Reisenotizen: Schoen gemacht

Gerade sass ich noch auf dem Flughafen Bogota mit Ziel Cali. Zwei Stunden Verspaetung waren es schliesslich. Aber aufgeregt hat sich hier niemand. Scheint wohl hier normal zu sein.

Bis vor zehn Jahren war die suedlich gelegene Millionenstadt Cali durch ein Weisses-Puder-Kartell beruechtigt. Heute zieht sie ihre Beruehmtheit – neben der Rolle als Salsa-Hochburg – aus einer anderen ebenfalls finanziell meist ziemlich zuschlagenden Attraktion: Cali ist die Metropole der Schoenheitschirurgie.

Waehrend ich also auf dem Flughafen warten durfte, bekam ich eine dieser „Exemplare“, „Besucherinnen“ – oder sagt man besser „Userinnen“? – dieser Attraktion direkt vors Auge. Gegenueber von mir sass eine Frau, kraeftig blondiert, vielleicht Ende 40, an der sichtbar nicht gerade wenig herumgebastelt wurde: Das Gesicht halbwegs faltenlos gestrafft, die Lippen etwas wulstig und knutschbereit aufgeblasen, die Brueste im weiten Ausschnitt derart hochge“schnitten“, dass selbst Mrs. Wonderbra bei dem Anblick total neidisch waere.

Und was macht die Gute auf dem Flughafen? Sie blaettert in „Jet-set„, einer der groessten People-Tratsch-und-Klatsch-Postillen des Landes, die Bunte maessig Juanes aus Medellin – was fuer ein seltenes Thema – als Aufmacher hat. Oder das neu gemachte Wesen haengt am Handy. Die Frage nach der Farbe eruebrigt sich doch: pink ist es natuerlich. Gibt es noch mehr Vorurteile auf einen Blick? Ach ja, so uebel sieht sie uebrigens gar nicht aus. Wenn sie jetzt noch gruene Augen haette …

Uebrigens: Letztendlich flog die schoen Gemachte gar nicht nach Cali, sondern ins noch schoenere Cartagena. Und da darf ich auch noch hin.