Jetzt mit 10% mehr! (Oder weniger.)

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Update vom 21. Juli, 21:45 Uhr: Hier können Sie das offizielle Statement aus dem Hause Procter & Gamble lesen. Offensichtlich handelt es sich bei den gezeigten Bildern um Flaschen aus den Jahren 2005 und 2009 – also in keiner Weise miteinander vergleichbar. Vielen Dank an den Ariel Verbraucherschutz für die Richtigstellung! Wir haben die Kommentare für diesen Artikel geschlossen – weitere Kommentare bitte hier.
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Update vom 20. Juli 2009, 17 Uhr: Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz veröffentlicht Stellungnahme von P&G Schweiz – bitte lesen Sie auch unser Update zum Artikel
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„Nicht nur sauber, sondern rein“ – so kennt man die Ariel-Werbung seit gefühlten hundertfünfundzwanzig Jahren. Mag ja sein, dass das Waschmittel wirklich so richtig reine macht. Sein Hersteller allerdings hält’s mit der Sauberkeit wohl nicht so ganz genau. Zumindest, was die Information über den Inhalt der Ariel-Verpackungen anbelangt. Denn bei Ariel Color scheint hier etwas gründlich daneben gegangen zu sein.

Warum? Das zeigen uns folgende Gegenüberstellungen.

Ariel_neu_alt

Links: Ariel in neuer Verpackung, rechts Ariel in alter Verpackung.

„Schön, dass in der neuen Packung 10% mehr Inhalt sind“ freut sich der geneigte Verbraucher und will zur neuen Flasche greifen. Doch: Augen auf beim Ariel-Kauf! Denn zwei weitere Auszeichnungen sind auf den Flaschen zu finden. Vergleichen wir also weiter.

Alt_20_Waeschen 20 Wäschen verspricht die alte Flasche. Eine ganze Menge für ein doch recht handliches Fläschchen. Otto Normalverbraucher rechnet also nach und denkt sich: „20 Wäschen mit der alten Flasche, 10% mehr Inhalt — da müsste mit der neuen Flasche doch nochmal richtig was für mich drin sein.“ Klingt doch eigentlich logisch, oder etwa nicht?

Neu_18+2_Waeschen

Falsch gedacht, lieber Otto. Denn 10% mehr Inhalt sind in der neuen Verpackung 18+2 Wäschen. Und dabei wird sogar noch großzügig gerundet – sind 10% von 18 doch nur 1,8. Aber gut, 0,8 Wäschen gibt’s halt nicht. So kleinlich wollen wir auch gar nicht sein.

Doch müssten nach Adam Riese nicht eigentlich 22 Wäschen mit der Flasche erzielbar sein? Schließlich sind ja 10% mehr drin, oder?

Werfen wir also besser mal einen Blick auf den wirklichen Inhalt der Flasche. Davor aber nochmal zur Erinnerung: „10% mehr Inhalt“ versprechen die Saubermänner von Procter & Gamble.

Alte_Flasche

1,5 Liter Inhalt – das war die alte Flasche.

Neue_Flasche1,4 Liter Inhalt – das ist also die neue Flasche. Mit angeblichen 10% mehr Inhalt.

Das wirft Fragen auf. Und so ganz sauber kann die Masche nicht sein. Denn eigentlich reden wir über knapp 10% weniger Inhalt. Nicht über mehr! Fraglich, wie die Herren aus Schwalbach das erklären wollen.

Da geht es einem fast so wie dem Verfasser einer kleinen PowerPoint-Präsentation, die uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Ich zitiere: „Entweder hat Ariel (Procter & Gamble) neue Gesetze der Mathemathik entdeckt, oder hier wird der Kunde aber so was von verarscht, dass es einen richtig wütend macht! Wer kann, sollte dieses Produkt nicht mehr kaufen.“

Denn, liebe Saubermänner aus dem Hause Procter & Gamble, schließlich hört man Otto Normalverbraucher immer öfter sagen: „Ich bin doch nicht blöd!“

(via Mail von Markus D., Bilder stammen von einem unbekannten Autor)

14 Gedanken zu „Jetzt mit 10% mehr! (Oder weniger.)“

  1. Wusste gar nicht, dass ich so einen waschbegeisterten Kollegen habe – waschechter Ariel-User. Aber ist trotzdem eine heiße Geschichte, auf die wirklich nur der Slogan „Ich bin doch nicht blöd“ passt. Schön recherchiert!

  2. Vielleicht ist das ja auch anders gemeint. Vielleicht sind in den neuen Flasche dann 10% weniger drin, wenn sie sich denn an die neuen Flaschen gewöhnt haben?

    Ich finde, dass ist Betrug am Kunden und hoffe, dass die Verbraucherschützer hier entsprechend einschreiten.

  3. Das ist ja an dreisstigkeit kaum noch zu überbieten.
    Das man mit sowas heutzutage durchkommen kann spricht nicht eben für die Intelligenz des Verbrauchers…

  4. @Papa Bodehase: Danke für den Hinweis — ich hatte die Info vor rund einer Woche per Mail (schön eingebunden in eine PowerPoint-Präsentation) von einem Bekannten bekommen. Scheint sich aber in der Tat um die selbe Quelle zu handeln, da Text und Bilder sich haargenau gleichen.

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