Posted on 19 Januar 2010. Tags: Argentinien, Flughafen, Iguazu, Nacktscanner, Sicherheit
Wenn ich an unsere Sicherheitsdiskussionen in Deutschland, Europa und vor allem in den USA denke — Stichwort Nacktscanner — und dann hier in Argentinien durchs Land fliege, frage ich mich noch staerker nach der ganzen Aufregung.
Bei lokalen Fluegen in Argentinien erfolgt die Gepaeckkontrolle ganz einfach: Handgepaeck auf Band legen und durch den Scanner laufen. So weit uns bekannt. Bei Geld, Schluessel und Handy piept es auch hier. Aber ansonsten? Alles geht durch! Mein Nachbar hatte sogar zufaellig sein Zippo-Feuerzeug in der Tasche. Natuerlich durfte er auch dieses behalten — dafuer aber aus der Guerteltasche bitte ins Handgepaeck packen. Nein, wir fragen uns jetzt nicht nach dem Sinn. Ach ja: Nach der Kontrolle wollte ich nochmals raus. „Ja, gehen Sie einfach raus und kommen Sie dann wieder“, erklaerte mir der Beamte. „Und was ist mir Boardkarte und Ausweiskontrolle?“ „Brauchen Sie nicht nochmal zeigen, einmal genuegt es.“
Boese gesagt: Sind solche Laender nicht ein Paradies fuer Attentaeter? Doch wen wuerde es wohl gross interessieren, wenn im Inland Argentiniens was passiert? Wird einem da nicht noch staerker bewusst, dass Attentate nur dort erfolgen (werden), wo der Schutz scheinbar am Hoechsten und damit die (internationale) Aufmerksamkeit auch am Groessten ist?
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Posted on 20 Dezember 2008. Tags: Begegnungen, Kolumbien, Santa Marta, Sicherheit
Alfonso ist ungefaehr 45 Jahre alt. Sein kohlschwarzes Haar ist ganz kurz geschnitten. Nur ein paar wenige graue Straehnen verraten sein Alter. Sein stemmiger Koerper steckt in einer blauen Uniform, die ihm wirklich gut steht. Und Alfonso scheint auch stolz auf diese zu sein. Er ist einer der vielen privaten Wachleute, die mit dem Emblem „Securidad Privada“ das Bild des heutigen Kolumbiens in groesseren Staedten wie kleineren Ortschaften bestimmen. Sein persoenliches Reich: Eine Garage fast an der Strandpromenade von Santa Marta, wo er das Ein– und Ausfahren der Wagen ueberwacht - natuerlich verantwortungsvoll.
Mit ihm kam ich ins Gespraech, als ich ihn nach dem Weg zum Busbahnhof fragte. „Der ist ein Stueck ausserhalb. Nehmen Sie fuer 3.000 Pesos (= 1 Euro) ein Taxi oder den Bus. Aber gerade mit Gepaeck wuerde ich das Taxi vorziehen, allein wegen der Klimaanlage“, fuegt er empfehlend hinzu. „Und wo wollen Sie denn hin?“ „Cartagena“, meine ich. „Ach, wunderbare Stadt mit schoenen Straenden und vielen huebschen Maedchen nur mit Tangas bekleidet“, schwaermt er von der Stadt. Wir sprechen nicht ueber Frauen und Tangas, dafuer ueber Santa Marta, meine Reisestationen, er fragt nach Berlin, wundert sich ueber meine Sprachen.
Zum Schluss fragt er mich, ob ich denn mit dem Schiff nach Hause zurueckkehre. Ich erklaere ihm, dass ich mir diese Kreuzfahrt fuer ein anders mal aufgehoben habe und verabschiede mich mit dem ueblichen „Hasta luego“, bis ganz bald.
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Posted on 10 Dezember 2008. Tags: ADAC, Kolumbien, Motorrad, Polizei, Sicherheit
Nein und nochmals nein, das ist hier keine ADAC-Fahrsicherheitskampagne. So weit reichen die langen Arme Deutschlands groessten Clubs nun auch wieder nicht. Aber er samt Verkehrsminister waeren sicherlich begeistert, wenn sie sehen wuerden, dass hier alle Motorradfahrer samt Sozius Westen mit Reflektoren tragen. Und zwar wirklich alle. Wahrscheinlich sind die Strafen fuer Nicht-Traeger extrem hoch — und erwischt wird bei der hohen Polizeipraesenz hier auf den Strassen jeder.
Obwohl: Nachdem ich allein heute zwei Unfaelle mit Motorraedern gesehen habe, bin ich von der Schutzwirkung nicht mehr ganz so ueberzeugt. Aber wenn man beobachtet, wie die hier fahren — da ist es fuer jeden Schutz leider alles zu spaet.
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Posted on 01 Dezember 2008. Tags: Bogota, Candelaria, Essen, Kirche, Kolumbien, Macarena, Reisenotizen, Sicherheit, Touristen
Jede Stadt hat ihre Besonderheiten — so auch Bogota. Schon nach 48 Stunden sind mir einige aufgefallen. Fangen wir also mal mit der Liste an:
1) Sicherheit: Es ist unuebersehbar, dass Bogota mit aller Macht sein Image eines gefaehrlichen Landes ablegen will. Denn gerade im historischen Zentrum um La Candelaria sind gerade private Sicherheitsdienste fester Bestandteil des Strassenbildes. Zumindest tagsueber. Und vermittelt ein sicheres Gefuehl, das erst bei Einbruch der Dunkelheit etwas nachlaesst, wenn die Patrouillen verschwinden, die Strassen sich leeren und die unheimlichen Momente haeufiger werden — aber nur ein bisschen.
2) Atemlosigkeit: 2800 Meter sind doch ganz schoen viel. Gerade fuer einen Flachlaendler in einer Stadt wie Bogota, wo es gerade im touristischen Zentrum La Candelaria oder auch im etwas feineren La Macarena kraeftig hoch und runter geht, bleibt einem schnell mal die Luft weg. Vor allem, wenn man wie ich nicht lange ruhig sitzen kann.
3) Touristenmangel: Wenn man Bogota mit anderen Mio-Staedten wie Buenos Aires, Mexiko-City oder gar europaeischen Metropolen vergleicht, dann faellt schon auf, wie wenig Touristen hier sind — abgesehen von paar Gestalten im Hotel; auch ist Bogota wenig auf Touristen eingestellt. Erholsame Strassencafes, zweisprache Hinweise z.b. in Museen — o.k., Berlin ist bei dem Thema auch Entwicklungsstadt — wenig zu entdecken. Ausserhalb des Ausgehviertels Zona Rosa ist es nicht einmal einfach, abends nach 20 Uhr noch ein Restaurant zu finden. Vor allem Sonntag abends, wenn die ganze Stadt frueh schlafen zu gehen scheint und auch der Autor sich mit Fluessigkeitsnahrung troesten durfte.
4) McDooflos: Nicht dass ich dies bedauern wuerde: Aber amerikanische Ketten wie McDonald, Burger King, Subways bleiben fast unsichtbar in der Stadt. Ganze zwei McDoofs — so mein begrenzt kluger Fuehrer — soll es in Bogota geben. Aber dass sich dies aendern wird, dafuer werden schon der Plan Colombia und die enge Kooperation zwischen den Regierungen der USA und Kolumbiens sorgen.
5) Strassenessen: Tagsueber in Bogota zu verhungern byw. nichts zu essen zu finden, kaum moeglich. Auf provisorischen Rosten brutzeln Maiskolben und Fleischspiesse, in kleinen Toepfen koecheln Eintoepfe. Danach etwas frisches Obst und fuer empfindliche europaeische Magen bitte frisch geschaelt? Aber gerne doch. Mango, Papaya, Banane, Ananas, alles mit Plastikhandschuhen vorbereitet und mundgerecht in kleine Tuetchen verteilt — was darf es denn heute Leckeres sein?
6) Kirchenpolitik: Die lateinamerikanische Kirche war schon immer politisch — und passte dem Papst und seinen Untertan daher oft wenig — vor allem, wenn sie sich auf die Seiten der Armen schlug. Auch heute noch dominieren in Predigten Politik und Soziales. Hier wird die soziale Instabilitaet, das Auseinanderdriften der Schichten, die Bedrohung und Gefaehrdung jedes Einzelnen, die Aufloesung der Familien und das Zerbrechen der familiaeren Strukturen, die Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich, die Untaetigkeit der Politik angeklagt. Ja, und dies in aller klaren Deutlichkeit. Jeder Einzelne wird aufgerufen, selbst aktiv zu werden und sich gegen die sozialen Verwerfungen einzusetzen. Warum sind solch spannenden Predigten in deutschen Kirchen nicht oder so selten zu hoeren? Gehen uns solche Themen nichts an? Hat sich die Kirche von dieser Aufgabe verabschiedet? Geht es uns (noch) zu gut? Wuerde man nicht mit einer solchen Positionierung auch juengere Menschen wieder in die Kirchen ziehen, da selbst klar und eindeutig Position bezogen wird? Es lohnt sich auf jeden Fall, darueber mal nachzudenken — meint der Bogota-Reisende.
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