Die Banken und ihr Geheimnis

„Das strikte Bankengeheimnis in Europa bröckelt. Unter dem wachsenden Druck der internationalen Gemeinschaft lockerten am Freitag die Schweiz, Luxemburg und Österreich ihr striktes Bankgeheimnis. Am Vortag hatten bereits Liechtenstein und Andorra eingelenkt.“

So titelt die Stuttgarter Zeitung an diesem Wochenende. Das Bankgeheimnis, das so manchen vor all zu neugierigen Blicken auf die Vermögensverhältnisse schützte, gehört also nun langsam aber sicher der Geschichte an.

Was in unseren Nachbarländern zurzeit passiert, ist hierzulande schon ganz normal. Vor allem: Um Bankgeheimnisse zu erfahren, braucht es bei uns weder einen Bundestrojaner noch entsprechende Gesetze — geschweige denn einen Durchsuchungsbefehl. Das einzige, was man braucht, ist eine Bahnfahrkarte.

Neulich im Zug von Stuttgart nach Frankfurt wurde ich zusammen mit weiteren vier Mitreisenden „Wissender wider Willen“. Denn ein fröhlicher Herr Kundenberater einer Baden-Württembergischen Bank vermochte es nicht, die diversen Telefonate mit seinen Kollegen Beratern in einer solch angemessenen Lautstärke zu führen, dass man geflissentlich darüber weg hören hätte können. Noch viel schlimmer: Er plauderte munter über die Fehlbeträge bei einem seiner Klienten, über dessen Umsatzzahlen, die drohende Überschuldung und die fehlende Einsicht, doch auf das Beratungsangebot der Bank einzugehen. Auch die Konzernmutter müsse man bei der drohenden Insolvenz noch mal genau unter die Lupe nehmen. Natürlich lies es sich der Herr aus der Bank nicht nehmen, den Namen des Kunden zu nennen. In einer etwas geringeren Lautstärke. Bankgeheimnis par Excellence.

Glücklicherweise dauert die Fahrt nach Frankfurt nicht all zu lange. Denn wer weiß, was sonst noch alles zur Sprache gekommen wäre. Etwas irritiert verließ ich also in der Mainmetropole den Zug, darüber sinnierend ob es die richtige Entscheidung war, mein Geschäftskonto bei jenem Kreditinstitut zu führen.

Ein Gedanke zu „Die Banken und ihr Geheimnis“

  1. Ach herrje, diesen Typ muss ich auch schon mal getroffen haben. Aber irgendwie war das eine andere Bank. Und die Strecke war morgens von Berlin nach Frankfurt. Ist das wohl eine neue Methode, die Geheimnisse von Kunden auszuplaudern, damit darüber gesprochen wird? Kleiner Tipp: Sag ihm doch beim nächsten Mal einfach, dass du mitschreiben würdest – schließlich seien dies ja Aussagen in der Öffentlichkeit. Mal sehen, wie er dann reagiert ;-)

Kommentare sind geschlossen.