­stadt — und aus­ser­halb der Zona Rosa — anders zu lau­fen. Wer sich in Bogota um halb 9 auf die Resto-​​Suche begibt, wird meist vor ver­schlos­se­nen Tue­ren ste­hen. Uebe­r­all dort, wo es den gan­zen Tag von Restos und Cafes nur so wim­melte, wur­den spae­tes­tens um 8 Uhr die Tue­ren geschlossen.

O.k., rund um die Uni­ver­si­taet gibt es natu­er­lich noch Studi-​​Bars sowie Pizza– und aehn­li­che ToGo-​​Imbisse. Ansons­ten ist es zap­pen­dus­ter. Restaurant-​​Besitzer schei­nen sich alle puenkt­lich zu den „Noti­cias del dia“ mit einem Bier und der Frau und Freun­din im Arm vor dem Fern­se­her bequem gemacht zu haben oder die Feder­kraft der Bet­ten zu ueber­prue­fen. Das bezeich­net man dann hier auch als „Ritmo de la noche“ ;-).

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Touritours: Eine Kathedrale aus Salz


Mueh­sam ist die Anreise: Schnell­bus Trans­Mi­le­nio von Bogota-​​Centro zum Por­tal del Norte. Dort sich auf die Suche nach dem rich­ti­gen Bus bege­ben, umsonst am Ticket-​​Schalter anstel­len, da Tickets doch „Claro que si“ im Bus zu loe­sen sind. Dann in einem Mini-​​Bus mit quiet­schen­den Rei­fen und roeh­ren­dem Aus­puff eine Stunde lang gen Nor­den bret­tern, um schliess­lich an einem geis­ter­haf­ten Bahn­hof am Rande von Zipaquira — von allen nur Zipa genannt — aus­zu­stei­gen. Und warum das Ganze?

Zipaquira2 in

Noch etwas hoeher als der Ort mit sei­nen 2.700 Metern selbst ver­steckt sich eine unter­ir­di­sche Kathe­drale aus Salz, die um 1950 in die Salz­mine am Hang geschla­gen wurde. Nach­dem die erste Kathe­drale 1990 fast zusam­men­brach, baute man kur­zer­hand eine neue, natu­er­lich noch groes­sere. Und was fuer eine: Ein rie­si­ges unter­ir­di­sches Salz­ge­bilde ueber drei Ebe­nen mit Alta­ren, beleuch­te­ten Hei­li­gen­fi­gu­ren, klei­nen Hei­li­gen­bil­dern, Salz­kreu­zen und einem Fas­sungs­ver­mo­e­gen von locker 8.500 Men­schen. Mein heute mal recht klu­ger Rei­se­fu­eh­rer behaup­tet, dass hier­fuer die dop­pelte Menge an Salz aus der Mine geschla­gen wurde, als Kolum­bien in zwei Jah­ren benoetigt.

Dass diese scho­ene Gesamt­an­lage natu­er­lich auch dazu da ist, allen Touri-​​Kitsch los­zu­wer­den, ist schon klar — gerade auch hier in Kolumbien.

Zipaquira in

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Reisenotizen aus Bogota


Bogota-luftbild in  

Jede Stadt hat ihre Beson­der­hei­ten — so auch Bogota. Schon nach 48 Stun­den sind mir einige auf­ge­fal­len. Fan­gen wir also mal mit der Liste an:

1) Sicher­heit: Es ist unu­e­ber­seh­bar, dass Bogota mit aller Macht sein Image eines gefa­ehr­li­chen Lan­des able­gen will. Denn gerade im his­to­ri­schen Zen­trum um La Can­del­aria sind gerade pri­vate Sicher­heits­dienste fes­ter Bestand­teil des Stras­sen­bil­des. Zumin­dest tags­u­e­ber. Und ver­mit­telt ein siche­res Gefu­ehl, das erst bei Ein­bruch der Dun­kel­heit etwas nach­la­esst, wenn die Patrouil­len ver­schwin­den, die Stras­sen sich lee­ren und die unheim­li­chen Momente haeu­fi­ger wer­den — aber nur ein bisschen.

2) Atem­lo­sig­keit: 2800 Meter sind doch ganz schoen viel. Gerade fuer einen Flach­la­end­ler in einer Stadt wie Bogota, wo es gerade im tou­ris­ti­schen Zen­trum La Can­del­aria oder auch im etwas fei­ne­ren La Maca­rena kraef­tig hoch und run­ter geht, bleibt einem schnell mal die Luft weg. Vor allem, wenn man wie ich nicht lange ruhig sit­zen kann.

3) Tou­ris­ten­man­gel: Wenn man Bogota mit ande­ren Mio-​​Staedten wie Bue­nos Aires, Mexiko-​​City oder gar euro­pa­ei­schen Metro­po­len ver­gleicht, dann faellt schon auf, wie wenig Tou­ris­ten hier sind — abge­se­hen von paar Gestal­ten im Hotel; auch ist Bogota wenig auf Tou­ris­ten ein­ge­stellt. Erhol­same Stras­sen­ca­fes, zwei­spra­che Hin­weise z.b. in Museen — o.k., Ber­lin ist bei dem Thema auch Ent­wick­lungs­stadt — wenig zu ent­de­cken. Aus­ser­halb des Aus­geh­vier­tels Zona Rosa ist es nicht ein­mal ein­fach, abends nach 20 Uhr noch ein Restau­rant zu fin­den. Vor allem Sonn­tag abends, wenn die ganze Stadt frueh schla­fen zu gehen scheint und auch der Autor sich mit Flues­sig­keits­nah­rung troes­ten durfte.

4) McDooflos: Nicht dass ich dies bedau­ern wuerde: Aber ame­ri­ka­ni­sche Ket­ten wie McDo­nald, Bur­ger King, Sub­ways blei­ben fast unsicht­bar in der Stadt. Ganze zwei McDoofs — so mein begrenzt klu­ger Fueh­rer — soll es in Bogota geben. Aber dass sich dies aen­dern wird, dafuer wer­den schon der Plan Colom­bia und die enge Koope­ra­tion zwi­schen den Regie­run­gen der USA und Kolum­bi­ens sorgen.

Mango-verkaeuferin in  

5) Stras­sen­es­sen: Tags­u­e­ber in Bogota zu ver­hun­gern byw. nichts zu essen zu fin­den, kaum moeglich. Auf pro­vi­so­ri­schen Ros­ten brut­zeln Mais­kol­ben und Fleisch­spiesse, in klei­nen Toe­p­fen koe­cheln Ein­to­e­pfe. Danach etwas fri­sches Obst und fuer emp­find­li­che euro­pa­ei­sche Magen bitte frisch gescha­elt? Aber gerne doch. Mango, Papaya, Banane, Ana­nas, alles mit Plas­tik­hand­schu­hen vor­be­rei­tet und mund­ge­recht in kleine Tuet­chen ver­teilt — was darf es denn heute Lecke­res sein?

6) Kir­chen­po­li­tik: Die latein­ame­ri­ka­ni­sche Kir­che war schon immer poli­tisch — und passte dem Papst und sei­nen Unter­tan daher oft wenig — vor allem, wenn sie sich auf die Sei­ten der Armen schlug. Auch heute noch domi­nie­ren in Pre­dig­ten Poli­tik und Sozia­les. Hier wird die soziale Insta­bi­li­taet, das Aus­ein­an­der­drif­ten der Schich­ten, die Bedro­hung und Gefa­ehr­dung jedes Ein­zel­nen, die Auf­loe­sung der Fami­lien und das Zer­bre­chen der fami­liae­ren Struk­tu­ren, die Unge­rech­tig­keit zwi­schen Arm und Reich, die Untae­tig­keit der Poli­tik ange­klagt. Ja, und dies in aller kla­ren Deut­lich­keit. Jeder Ein­zelne wird auf­ge­ru­fen, selbst aktiv zu wer­den und sich gegen die sozia­len Ver­wer­fun­gen ein­zu­set­zen. Warum sind solch span­nen­den Pre­dig­ten in deut­schen Kir­chen nicht oder so sel­ten zu hoe­ren? Gehen uns sol­che The­men nichts an? Hat sich die Kir­che von die­ser Auf­gabe ver­ab­schie­det? Geht es uns (noch) zu gut? Wuerde man nicht mit einer sol­chen Posi­tio­nie­rung auch juen­gere Men­schen wie­der in die Kir­chen zie­hen, da selbst klar und ein­deu­tig Posi­tion bezo­gen wird? Es lohnt sich auf jeden Fall, dar­u­e­ber mal nach­zu­den­ken — meint der Bogota-​​Reisende.

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