"Patriarchen — Zehn Portraits" von Alex Capus

capus.jpgAuch wenn die Kategorie unseres Blogs besagt „ich hab’s gelesen“, so muss ich vorweg gleich zugeben: ich hab’s noch nicht getan. Werde dies aber bald nachholen. Doch die Erzählung und Darstellung des Buchs der ich gestern auf SWR 2 lauschen durfte, hat mich bereits vorab davon überzeugt, dass diese Werk durchaus ein interessantes sein muss.

Patriarchen erzählt die Geschichte von zehn Menschen aus dem 19. Jahrhundert, die wiederum selbst Geschichte geschrieben haben – keine unbekannten also: von Julius Maggi, Carl Franz Bally oder Fritz Hoffmann-La Roche ist die Rede. Aus ihren Ideen entstanden erfolgreiche Unternehmen, ihre Produkte findet man bis heute in den Regalen von Supermärkten, in Praxen und Apotheken oder in eigenen Stores und Geschäften.

Der Knaus-Verlag beschreibt das Buch wie folgt:

Ende 1886 notiert Julius Maggi, Betreiber einer Mühle und seit Jahren mit Experimenten für gesunde Fertigkost befasst, das Rezept für ein Bouillon-Extrakt. Dieses Rezept blieb bis heute unverändert, ist streng geheim und wurde als Maggi-Würze weltberühmt. Alex Capus folgt Julius Maggi von den Anfängen als unermüdlich arbeitender Unternehmer bis zu seinem kurzen Lebensabend in den Armen einer schönen Pariserin. Er erzählt, wie aus dem Frankfurter Heinrich Nestle der Schweizer Henri Nestlé wurde, und was ein Paar schicke Pariser Damenstiefelchen, die Carl Franz Bally 1850 von einer Geschäftsreise seiner Frau mitbrachte, mit dem Bau der weltweit größten Schuhfabrik zu tun hat. Der Bankier Johann Jacob Leu, der Heilmittelhersteller Fritz Hoffmann-La Roche oder der Chocolatier Rudolph Lindt – sie alle waren ungestüm, hartnäckig und weltoffen. Sie hatten einen ausgeprägten Instinkt für Veränderungen und Neues, sie verschrieben ihr Leben einer Idee und ließen sich weder von Zweifeln noch von jahrelangen Misserfolgen entmutigen. Gemeinsam war ihnen auch, dass sie keinerlei Grenzen akzeptierten – weder nationalstaatliche, soziale oder moralische – und dass sie sich weder von Politik, Religion oder Familie irgendwelche Beschränkungen gefallen ließen.

Alex Capus erweist sich auch in diesen pointierten Lebensgeschichten als glänzender Erzähler. Er schildert hintersinnig, humorvoll, anschaulich, changiert gekonnt zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen, unternehmerischen und menschlichen Abenteuern. Es entsteht das Panorama einer Epoche, in der Freiheit, Neugier und Mut über Unfreiheit, Denkverbot und Kleinmut triumphierten.

Capus wurde am 23. Juli 1961 in Montagne-au-Perche (Frankreich) als Sohn einer Schweizerin und eines Franzosen geboren. Die ersten fünf Lebensjahre verbrachte er in Paris. Danach kam er mit seiner Mutter nach Olten. Er studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und begann für Regionalzeitungen zu schreiben. Später arbeitete er als Korrespondent der Schweizer Depeschenagentur. Heute lebt Capus als freier Schriftsteller abwechselnd in der Schweiz und in Italien.

Alex Capus: Patriarchen – Zehn Portraits; erschienen bei Knaus, 192 Seiten, gebundene Ausgbe; ISBN 3-8135-0273-2, EUR 14,95 [D], CHF 26,90 [CH]