Begegnungen: Jose von Manizares

Vorgestern habe ich Jose kennen gelernt. O.k., er hatte noch einen zweiten Namen wie so viele hier. „Perdoname Jose, aber den habe ich schon wieder vergessen.“ Jose ist Waechter und Kassierer des Miradors in Manizales, so 200 km suedlich von Medellin mitten im Gebirge – ueber die abenteuerliche Fahrt habe ich ja schon berichtet. Der Mirador ist ein ca. 40 Meter hohes Tuermchen mit Bar auf Halbhoehe und Aussichtsplattform ganz oben. Also so ein Mini-Fernsehturm. Ich steuerte direkt darauf zu, da zwei Bier meine Augen fuer das WC-Zeichen immens geweitet hatten. Er dachte, dass ich auf den Turm wollte. Als ich ihm meine „Phobia de Altura“ schilderte, musste er lachen. Von da an waren wir Freunde: „Wenn du mal wieder hier bist, weisst du, dass du noch einen Freund hast.“

Kaffeezone um Manizales Kolumbien

Jose fragte viel – und das ist tzpisch fuer kolumbianische Begegnungen, was das Leben und das Reisen auch so einfach macht: Woher kommst du? (Alemania kannte er nicht) Was arbeitest du? (Sollte ich ihm von PR und Online-PR erklaeren, lieber nicht) Wo ist deine Freundin? Reist du allein? Was war das Schoenste auf deiner Reise? Und – das wichtigste – wie gefaellt dir meine Stadt, sie ist doch grossartig, oder? Wer hier selbst beim groessten Magengrimmen mitteilen kann, dass er diesen Ort natuerlich interessant, spannend und – ganz beliebt – so abwechslungsreich findet und dazu ein Laecheln auf den Lippen spazieren traegt, der wird einen Freund fuers Leben gefunden haben – auch wenn es als Ergebnis oft ein Freund nur fuer ein paar Minuten sein wird.

Ich weiss schon jetzt: Diese Begegnungen – und davon gab es schon einige – werde ich zuhause vermissen, ja, richtig vermissen. Denn sie tun so gut. Warum gibt es diese Neugierde nicht auch bei uns?