Reisenotizen: Schutzengel in Kolumbien

Dumme Auslaender gibt es ueberall. Auch hier in Kolumbien. Und heute war ich dieser dumme Auslaender. Beide Reisefuehrer hatten mir von Taganga – einer kleinen Palmenbucht bei Santa Marta – vorgeschwaermt. Und auf der Karte sah es wirkich na aus. Also lief ich einfach mal in der Mittagshitze los. Nach und nach wurde die Gegend immer komischer, die Huetten immer blechhaltiger, die Strassen immer staubiger, alles immer verwahrloster. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefuehl. Und dazu gab es ploetzlich weder Busse noch Taxis …

Ploetzlich hoerte ich rechtsneben mir Rufe. Und die galten mir.3 Frauen um die 35 sassen am Randstein. „Wohin willst du?“ „Nach Taganga“, antwortete ich. „Wenn du hier weiterlaeufst, wirst du garantiert ausgeraubt.“ Ich hatte nicht viel Geld dabei. Aber diese Vorstellung gefiel mir trotzdem nicht besonders. „Wie soll ich dann laufen?“ „Lauf hier diese Strasse runter“, dabei zeigte eine der drei auf eine kleinere, staubige Strasse durch mindestens genauso zerfallene Haeuser, „und halte am Ende einen Bus an. Das ist noch er sichere Weg.“Ich gehorchte mal brav, lief mit etwas komischem Gefuehl die Strasse mit steif nach vorn gerichtetem Blick nach vorne – bloss niemanden ansehen – und fand unten keinen Buss. Dafuer nahm mich ein paar Minuten spaeter auf dieser gluehend heissen Strasse ohne Schatten ein Taxi mit. Bis nach Taganga. Ach ja: Es waren noch locker 5-8 km dorthin.

Und Taganga? Denn Ort find ich voellig ueberbewertet. Klar ist die Bucht schoen mit Palmen, Restos und Bars im Sand, der aber ziemlich steinig ist. Und Tauch-Liebhaber werden sicherlich auf ihre Kosten kommen. Aber ich stehe einfach nicht auf das Oeko-Leben gestrandeter Auslaender, die hier in „Jesus-Latschen“ rumschlurfen, Bier am Strand trinken, gemeinsam Haare flechten, selbst gemachten Schmuck verkaufen und zur Gitarre „Morning has broken“ singen. Wer das aber gerne hat, der wird sich hier sicherlich ganz wundervoll fuehlen – und auch abfuellen.

2 Gedanken zu „Reisenotizen: Schutzengel in Kolumbien“

  1. Lieber Dominik:

    Das sind so in etwa die Geschichten die ich auch erwartet bzw. befürchtet habe…und so ganz anders, als die Geschichten, die im Alltagsneurosevorweihnachtshektik – Berlin an den Nerven zerren…aber so ganz typisch Deine flotte, feine und witzige Schreibe, sehr schön…;)

    Bleib weiter wacker + wachsam + genieße den kolumbianischen Advent unter Palmen, Hula – Mädchen und echten Kerlen.
    Ich erwarte, daß Du bei Deiner Rückkehr alle Nachteulen hier unter den Tisch säufst, mehrere Kinder gezeugt hast, Dein Gold im Munde und um den Hals trägst und rohe Kartoffeln mit zwei Fingern zerquetschst…!

    Alles Liebe aus der Heimat, die Du mit grauem Himmel grad nicht missen brauchst:

    Deine

    Landa und Daniel und Saray ;)

  2. @Daniel-Landa-Perro-Bande,
    auch wenn ich diese Wuensche wahrscheinlich nicht ganz erfuellen werde, gibt es auf jeden Fall einige von diesen Stories zu erzaehlen. Und ich freue mich schon auf einen netten kolumbianischen-berlinerischen Abend mit euch – leider wahrscheinlich im grauen Schnee statt im Meer bei 35 Grad Celsius. Aber man kann ja nicht alles haben.

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