Reisenotizen: In der Zona Rosa

Kolumbianer feiern gerne – auch wenn das aus meinen bisherigen Reisenotizen vielleicht nicht direkt heraus kam. Also schnell nachholen. Kolumbianische Grossstaedte – also so von 300.000 bis 10 Mio. Einwohner – gleichen sich in der stadtplanerischen Struktur: Es gibt den historischen Altstadtkern mit den meisten Sehenswuerdigkeiten, aber auch vielen Abbruch- und Hochhaeusern; etwas ausserhalb und meist im Norden befinden sich die reichen Vierteln mit Mauern, Vorgaerten und „Hasso Fass“-Koetern davor oder dahinter; die aermeren Viertel mit hohen Todes- und Mordraten und einer sich vor Angst vor dem Einsatz drueckenden Polizei liegen in entgegengesetzter Richtung zum Reichtum auch in den Aussenvierteln; und dann gibt es von allen etwas entfernt die beruehmte Zona Rsa – wie uebrigens auch in Mexiko und in anderen Latino-Laendern.

Diese Rosa Zonen – weder Schwulen- noch Rotlicht- sondern Partyzone – sehen alle gleichaus und funktionieren wie folgt: Man nehme ein paar Strassenblocks, sagen wir 4 Parallel- und 5 Querstassen, dann setzt man da so viele Restos, Bars, Clubs und sonstige gut gestylte Fress-, Trink- und Tanztempel rein wie neben- und uebereinander passen, statte alle mit mittelmaessigen Koechen, leicht aufdraenglichen Bedienungen, riesigen MTV- und Sport-Leinwaenden und -monitoren und vor allem mit den maechtigsten Musikanlagen mit Mords-Bumms aus. Jetzt sage allen, dass sie ihre Musik bitte aber auch voll aufdrehen und bitte unterschiedlichste Musikstile spielen sollen. Dann fuege moeglichst viele huebsche, schwarze wie blondierte, aber auf jeden Fall glitzernde Kleidchentraegerinnen samt den coolen maennlichen Parts – natuerlich mit Kohle (ist ja nicht billig) – hinzu, wuerze diese Mixtur mit fast europaeischen Preisen und lasse die ganze Zeit Autos und Motorraeder mit extra lauten Proll-Baessen durch die Quer- und Laengs-Strassen cruisen und Verkaeufer Zigaretten, Bonbons und Schrottschmuck verkaufen – fertig ist die Zona Rosa.

In einer dieser Zona Rosas sass ich gestern abend – und zwar in der von Medellin, ertrug ohrenbetaeubende Musik – lieber Kassi, kannst du diesen hier als DJ und Musiker bitte „Nachhilfe“ geben, dass sie nicht staendig nur die Hits der 80er (aber die ueblen) und Madonna „Like a Virgin“ spielen, denn das sind die Maedels hier sicherlich nicht mehr – ass in einer Wolke Abgase Enchilladas – typisch kolumbianisch ;-), aber welche Rolle spielts -, trank dazu einen zugegebermassen hervorragenden Rotwein, natuerlich nicht aus Kolumbien, da es die hiesigen Bauern im Unterschied zu den Kollegen aus Argentinien und Chile noch nicht geschafft haben, Wein anzubauen.

Doch willkommen in der internationalen Welt der Zona Rosa – denn hier haben wir alles ausser billig.

2 Gedanken zu „Reisenotizen: In der Zona Rosa“

  1. Die üblen 80er Hits werden auch in den Berliner Superhip-Zirkeln gerade wieder en vogue. Die Gefährtin erzählte mir von einer hippen Freundin, die gestern nur Falco und Konsorten gespielt hat. Oder zählt Falco (zu Recht) zu den nicht-üblen Vertretern?

  2. Ach herrje: Schon wieder ein Grund, diese Superhip-Zirkeln großräumig zu umgehen. Falco als Typen fand ich ja noch ganz spannend. Aber wenn ich mir vorstelle, jetzt überall „Jiiiiiniii“ hören zu müssen? Weglaufschnell

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