Tag Archive | "Sicherheit"

Sicherheit auf Flueghaefen


Wenn ich an unsere Sicher­heits­dis­kus­sio­nen in Deutsch­land, Europa und vor allem in den USA denke — Stich­wort Nacktscan­ner — und dann hier in Argen­ti­nien durchs Land fliege, frage ich mich noch staer­ker nach der gan­zen Aufregung.

Bei loka­len Flue­gen in Argen­ti­nien erfolgt die Gepa­eck­kon­trolle ganz ein­fach: Hand­ge­pa­eck auf Band legen und durch den Scan­ner lau­fen. So weit uns bekannt. Bei Geld, Schlues­sel und Handy piept es auch hier. Aber ansons­ten? Alles geht durch! Mein Nach­bar hatte sogar zufa­el­lig sein Zippo-​​Feuerzeug in der Tasche. Natu­er­lich durfte er auch die­ses behal­ten — dafuer aber aus der Guer­tel­ta­sche bitte ins Hand­ge­pa­eck packen. Nein, wir fra­gen uns jetzt nicht nach dem Sinn. Ach ja: Nach der Kon­trolle wollte ich noch­mals raus. „Ja, gehen Sie ein­fach raus und kom­men Sie dann wie­der“, erkla­erte mir der Beamte. „Und was ist mir Board­karte und Aus­weis­kon­trolle?“ „Brau­chen Sie nicht noch­mal zei­gen, ein­mal genuegt es.“

Boese gesagt: Sind sol­che Laen­der nicht ein Para­dies fuer Atten­tae­ter? Doch wen wuerde es wohl gross inter­es­sie­ren, wenn im Inland Argen­ti­ni­ens was pas­siert? Wird einem da nicht noch staer­ker bewusst, dass Atten­tate nur dort erfol­gen (wer­den), wo der Schutz schein­bar am Hoechs­ten und damit die (inter­na­tio­nale) Auf­merk­sam­keit auch am Groess­ten ist?

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Begegnungen: Alfonso, der Wachmann


Alfonso ist unge­fa­ehr 45 Jahre alt. Sein kohl­schwar­zes Haar ist ganz kurz geschnit­ten. Nur ein paar wenige graue Straeh­nen ver­ra­ten sein Alter. Sein stem­mi­ger Koer­per steckt in einer blauen Uni­form, die ihm wirk­lich gut steht. Und Alfonso scheint auch stolz auf diese zu sein. Er ist einer der vie­len pri­va­ten Wach­leute, die mit dem Emblem „Secu­ri­dad Pri­vada“ das Bild des heu­ti­gen Kolum­bi­ens in groes­se­ren Sta­ed­ten wie klei­ne­ren Ort­schaf­ten bestim­men. Sein per­so­en­li­ches Reich: Eine Garage fast an der Strand­pro­me­nade von Santa Marta, wo er das Ein– und Aus­fah­ren der Wagen ueber­wacht -  natu­er­lich verantwortungsvoll.

Mit ihm kam ich ins Gespra­ech, als ich ihn nach dem Weg zum Bus­bahn­hof fragte. „Der ist ein Stu­eck aus­ser­halb. Neh­men Sie fuer 3.000 Pesos (= 1 Euro) ein Taxi oder den Bus. Aber gerade mit Gepa­eck wuerde ich das Taxi vor­zie­hen, allein wegen der Kli­ma­an­lage“, fuegt er emp­feh­lend hinzu. „Und wo wol­len Sie denn hin?“ „Car­ta­gena“, meine ich. „Ach, wun­der­bare Stadt mit schoenen Straen­den und vie­len hueb­schen Maed­chen nur mit Tan­gas beklei­det“, schwaermt er von der Stadt. Wir spre­chen nicht ueber Frauen und Tan­gas, dafuer ueber Santa Marta, meine Rei­se­sta­tio­nen, er fragt nach Ber­lin, wun­dert sich ueber meine Sprachen.

Zum Schluss fragt er mich, ob ich denn mit dem Schiff nach Hause zuru­eck­kehre. Ich erklaere ihm, dass ich mir diese Kreuz­fahrt fuer ein anders mal auf­ge­ho­ben habe und ver­ab­schiede mich mit dem ueb­li­chen „Hasta luego“, bis ganz bald.

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Reisenotizen: Sicherheit auf 2 Raedern


Nein und noch­mals nein, das ist hier keine ADAC-​​Fahrsicherheitskampagne. So weit rei­chen die lan­gen Arme Deutsch­lands groess­ten Clubs nun auch wie­der nicht. Aber er samt Ver­kehrs­mi­nis­ter wae­ren sicher­lich begeis­tert, wenn sie sehen wuer­den, dass hier alle Motor­rad­fah­rer samt Sozius Wes­ten mit Reflek­to­ren tra­gen. Und zwar wirk­lich alle. Wahr­schein­lich sind die Stra­fen fuer Nicht-​​Traeger extrem hoch — und erwischt wird bei der hohen Poli­zei­pra­es­enz hier auf den Stras­sen jeder.

Obwohl: Nach­dem ich allein heute zwei Unfa­elle mit Motor­ra­edern gese­hen habe, bin ich von der Schutz­wir­kung nicht mehr ganz so ueber­zeugt. Aber wenn man beob­ach­tet, wie die hier fah­ren — da ist es fuer jeden Schutz lei­der alles zu spaet.

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Reisenotizen aus Bogota


Bogota-luftbild in  

Jede Stadt hat ihre Beson­der­hei­ten — so auch Bogota. Schon nach 48 Stun­den sind mir einige auf­ge­fal­len. Fan­gen wir also mal mit der Liste an:

1) Sicher­heit: Es ist unu­e­ber­seh­bar, dass Bogota mit aller Macht sein Image eines gefa­ehr­li­chen Lan­des able­gen will. Denn gerade im his­to­ri­schen Zen­trum um La Can­del­aria sind gerade pri­vate Sicher­heits­dienste fes­ter Bestand­teil des Stras­sen­bil­des. Zumin­dest tags­u­e­ber. Und ver­mit­telt ein siche­res Gefu­ehl, das erst bei Ein­bruch der Dun­kel­heit etwas nach­la­esst, wenn die Patrouil­len ver­schwin­den, die Stras­sen sich lee­ren und die unheim­li­chen Momente haeu­fi­ger wer­den — aber nur ein bisschen.

2) Atem­lo­sig­keit: 2800 Meter sind doch ganz schoen viel. Gerade fuer einen Flach­la­end­ler in einer Stadt wie Bogota, wo es gerade im tou­ris­ti­schen Zen­trum La Can­del­aria oder auch im etwas fei­ne­ren La Maca­rena kraef­tig hoch und run­ter geht, bleibt einem schnell mal die Luft weg. Vor allem, wenn man wie ich nicht lange ruhig sit­zen kann.

3) Tou­ris­ten­man­gel: Wenn man Bogota mit ande­ren Mio-​​Staedten wie Bue­nos Aires, Mexiko-​​City oder gar euro­pa­ei­schen Metro­po­len ver­gleicht, dann faellt schon auf, wie wenig Tou­ris­ten hier sind — abge­se­hen von paar Gestal­ten im Hotel; auch ist Bogota wenig auf Tou­ris­ten ein­ge­stellt. Erhol­same Stras­sen­ca­fes, zwei­spra­che Hin­weise z.b. in Museen — o.k., Ber­lin ist bei dem Thema auch Ent­wick­lungs­stadt — wenig zu ent­de­cken. Aus­ser­halb des Aus­geh­vier­tels Zona Rosa ist es nicht ein­mal ein­fach, abends nach 20 Uhr noch ein Restau­rant zu fin­den. Vor allem Sonn­tag abends, wenn die ganze Stadt frueh schla­fen zu gehen scheint und auch der Autor sich mit Flues­sig­keits­nah­rung troes­ten durfte.

4) McDooflos: Nicht dass ich dies bedau­ern wuerde: Aber ame­ri­ka­ni­sche Ket­ten wie McDo­nald, Bur­ger King, Sub­ways blei­ben fast unsicht­bar in der Stadt. Ganze zwei McDoofs — so mein begrenzt klu­ger Fueh­rer — soll es in Bogota geben. Aber dass sich dies aen­dern wird, dafuer wer­den schon der Plan Colom­bia und die enge Koope­ra­tion zwi­schen den Regie­run­gen der USA und Kolum­bi­ens sorgen.

Mango-verkaeuferin in  

5) Stras­sen­es­sen: Tags­u­e­ber in Bogota zu ver­hun­gern byw. nichts zu essen zu fin­den, kaum moeglich. Auf pro­vi­so­ri­schen Ros­ten brut­zeln Mais­kol­ben und Fleisch­spiesse, in klei­nen Toe­p­fen koe­cheln Ein­to­e­pfe. Danach etwas fri­sches Obst und fuer emp­find­li­che euro­pa­ei­sche Magen bitte frisch gescha­elt? Aber gerne doch. Mango, Papaya, Banane, Ana­nas, alles mit Plas­tik­hand­schu­hen vor­be­rei­tet und mund­ge­recht in kleine Tuet­chen ver­teilt — was darf es denn heute Lecke­res sein?

6) Kir­chen­po­li­tik: Die latein­ame­ri­ka­ni­sche Kir­che war schon immer poli­tisch — und passte dem Papst und sei­nen Unter­tan daher oft wenig — vor allem, wenn sie sich auf die Sei­ten der Armen schlug. Auch heute noch domi­nie­ren in Pre­dig­ten Poli­tik und Sozia­les. Hier wird die soziale Insta­bi­li­taet, das Aus­ein­an­der­drif­ten der Schich­ten, die Bedro­hung und Gefa­ehr­dung jedes Ein­zel­nen, die Auf­loe­sung der Fami­lien und das Zer­bre­chen der fami­liae­ren Struk­tu­ren, die Unge­rech­tig­keit zwi­schen Arm und Reich, die Untae­tig­keit der Poli­tik ange­klagt. Ja, und dies in aller kla­ren Deut­lich­keit. Jeder Ein­zelne wird auf­ge­ru­fen, selbst aktiv zu wer­den und sich gegen die sozia­len Ver­wer­fun­gen ein­zu­set­zen. Warum sind solch span­nen­den Pre­dig­ten in deut­schen Kir­chen nicht oder so sel­ten zu hoe­ren? Gehen uns sol­che The­men nichts an? Hat sich die Kir­che von die­ser Auf­gabe ver­ab­schie­det? Geht es uns (noch) zu gut? Wuerde man nicht mit einer sol­chen Posi­tio­nie­rung auch juen­gere Men­schen wie­der in die Kir­chen zie­hen, da selbst klar und ein­deu­tig Posi­tion bezo­gen wird? Es lohnt sich auf jeden Fall, dar­u­e­ber mal nach­zu­den­ken — meint der Bogota-​​Reisende.

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