To be berlin or better not to be?

Bereits seit Tagen schwappt eine ziemlich aufgeregte Welle mit viel Kritik an der neuen „Imagekampagne“ be Berlin zugunsten der Hauptstadt durch die Medien: Plagiat oder nicht Plagiat, verschobener Wettbewerb oder saubere Vergabe, gelungener Medieneinsatz oder doch nix und noch einige Fragen mehr werden diskutiert. Und eigentlich wollte ich mich aus dieser Diskussion raushalten, auch weil ich mit zwei Parteien – dem beratenden Professor und der Design-Schmiede – gut bekannt bin. Doch jetzt ist auch mir die Diskussion und ihre Auswüchse und Beteuerungen zu bunt geworden, dass ich ein paar Zeilen schreiben muss.

Vieles kam mit der Recherche des Werbebloggers ins Rollen, dessen Ergebnisse auch mich zum Nachdenken gebracht haben. Und er hat recht, wenn er schreibt, dass es nichts direkt rechtlich relevantes oder extrem verwerfliches gibt. Aber ein Geschmäckle, wie ich als Stuttgarter selbst nach 20 Jahren Berlin so etwas weiterhin bezeichne, hinterlässt die gesamte Ausschreibung doch. Nehmen wir uns mal ein paar Punkte vor:

1) Das Design:
Sehr wahrscheinlich ist der Begriff „Plagiat“ etwas hoch gegangen. Aber wer diese be berlin-Kampagne mit dem just berlin-Konzept der Grafiker Andrea Horn und Marc Arroyo vergleicht, wie es der Werbeblogger hier macht, dem fällt doch zumindest eine hohe Ähnlichkeit auf. Und dies hat nicht allein mit dem Brandenburger Tor zu tun, das als Design-Must vorgegeben war. Früher hätte man vielleicht davon gesprochen, dass dies reiner Zufall sei und man nichts von der anderen Idee gewusst hätte – oder so ähnlich. Aber heute? In dieser Google-Technorati-Welt, die jeden mit etwas Übung zum Top-Rechercheur macht, lässt sich dies nicht aufrechthalten. Wenn man schon weder von Plagiat noch von Zufall spechen kann oder will, sollte man dann von verblüffender Ähnlichkeit oder inspirierendem Vorbild sprechen? Strange!

2) Die Website:
Johnny schreibt hier berechtigt über seine Probleme mit der Website – diese meine ich natürlich und nicht diese! Sie ist sicherlich ganz hübsch, die Idee mit den persönlichen Berlin-Stories durchaus inspirierend. Aber warum musste man dazu unbedingt die Flash-Designer ranlassen? Sind nicht heute Themen wie Usability, Barrierfreiheit, Zugänglichkeit die Top-Begriffe, damit möglichst viele Bewohner der Stadt dort ihr Becken für ihre Berliner Gedanken finden? Und was ist mit Suchmaschinenfreundlichkeit? Hallo? Jemand zu Hause? Leider hat hier mal wieder das Design über das Konzept gesiegt: Wenige freuen sich, die anderen bleiben draußen oder wissen nichts davon. Ach ja: Und warum switcht beim Klick auf die äußere Navigation die ganzen Flash-Schönheit in eine pure, normale HTML-Version? Musste das alles wirklich sein? Schade!

3) Die Vergabe:
Als Problem sehe ich hier weniger die generelle Vernetzung mit Agenturen. Es ist die Aufgabe jedes verantwortungsvollen und erfahrenen Beraters und Projektleiters, sich ein Netzwerk aus verlässlichen Partnern aufzubauen, die dann ethisch sauber auch in Projekte integriert werden. Nur wenn wir von Ethik sprechen: Sollte sich nicht da eher die Designschmeide fragen, ob es richtig war, sich überhaupt auf solch einen Job zu bewerben, wenn der eigene Aufsichtsrat einer der Entscheidungsköpfe der Kampagne ist? Diese Frage kommt mir derzeit zu kurz. Denn unabhängig von der Klasse ihrer Arbeit musste sie doch in der vernetzten Welt davon ausgehen, dass bei einem Gewinn der Ausschreibung bzw. eines Teils der Ausschreibung, diese Kritik auf alle Parteien niederprasseln musste.

Das war doch vorhersehbar und musste der gesamten Berlin-Kampagne schaden wie auch Publikationen wie hier und hier zeigen.War das notwendig? Nein! Schließlich ging es doch darum, ein Image aufzubauen und nicht um Streitereien, die einem Image eher schaden würden, bevor es überhaupt aufgebaut wäre. Und von Streitereien und Problemen haben wir doch hier in Berlin wirklich genug …. fehlende Gelder, explodierende Mieten, schrecklicher Flughafen, BVG-Streik, verschneiter Frühling ….

Und wenn dann Fünfwerken-Frau Priska Wollein bei Trackback davon spricht, dass die „Tatsache, dass Herr Pläcking als Aufsichtsratsmitglied bei uns tätig ist, ist ja nur eine formale Verbindung. (…) Das heisst, im Prinzip ist das nur ein theoretischer Vorteil, der in keiner Weise praktisch in dem Fall zum Zuge kam“ – dann trägt gerade dieser Ausdruck des „nur ein theoretischer Vorteil“ nicht gerade dazu da, den Zusammenhang zu verstehen bzw. etwaige Bedenken auszuräumen.

Doch eine Kritik am Werbeblogger habe ich doch: Als Journalist und gelegentlicher Blogger, als Dozent und Kommunikationsberater geht mir diese ständige Betonung „Blogger sind keine Journalisten“ auf die Nerven. Vor allem in diesem Fall hier. Will sich hier jemand für etwas entschuldigen? Für was denn? Er hat wie ein Journalist Quellen angezapft und sauber recherchiert, was sich auch daran zeigt, dass es kaum inhaltliche Kritik an seinen Fakten von der Gegenseite gab. Daher gibt es an seiner journalistischen Vorgehensweise auch nichts zu deuteln und die Betonung auf die Unterscheidung ist überflüssig, denn sie gibt einfach keinen Sinn.

Sorry, eigentlich wollte ich nur kurz was sagen. Jetzt ist es doch eine Menge geworden. Und ich bin gespannt, was sich die Dinge noch weiter entwickeln.

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