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Design follows sauberer Recherche. Eigentlich.

Liebe medium-magazin-Redaktion,

als fleißiger Leser des medium magazins hatte ich mich hier im texterblog.de bereits mit der ersten Ausgabe nach Ihrem Heftrelaunch kritisch auseinandergesetzt. Und Sie hatten sich direkt daraufhin bei mir gemeldet. Vorbildlich dieser persönliche Kontakt. Jetzt drucken Sie einen Auszug meiner Anmerkungen – hier der gesamte Text – sogar in Ihrer neuesten Ausgabe unter Leserbriefe direkt ab. Gut. So weit – so perfekt? Leider nein!

Denn neben meinem Zitat prangt das Foto eines etwas ernst dreinblickenden Herrn. Nicht dass ich etwas gegen diesen hätte, dessen Namen Sie mir in der kommenden Ausgabe sicherlich mitteilen werden. Nur – und das ist die Krux – hat dieser ältere Herr auf dem s/w-Foto so gar nichts mit meiner Person zu tun. Nein, wirklich nicht. Dazu erinnere ich mich noch an unseren E-Mail-Verkehr, dass ich auf ein Bild aus verschiedenen Gründe ausdrücklich verzichten wollte. Und jetzt das?

Irgendwie könnte ich das Gefühl bekommen, dass neues Design über sauberer Recherche steht. Oder ist es doch eine Momentaufnahme? Und nur den vielfältigen Herausforderungen eines Relaunches geschuldet? Ich hoffe doch. Denn auf eine medium-magazin-Serie à la „Pleiten, Pech und Pannen“ hier im texterblog.de kann ich als Leser Ihres geschätzten Magazins gerne verzichten.

Schluss mit der Kritik – ran an die neue Ausgabe. Sonnige WM-Grüße aus Berlin schickt Ihnen

Dominik Ruisinger

Die Zukunft des Qualitätsjournalismus ist online

Im aktuellen journalist fiel mir ein Zitat auf: „Als größte Herausforderung gilt nach wie vor, dass junge Menschen sich vom sogenannten Qualitätsjournalismus abwenden„, so ein Ergebnis einer aktuellen Online-Umfrage von news aktuell und Faktenkontor. Und sechs Zeilen heißt es weiter: „Die Hauptgefahr für den etablierten Journalismus wird zunehmend im Internet gesehen.“

Diese beiden Zitate haben mich doch zum Nachdenken gebracht. Denn übersetzt sagt dies nichts anderes aus, als dass wir – zumindest in Deutschland – online über keinerlei Qualitätsjournalismus verfügen und somit auch junge Menschen gar nicht mehr erreichen können. Doch verbirgt sich in diesem Problem nicht auch die Lösung?

Müssten wir es nicht als unsere Aufgabe versehen, genau diesen Qualitätsjournalismus verstärkt online zu etablieren … neben SpOn und ein paar weiteren journalistisch wertvollen Angeboten? Ließe sich nicht exakt so die bereits verlorene oder derzeit verloren gehende Zielgruppe der jungen Menschen zurückgewinnen bzw. wieder neu binden?

Und wenn die Zukunft des Qualitätsjournalismus online ist: Könnte dies nicht eine Aufgabe z.B. der öffentlich-rechtlichen Anstalten sein, um auf diese Weise ihrem Auftrag der Informationsbasisversorgung für alle nachzukommen? Und dies sogar gegenüber einer für Werbekunden höchst attraktiven Zielgruppe?

Fragen über Fragen zu einer Diskussion, bei der wir in hiesigen Gefilden noch ganz am Anfang stecken. Leider. Denn Antworten wären jetzt gefragt.

Journalisten wollen laut Studie Journalisten bleiben

Journalisten sind zufrieden mit ihrem Job. So wollen 81% nicht in die PR-Branche wechseln. Auch würden 43% jungen Menschen den Einstieg in diesen Beruf empfehlen und nur 19% davon abraten. Und dies trotz erhöhtem Kosten- und Zeitdruck, Aktualitätszwang und Crossmedia-Herausforderungen. Dies sind einige der Zwischenergebnisse eines Forschungsprojektes der Universität Münster, deren erste Ergebnisse das Fachmagazin Journalist in seiner aktuellen Ausgabe 08.2009 vorstellt. Dazu wurden 15 Nachrichtenredaktionen in Deutschland genauer unter die Lupe genommen.

Der Trend in der Berichterstattung zu mehr Unterhaltung, Serviceorientierung, Visualisierung und Regionalisierung ist demnach für die große Mehrheit der Befragten eindeutig. Weiteres nicht gerade überraschendes Resultat: Der Einfluss der PR-Akteure auf die journalistische Arbeit ist seit 1990 gestiegen – zumindest nach Meinung eines Drittels der Befragten, während die anderen ihn als gleichbleibend bzw. als nicht beurteilbar einschätzen. Der wirtschaftliche Druck zeigt sich auch in einem anderen Ergebnis: Laut 43% sei es zunehmend wichtiger geworden, Werbekunden ein passendes redaktionelles Umfeld zu bieten. Für ein Drittel der Befragten verschwimmt daher die Trennung zwischen Redaktion und Werbung zunehmend.

Weitere Zwischenergebnisse zu diesem durchaus spannenden Forschungsprojekt gibt es im aktuellen Journalist und hoffentlich demnächst im noch ausführlicheren – und bitte download-fähigen! – Umfang auf der Uni-Website? Es wäre schön.

Pflichtlektüre für Nachwuchsjournalisten

Wer den Journalisten-Traum in sich trägt und sich nach seinen eigenen künftigen Möglichkeiten fragt, dem ist die Dezember-Ausgabe des „medium magazins“ – leider kein Direktlink auf Ausgabe möglich ;-( –  sehr ans Herz gelegt, die ich jetzt erst gelesen habe – Kolumbien sei dank.

Gerade Stefan Niggemeier zeigt in seinem Beitrag „Auf eigene Faust“ auf, wo künftige Chancen liegen. Schließlich erlaube die Technik es heute kleinen Leuten bei richtigem Engagement etwas zu tun, wozu früher nur große Konzerne fähig waren, wie die Erfolgsgeschichten der Journalisten Matt Drudge mit seiner Newssite „Drudge Report“ oder Peter Turi mit seinem Medien-Service „Turi2″ belegen.Daher fragt er sich auch zurecht, warum diese Chancen gerade in Deutschland so wenig genutzt werden: „Es ist erstaunlich, in welch geringem Maße deutsche Journalisten, auch junge, von ihren Möglichkeiten Gebrauch machen.“

Da zu müssten aber jetzt auch endlich die Journalistenschulen aus ihrem Tiefschlaf aufwachen und diese neuen Möglichkeiten in ihre Lehrpläne integrieren. Ansonsten wird man dort weiterhin nur den unwahrscheinlichen Fall vermitteln, dass alle Schulabgänger später bei ARD, RTL, Zeit, Bild und SZ unterkommen. Schön wäre es für diese ja. Nur haben sich die Zeiten nicht etwas geändert?

Lieber Abgeordneter als Journalist

Eines verstehe ich mal wieder nicht in dieser immer wieder etwas komischen Welt: Gerade heute haben sie im Bundestag das BKA-Gesetz verabschiedet. Und ich will mich jetzt nicht inhaltlich dazu äußern, dass das Ganze doch hoch bedenklich ist und dass mir der ständige Bezug auf den 11. September 2001 auf den Zeiger geht. Anscheinend lässt sich damit alles erklären wie das Verhältnis jedweder Art zu Israel durch die Nazi-Zeit – auch wenn der Vergleich sicherlich hinkt. Jetzt habe ich mich also doch geäußert ;-).

Was mich wirklich wundert ist, dass diese erweiterten Befugnisse für das Bundeskriminalamt zur Terrorabwehr zwar für alle Berufe gilt – und damit kräftig in das Vertrauensverhältnis zu uns Journalisten oder auch zu Anwälten wie Ärzten eingreifen wird, was die Arbeit sicherlich nicht überall fördern wird – aber nicht für Priester (einverstanden) aber auch nicht für Bundestagsabgeordnete. Kann mir jemand erklären, warum die hier einen Sonderstatus einnehmen? Sind diese nicht so oder so nur ihrem Gewissen verpflichtet? Nur weil sie Volksvertreter sind? Warum wurde eigentlich über diese Frage nicht viel diskutiert – oder ich habe es nicht mitbekommen?

Porsche ohne Online Kommunikation

Es ist ja vollkommen richtig, dass der Zuffenhauser Autobauer wirklich wunderschöne Fahrzeuge produziert. Und ich gebe es auch gerne zu: Ich bin ein absoluter Fan davon – und hätte wirklich nichts dagegen, zumindest eines dieser Wunderwerke bei mir vor’m Haus zu parken. Vor allem die alten Modelle …. einfach traumhaft … Aber das kann ja noch kommen, irgendwann.

Was diese Autobauer aber auf keinen Fall können, ist mir Journalisten zu kommunizieren. Jeder wird schweitern, wenn er sich auf www.porsche.de oder www.porsche.com o.ä. auf die Suche nach Bildern, Hintergrundmaterialien, aktuellen Daten und Zahlen oder auch ganz einfach nach einem Ansprechpartner begibt. Er wird scheitern. Zu 100 Prozent. Denn mehr als ein paar ältere Pressemitteilungen ist dort nicht zu finden. Wie Porsche sich die Kommunikation mit Journalisten vorstellt, erinnert eher an das Vor-Internet-Zeitalter – und ich meine damit nicht etwa das Vor-Web 2.0-Zeitalter – wenn ich diese vor mir liegende Anzeige so betrachte.

Porsche im Journalist

In ihrer Anzeige im „journalist“ schreibt Porsche noch sehr passend: „Die wichtigste Kommunikationsform ist immer noch die zwischenmenschliche.“ Alles richtig. Und dann: „In unserer Porsche Presse-Datenbank erfahren Sie mehr. Bitte akkreditieren Sie sich vorab unter Telefon 0711-…..“ Hääää? Bitte was? Sieht wirklich so „Öffentlichkeitsarbeit und Presse à la Porsche“ – wie es in der Anzeige noch so schön heißt – aus? Eher Öffentlichkeitsarbeit aus dem letzten Jahrhundert – denn viel umständlicher und userunfreundlicher im Google-Zeitalter geht es nunmal wirklich nicht.

Aber wahrscheinlich steckt dahinter die Arroganz, dass die „wichtigen“ Journalisten so oder so einen Zugang haben und das Unternehmen auf die anderen „nicht so wichtigen bzw. neuen“ doch gerne verzichten kann. Zumindest ist dies das Image, das solch eine Anzeige und so ein wenig moderner Internet-Auftritt verströmt. Schade um die verpassten Online Relations. Das muss ich zumindest jedes Mal auch meinen Studenten erklären, wenn sie mich danach fragen. Nun ja: Porsche scheint diese Online-Kommunikation einfach nicht nötig zu haben. Zumindest derzeit.