Reisenotizen: Im Paradies

Tayrona Nationalpark in Kolumbien 

Es gibt ja sicherlich viele Paradiese auf dieser Welt. Kurz durch das Netz gesurft oder einige Reisekataloge gewaelzt, schon waehnt man sich im Paradies, auch wenn sich hinter der scheinbaren Traumwelt dann eine scheussliche Ferienanlage verbergen kann. Ich habe das Glueck, hier in Kolumbien gleich zwei Paradiese kennenlernen zu duerfen.

Der Ausflug von Santa Marta in den Nationalpark Tayrona mit Frankie, dem Guide war zwar eine etwas beschwerliche, wenn auch spannende Wanderung. Aber das Ziel war atemberaubend: Eine traumhaft gelegene Bucht, natuerlich Palmen gesaeumt, wenige Besucher, ein kleiner Mirador-Ausblick mit Blick ueber die gesamte Kueste, feiner Sandstrand und ein klares Meer, in das sich nur ein Argentinier und ich getraut haben. O.k., jetzt weiss ich den Grund: Die meisten Kolumbianer koennen nicht schwimmen und nutzen das Meer eher als Planschbecken.

Das 2. Paradies bescherte mir jetzt das Hotel 3 Banderas in Cartagena, die einen Playa-Ableger auf der Insel Tierra Bomba, ca. 15 Minuten Bootsfahrt entfernt haben und das ich blind fuer 2 Tage gebucht hatte. Schon die Ankunft ist aufregend: Das schmale Boot haelt, Schuhe ausziehen, ins flache Wasser springen, ueber den Strand laufen, ein Eisentor oeffnen und „Bienvenidos en el Paraiso“. Vor einem liegt eine kleine Anlage mit ca. 10 Huetten und kleinen Haeuschen zwischen seltenen Pflanzen und riesigen, Schatten spendenden Palmen, in deren Gipfeln Papayas, Mangos, Bananos (kleine Bananen), Platanos (grosse Bananen), Tamarindo, Nisperos, Mamones, Guineos – wenn ich wuesste, was das alles war, das ich gegessen und als lecker empfunden habe -, eine kleine Terrasse mit Meerblick, ein schoener Swimmingpool fuer die kolumbianischen Planscher und die auslaendischen Kurzschwimmer. Auch wenn es sicherlich breitere Straende und ein sauberes Meer gibt – der Hafen von Cartagena laesst gruessen: Wenn morgens schon die Maracuya-, Mango-, Papaya- und Wassermelonensaefte warten, im Radio natuerlich schmissiger Reggaeton, Salsa und Vallenato laufen, die Sonne brennt – dann ist das Paradies schon sehr nah.

Wenn ich hoch sehe, dann kreisen ueber uns Goleros (Geierart) und die suesse Maria Mulata, der pechschwarze Cartagena-Vogel, waehrend ueber dem Meer Pelikane mit ihren riesigen Schnaebeln Fische jagen: Erst liegen sie unbeweglich in der Luft, dann lassen sie sich ploetzlich fallen, landen mit einem spritzenden Klatscher im Meer, verspeisen dort den Fisch – wenn sie mal erfolgreich waren -, um sich dann wieder in die Luefte zu heben. Ein wundervolles Schauspiel, dem ich stundenlang zusehen kann und so die Zeit gut verbringe.

Denn ausser schwimmen gehen, am Strand liegen, ein winziges Bretterhuetten-Dorf besuchen, frisch geoeffnete Kokosnuesse aussaugen, Fischsuppe loeffeln, mit der wundervollen Damaris, der guten Seele des Hauses, durch den Garten schlendern, gibt es an diesem Ort auch nichts zu tun. Aber gerade dies tut so gut!