Reisenotizen: Was ist Kolumbien?

Santa Marta Kolumbien am Strand

Jetzt bin ich also wieder zurück im kalten Berlin – auch wenn die harte Landung noch schön weich wird! Gut 4 Wochen Kolumbien liegen hinter mir. Schon auf der Reise fragten mich Kolumbianer, wie ich diese Land empfinde? Was ich davon halte? Immer habe ich geantwortet, dass es ein ganz besonderes und vielfältiges Land ist, das ich zum 1. Mal aber sicherlich nicht zum letzten Mal bereise. Und so sehe ich das jetzt auch im nachhinein. Nur ein paar Punkte dazu:

1) Die Großstädte sind nicht einfach: Cali mit seinen 3 Mio. ist etwas für Salsa-Freaks, Medellin mit ebenfalls rund 3 Mio. ist besonders wegen Botero und in der Weihnachtszeit interessant, Bogota mit seinen rund 10 Mio. (niemand weiß es genau) ist eine höchst spannende Powerstadt, für die man Zeit braucht; und Cartagena de Indias mit seinen rund 1 Mio. Bewohnern und zahlreichen Touristen ist zauberhaft und völlig anders, zumindest was das Zentrum betrifft, auch wenn der Tourismus schon seine Gefahren birgt.

2) Die Menschen sind durchweg freundlich: Wer selbst den Bewohnern offen und freundlich begegnet, wird schnell Begleiter und Helfer finden – und dazu sehr neugierige, die alles wissen und über alles informieren wollen. So ist es mir oft gegangen, wie auch einige Portraits vielleicht gezeigt haben. Wichtig: Ohne Spanischkenntnisse geht außerhalb der Karibikküste um Cartagena und Santa Marta gar nichts!

3) Die Polizeipräsenz ist extrem hoch: Und dies gilt für das gesamte Land, für Städte und Dörfer, Norden wie Süden. Wenn man am Anfang doch etwas erschreckt ist, so merkt man schnell, dass diese sehr zugänglich und freundlich sind und fester Bestandteil einer Sicherheits- und Tourismusinitiative sind. Ich wurde beispielsweise 1x in Bogota kontrolliert. Und als ich den deutschen Reisepass zog, bildete sich sofort eine große Gruppen an Polizisten und Helfern um mich, die alles genau über Deutschland und ihr Land Kolumbien wissen wollten.

4) Die Landschaften sind vielfältig: Nie habe ich so viele verschiedenen Palmenfrüchte gesehen, die dann auch noch auf dem Teller oder in meiner Hand landeten. Nie habe ich so viele unterschiedlichen Landschaften gesehen wie bei meinen langen Busfahrten. Nie habe ich ein Land kennengelernt, das so viele Nationalparks hat, von denen ich erst einen besucht habe.

5) Die Verkehrsanbindung ist gut: Die Busbahnhöfe sind zwar oft etwas chaotisch, hektisch aber irgendwie auch logisch und doch übersichtlich; das Bus- und Flugnetz innerhalb des Landes ist überragend; die gelben Taxis sind im ganzen Land nicht zu übersehen.

6) Das Land ist bezahlbar: Gerade wenn man es mit anderen mittel- und südamerikanischen Ländern wie Mexiko, Argentinien oder Chile vergleicht, ist Kolumbien für den Europäer noch ziemlich preiswert: Gute Mittelklassehotels kosten zwischen 15 und 40 Euro (nur an der Karibikküste mehr), Backpacker-Hotels zwischen 5 und 10 Euro, der Kaffee wenige Cents, das Bier nicht mal einen Euro. Wenn die Sicherheit weiter gesteigert wird – und dies auch fleißig kommuniziert wird – und mehr Touristen kommen, wird sich dies ändern.

7) Die Liste an Touristenzielen ist lang: In 4 Wochen konnte ich definitiv nur einen Teil sehen und auch noch nicht alle „Musts“ kennen lernen. Wenn ich an die weiteren Nationalparks und die Ciudad Perdida, die verlorene Stadt, im Norden denke, die Ausgrabungsstätten wie Tierradientro und San Agustin im Süden, schöne Städte wie Villa de Leyna und Tunja nördlich von Bogota, die Shopping-Metropole Bucaramanga, das Amazonas und das Los Llanos Gebiet oder die Karibikinseln Providencia und San Andres, muss ich beim nächsten Mal nicht einen sondern gleich drei Monate buchen. Was da wohl ein paar Leute dazu sagen ;-)?

Gleichzeitig ist es aber – und dies als warnender Hinweis – unabdingbar, sich vor jeder Reise genauestens über die aktuelle, politische und militärische Lage zu informieren – u.a. auch hier. Denn absolute Non-Go-Gegenden gibt es bis heute. Doch in welchem ferneren Land gibt es dies eigentlich nicht? So hat sich das Drogenproblem z.B. gerade tief nach Mexiko hinein verlagert und schafft dort auch dem Tourismus kräftige Probleme. Dies nur als kleine Randbemerkung.

Wie gesagt: Wenn ihr halbwegs spanisch könnt, etwas abseits der abgetretenen Reiseführerpfade auf Entdeckungstour gehen wollt, viel sehen, riechen und schmecken wollt und Menschen nicht als Fotozielobjekt sondern als Kommunikationsgegenstand anseht, dann macht euch selbst ein Bild – vor Ort. Um diese Reise und eure Erfahrungen und Begegnungen beneide ich euch schon jetzt!