Falsches Timing und mehr

Als sich das Deutsche Atomforum e.V. im Frühjahr 2007 dazu entschied, in einem beigelegten Broschürchen die Abonnenten der Medienzeitschrift medium magazin über ihre Aktivitäten zu informieren, konnte die Interessensvertretung den weiteren Verlauf der Geschichte nicht voraussehen. Noch gab es keine sichtbaren Störfall-Skandale in den norddeutschen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel. Wer die Aussagen im mm-Beileger von Juni 2007 aber jetzt durchblättert, dem stellen sich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen und Vertuschungen einige Fragen. In „5 weitere gute Gründe, die für die Kernenergie sprechen“ wird zum Beispiel mit der Sicherheit argumentiert: „Kernenergie ist sicher. (…) Unsere Anlagen werden sicher und zuverlässig betrieben. Dafür sorgen eine ausgeprägte Sicherheitsphilosophie und hoch qualifizierte, motivierte Mitarbeiter“.
Wie war das doch mit Vattenfall und der Entlassung des Leiters der deutschen Kernkraft-Sparte Bruno Thomauske gemeinsam mit dem Unternehmenssprecher?

Wie aber die Texter des Atomforums auf den Broschüren-Titel „Deutschlands ungeliebte Klimaschützer“ kamen, um das zumindest hochumstrittene Thema Kernenergie mit – zumindest aktuell in Deutschland – „everybody’s darling Klimaschutz“ zu verbinden, stößt gerade angesichts des Vattenfall-Skandals äußerst negativ auf. Da wird in der Broschüre dann gelobt, dass Biblis A, Neckarwestheim, Brunsbüttel und andere „Klimaschützer“ gegen Co2-Emissionen, gegen den Treibhauseffekt und für die Einhaltung des Kyoto-Abkommens kämpfen.

Es ist sicherlich nichts dagegen einzuwenden, über Atomkraft als Energieform zur Reduktion von Kohlendioxid-Aussstoßen zu diskutieren. Und es existieren mit Sicherheit Argumente, die für den weiteren Erhalt der Atomenergie sprechen. Doch Atomkraftwerke gleich als „Klimaschützer“ zu bezeichnen, geht nicht nur einen Schritt zu weit. Viele Leser – und dies werden zumeist Journalisten sein – werden dies zurecht als ziemliche Unverfrorenheit bezeichnen – und dies ist noch freundlich ausgedrückt.

Ob sich daher die Lobbyvereinigung mit der Broschüre wirklich einen Gefallen getan hat, darf stark bezweifelt werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass Medienvertreter angesichts des Vattenfall-Skandals deutlich hellhöriger und kritischer mit dem Thema umgehen, hätte sich ein Rückzug des Beilegers sicherlich deutlich positiver für die Kernenergie-Vertreter ausgewirkt – als diese zweifelhafte Aktion, wobei „falsches Timing“ noch der geringere Vorwurf ist.