Gute Nacht PR-Ausbildung

Wenn ich die PR-Ausbildungsbranche genauer betrachte – also die Branche, in der ich regelmäßig unterrichte und für die ich damit als ausgebildeter Berater, als Autor und vor allem auch als Dozent vor Teilnehmern stehe – dann dreht es mir ziemlich den Magen um.

Auslöser für meine hochgradige Unbekömmlichkeit war der Beitrag von PR-Journal-Chefredakteur Gerhard Pfeffer* und seine berechtigte Verwunderung über die Finanzkreativität bzw. die auf jeden Fall sonderbaren, intransparenten Geldflüsse zwischen Ausbildungsinstitutionen, Prüfungsinstitutionen und Kursteilnehmern. Ich kann bei diesem wirklichen Imagegau, der eine, meine, Branche betrifft, wirklich nur mit dem Kopf schütteln:

  • Ist es nicht etwa derzeit so, dass viele PR-Ausbildungsstätten durch die Finanzkrise selbst in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sind und ums Überleben kämpfen müssen? Schließlich kürzen Unternehmen in schwierigen Zeiten als erstes die Etats für Aus- und Weiterbildung, Seminare und Konferenzen – mit direkter Auswirkung auf die Ausbildungs- und Seminaranbieter.
  • Ist es nicht etwa derzeit so, dass das fortdauernde Ränkespiel und die für die Branche höchst bedenkliche Rivalität zwischen den Prüfungsinstitutionen PZOK und AKOMM nicht nur auf dem Rücken der Kursteilnehmer ausgetragen wird und bei vielen grundlegende Zweifel an einer gemeinsam auftretenden Branche aufkommen lässt, die eigentlich immer Begriffe wie „Corporate Culture“, einheitliche Kommunikation, strategisches Kommunikationsmanagement predigt – zumindest in der Ausbildung – und sich selbst nicht daran hält.
  • Ist es nicht etwa derzeit so, dass gerade diese Entwicklungen einer Branche schaden, die schon immer um ihr Image kämpfen musste, das schon öfters in der Vergangenheit nicht gerade zum besten war, wenn ich nur beispielsweise an die viel diskutierte Affäre Moritz Hunzinger denke?
  • Ist es nicht etwa derzeit so, dass wir in einer Web 2.0 Welt leben und agieren und gerade die Online-Berater – und damit auch wir alle, die sich mit dieser Welt unter Kommunikations- und Marketingzwecken auseinandersetzen – überall Offenheit, Ehrlichkeit, Direktheit predigen? Sollten wir uns dann nicht auch in unserem ganz privaten Baukastensystemdenken daran halten?

Gerade in einer solch schwierigen Situation ist derartige Finanzkreativität natürlich so ziemlich das Allerdämlichste, was sich ein Institut, eine Institution, eine gesamte Branche leisten kann. Und ehrlich gesagt spielt es dann auch gar keine Rolle mehr, ob es sich dabei „nur“ um eine unglückliche Formulierung oder um wirkliche Finanzkreativität handelt. Es ist das Bild, das wieder mal nach außen drängt – und dieses Bild ist fatal und hat mit Vorbild-Charakter nichts, aber auch gar nichts zu tun.

*Anmerkung: Ich bin selbst Berliner Korrespondent des PR-Journals.

5 Gedanken zu „Gute Nacht PR-Ausbildung“

  1. Hier kann ich absolut zustimmen.
    Die Krise wird sich nur verlängern, wenn Unternehmen an ihrer Ausbildung sparen, denn gerade hier setzen Lösungsmöglichkeiten und Wege aus der Krise an.

  2. @susanne: Wenn das jetzt auch noch die Unternehmen und Organisationen selbst verstehen würden …. aber dahin ist es wohl noch ein langer Weg und die Krise wird sich doch verlängern.

  3. Sicherlich ein unerfreulicher Vorgang — wenn er denn in der Tat so stimmt. Nachdem ich jedoch die beiden Kommentare zum betreffenden Artikel gelesen habe, kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, es handle sich — dem Ton nach — eher um eine kleine Rivalität zwischen den Herren Pfeffer und Sievert.
    Als Chefredakteur „PR-Ethik und Vorbildfunktion“ einzufordern, aber gleichzeitig den Kontakt zur PZOK nicht zu suchen („Die PZOK muss ich nicht kontaktieren…“) wirft auf das PR-Journal kein professionelle(re)s Licht.

  4. @Andreas: Sorry, Andi, aber das ist Quatsch. Da gibt es überhaupt keine Rivalität. Dieser Konflikt hat mit den Personen nichts zu tun. Und das weiß auch die PR-Branche.

    Der liebe Chefredakteur – und du wirst das in seinen Kommentaren auch lösen – hat die PZOK auch kontaktiert. Das ist allseits bekannt. Nur: wenn jemand bei journalistischen Nachfragen nichts sagen will, dann ist irgendwann auch Schluss. Darum ist die Vorgehensweise journalistisch absolut sauber.

  5. Meiner Meinung und da stimme ich mit Dominik überein, geht es nicht um Rivalität!
    Auf Grund einer Recherchearbeit hat jemand, eine vielleicht etwas ungewöhnliche und nicht eindeutige Geschäftspraxis erkannt und falsche Schlüsse gezogen und den Missstand aufdecken wollen.
    Das kann vorkommen, irren ist menschlich!
    Ich denke manchmal ist es einfach besser, mehrere Quellen zu Recherchezwecken einzubeziehen.
    Dann vermeidet man vielleicht falsche Eindrücke, die zu Irritationen führen können!
    Meiner Meinung nach ist vielleicht auch in der Berichterstattung entscheidend, mit einem gewissen Fingerspitzengefühl zu recherchieren. Man tendiert dazu, vermutlich gerade in Krisenzeiten, etwas zu forsch ins „Rampenlicht“ zu treten.
    In anbedracht der Tatsache, dass die betriebliche Weiterbildung in Deutschland zwar noch stagnierend aber stetig steigt, aber im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld liegt, könnten Firmen auf Grund solcher zweifelhaften Pressemitteilungen dazu tendieren, von Mitarbeiterschulungen – und gerade im PR-Bereich ist ein ständig aktualisiertes Wissen gefragt – abzusehen.

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