"GEZ noch?"

Vielleicht sind es die Nachwirkungen des journalistischen Sommerlochs, das die Medien zurzeit über jene Institution herfallen lässt, die für den Einzug der gesetzlichen Rundfunkgebühren zuständig ist. Vielleicht ist es aber auch deren — sagen wir mal vorsichtig — unglückliche Art, gegenüber ihren Zahlern zu agieren und gegenüber den Medien zu reagieren. „GEZ noch?“ ist die Frage, die in Deutschland gerade heftig diskutiert wird.

Zeitungen jeglicher Couleur, von Deutschlands großer Boulevardzeitung bis zu jenem Blatt, hinter dem immer ein kluger Kopf stecken soll, ziehen über die Einzugszentrale her, veröffentlichen Geschichten von GEZ-Schnüfflern und deren Methoden. Erschreckend, was da so ans Tageslicht kommt.

Verantwortlich für die Miesere sind ist jedoch nicht nur die GEZ alleine. Sicherlich: Sie katapultiert sich mit immenser Kraft ins Abseits, wenn Sie mit Abmahnungen um sich schlägt. Doch die Politik steht nicht minder in der Verantwortung. Schließlich war sie lange Zeit nicht in der Lage, den Geldhunger der Öffentlich-Rechtlichen im Zaum zu halten. Im Gegenteil: Durch eine Art „Selbstbedienungsvertrag“ konnten die Sendeanstalten ihren Finanzbedarf und damit die Höhe der Gebühren weitgehend selbständig definieren. Eine wirkliche Kontrolle hat da nie stattgefunden.

Entscheidend für den ganzen Missstand– und das ist das eigentlich prekäre an der Situation — sind die Sendeanstalten selbst. Man muss sich hier zweierlei Fragen stellen:

  • Ist es wirklich erforderlich, dass eine Anstalt wie zum Beispiel der SWR alleine im Rundfunkbereich fünf gebührenfinanzierte Vollprogramme (SWR 1 bis 4, und „DasDing“) ausstrahlt, die jeweils noch auf einzelnen Sendern mit Lokalschienen ergänzt werden? Unter einer Grundversorgung verstehe ich etwas anderes.
  • Darf es sein, dass sich einzelne Programme wie beispielsweise SWR3 klar auf die Fahne schreiben, „die beste Comedy, den besten Spaß“ zu machen — und darauf quasi ihr komplettes Programm abstellen? Wo ist hierfür der Auftrag? Der Verdacht, dass hier Gebühren zum Fenster herausgeschmissen werden, liegt hierbei ebenso nahe, wie bei der Tatsache, dass besagtes Programm gerne „Hautnah-Konzerte“ mit Top-Acts für 70 bis 100 Hörer veranstaltet — kostenlos natürlich –, oder eben mal zu „Elch & Weg“ nach Kanada oder Griechenland einlädt.

Es wird allerhöchste Zeit, dass ein neues Gebührenmodell auf den Tisch kommt. Modelle dafür gibt es viele. Entscheidend dafür, ob es denn ein zukunftsfähiges, und nicht zuletzt von den Gebührenzahlern akzeptiertes Modell ist, ist die Tatsache, dass sich alle Beteiligten — Sendeanstalten, Politik und GEZ — auf ihre ursprünglich zugedachten Aufgaben und Aufträge besinnen und diese sinnvoll, wirtschaftlich und mit Bedacht umsetzen. Doch alleine beim Punkt „Wirtschaftlichkeit“ wird es schon schwierig. Denn wer dies ernsthaft wollte, müsste zunächst die GEZ abschaffen…