Gammelfleischparty als Jugendwort des Jahres

Ich grins‘ mir wirklich einen ab – auch wenn es schon etwas zurückliegt: Im Dezember hat der Langenscheidt-Verlag „Gammelfleischparty“ – als Bezeichnung für Ü30-Parties – zum Jugendwort des Jahres gewählt. Und auch wenn ich zu dieser Party-Gruppe – als Nicht-Teilnehmer – zähle: Ich finde das Wort durchaus passend. Denn kaum jemand kann sich von der Bewerbung dieser Parties für die nicht mehr Twens aber doch noch so Tanz-, Trink-, Flirt und Knutschfreudigen retten. Hieß das nicht vor kurzem noch After-Work-Parties?

Noch lustiger finde ich aber die Aufregung in der Politik und die Haue von selbsternannten Rettern der Nicht-Mehr-Jugendlichen: „Damit werden per se Millionen von Menschen beleidigt“, musste sich zum Beispiel die niedersächsische Sozialministerin äußern. Langsam, liebe Frau Ross-Luttmann, so schnell lassen sich über 30-Jährige nicht beleidigen.

Mit diesem Wettbewerb will der Verlag „die Kreativität der oftmals schnelllebigen Jugendsprache präsentieren und jährlich neu dokumentieren“ – übrigens nicht auf der eigenen Homepage (oder ist die Suchfunktion so schlecht?), wo dieses Thema nirgends auftaucht. Das andere wirklich Sonderbare finde ich, dass ich weder diesen Begriff noch „Computerbräune“ auf Platz 2 als Beschreibung für die blasse Haut eines Computerfreaks noch „unterhopft sein“ als Ausdruck für Bierlust, kenne. Aber vielleicht liegt dies wirklich an meinem weitergeschrittenen Alter. Oder wer kennt diese Begriffe besser?

4 Gedanken zu „Gammelfleischparty als Jugendwort des Jahres“

  1. Gammelfleischparty…hört sich jetzt zwar nicht so besonders attraktiv an, aber ich muss schon sagen, dass einige Ü30-Partys den Eindruck von Gammelfleisch, das unbedingt noch frisch sein will, erwecken.

  2. @Dani: Und ob diese viel beworbenen Parties dann wirklich so attraktiv sind, wie sie immer sein wollen, das ist wirklich zweifelhaft. Wahrscheinlich drücken sich die meisten Ü30 dann doch lieber auf Parties herum, bei denen sie sich jung fühlen dürfen, da alles um sie herum locker 10 Jahre jünger ist.

  3. Nun, über Ü30 Parties darf man wohl geteilter Meinung sein (ich persönlich finde schon, dass die nicht mehr ganz frisch riechen…), aber mich freut besonders der Kommentar der Politik. Vielleicht schickt denen mal jemand eine Tüte Sprachverständnis, abgeschmeckt mit ein wenig Humor?

  4. @Lars: Genau dies war auch der Punkt, warum ich diesen Beitrag schreiben musste. Denn so wenig Humor habe ich nicht mal von einer Sozialministerin erwartet. Hoffen wir, dass sie diese Politiker nie in Sprach-Jurys einladen. Dann hätten wir nämlich wirklich den Humorlos-Salat …

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