Showdown am Tegernsee: Über 200 Journalisten in Wildbad Kreuth

Früher Treffpunkt der Hocharistokratie, heute Tagungsort für die Granden der Landespolitik: Die CSU hatte zur traditionellen Klausurtagung nach Wildbad Kreuth geladen, und alle waren sie in die oberbayerische Gemeinde gekommen – Parteimitglieder ebenso wie zahlreiche Medienvertreter.

Wesentliches Thema war die Führungskrise der Partei rund um ihren Vorsitzenden Edmund Stoiber. Da half es auch nichts, dass Kreuth das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ trägt – so unbequem und gar nicht heilsam war in den vergangenen Tagen die Stimmung unter den Delegierten und Fraktionsmitgliedern. Zäh, und mitunter begleitet von lauten Tönen wurde um eine Lösung bei der umstrittenen Frage zum Verbleib Stoibers an der Parteispitze und in der Staatskanzlei gerungen.

Zeugen des Showdowns am Tegernsee waren nicht nur die Parteimitglieder, sondern auch jene rund 200 Journalisten und Medienvertreter, die von ihren Sendern und Blättern in die bayerische Provinz entsandt wurden. Und für die hieß es in erster Linie: warten, warten, warten. Denn die Informationen, die aus den Sitzungssälen nach draußen gelang war eher spärlich.

Das Motto in Kreuth war: Stoiber will es wissen – die Journalisten auch.

Von mangelnder Informationsdichte geprägt wuchs das Interesse an jedem, der in Richtung Hanns-Seidel-Stiftung eilte oder den Ort der Tagung wieder verlies. So durften auch diejenigen, die gemeinhin als politische Hinterbänkler bezeichnet werden, ihren Worten vor laufenden Kameras und den gespitzten Bleistiften der schreibenden Kollegen Gewicht verleihen, ihre Meinung kundtun – oder sich mit einem diplomatischen „Ich denke, heute abend wissen wir mehr“ aus der Affäre ziehen. Auch der Ausblick in die winterliche Berglandschaft tröstete die Medienvertreter nur wenig darüber hinweg. Da war es schon fast Balsam auf die Seele, wenn sich Parteisprecher Söder oder Fraktionsvorsitz Herrmann mit geringfügig inhaltslastigeren Äußerungen nach draußen wagten.

Also vertrieb man sich die Zeit mit kollegialem Wissensaustausch. Wortlaute wurden untereinander abgestimmt: „Was hat er gesagt?“, „Wie hat er das gemeint?“ – Fragen, die alleine aufgrund sprachlicher Gegebenheiten vor allem jene beschäftigten, die außerhalb der bayerischen Landesgrenzen über das Happening Bericht erstatten.

Pressemitteilungen, von Nachrichtenjournalisten normalerweise als Altpapier gehandelt, fanden ausführliche Beachtung, wurden genauestens analysiert und bis ins Detail diskutiert. Man könnte ja einen Hauch einer angedeuteten Information übersehen.

Beide Seiten waren auf Neutralität bedacht.

Hin und wieder wurde es laut. So laut sogar, dass draußen das zu hören war, was drinnen besprochen wurde. Doch sowohl die Partei als auch die Medien waren um Neutralität bemüht. Von einem ZDF-Vertreter war zu hören, man wolle „berichten, nicht richten“. Fraktionsvorsitz Herrmann kommentierte die lautstarke Stimmung mit den Worten: „Wir haben ein sehr gutes Klima, wir haben eine konstruktive Diskussion“.

Und so kam es, wie es kommen musste: In der Nacht wurde verkündet, dass sich (zunächst) nichts ändere. Stoiber bleibe im Amt, es gebe noch keine Regelung für die Kandidatur 2008, man stehe hinter dem Ministerpräsidenten.

Für den Tross der Journalisten heißt das: Berichten über etwas, über das es eigentlich nichts zu berichten gibt. Allenfalls über das Klima, das in Kreuth ja so heilsam sein soll.