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Juan Valdez zeigt Verantwortung

Wer durch Kolumbien reist, kommt an Juan Valdez Cafe nicht vorbei. Denn „Das Geschaeft der kolumbianischen Kaffeebauern“ mit dem nicht gerade preiswerten, aber meiner Meinung nach besten Kaffee der Welt hat in allen groesseren Staedten und Staedtchen seinen prominenten Sitz. Das Schoene: Ich gehe gerne dorthin – neben meinem Gaumen und meiner Nase auch mein Gewissen. Denn was bei uns etwas allgemein formuliert „fairtrade“ heisst, ist hier konkret ein Millionen schweres Projekt, das den hiesigen Kaffeebauern zu Gute kommt. Wie heisst es doch – frei uebersetzt – auf jedem Becher: „Jede fuer diesen Kaffee ausgewaehlte Kaffeebohne ist das Ergebnis des Engagements und der Arbeit von mehr als 500.000 Familien, die in Kolumbien Kaffee anbauen. Mit deinem Kauf traegst du dazu bei, dass diese Familien eine bessere Zukunft haben.“

Quer durch all seine Produkte und Medien kommuniziert Juan Valdez diese Botschaft der sozialen Foerderung, der nachhaltigen Entwicklung und des konsequenten Schutzes der Umwelt. Nicht nur die Becher, selbst die Papierteller fuer Kuchen und Croissants sind 100 Prozent recyclbar. Stets ist zu lesen: „In unserem Bestreben, dir den besten Kaffee der Welt anzubieten, wollen wir gleichzeitig die Natur schuetzen.“ Zudem initiiert Juan Valdez jaehrlich Projekte – wie den „Cafe de la Reconciliacion (Versoehnung) – A Valley of Peace“, um den hiesigen Kaffeebauern eine nachhaltige Einkommensalternative zu bieten – und dies gerade in Regionen, die jahrzehntelang unter dem politischen Konflikten des Landes leiden mussten.

Mir ist in Deutschland kaum ein Unternehmen bekannt, das so konsequent diesen Weg geht, ueber die Notwendigkeit dieses Weges auch jeden Nutzer – also hier Kaffeetrinker – sichtbar hinweist und damit natuerlich das eigene Markenimage positiv kommuniziiert – mit Erfolg, wie die hohe Beliebtheitsrate innerhalb von Kolumbien belegt. Also richtige soziale und oekologische Verantwortung als CSR-Ansatz – fernab von allem Green-, White-, Blue und sonstiges Transparent-Washing – und ich meine dies nicht auf die Entfernung in Kilometern bezogen.

Kein leckerer Kaffee

nescafeallitaliana
nescafe all'italiana. Bitte nicht.

Kann mir jemand erklären, was das zu bedeuten hat? Nescafe all’italiana? Wo ist denn da bitte der Zusammenhang? Will Nescafe jetzt auch den italienischen Markt überschwemmen und den italienischen Caffè ersetzen? Hat denn niemand Mitleid mit den wirklichen Kaffeeliebhabern, die dieses schwarze Etwas im Mund wirklich schätzen? Denen, die italienischen Kaffee lieben aber Nescafe – nur wenn es irgendwie muss – runterdrücken? Verstehe einer diese Kaffeewelt.

Amuse-Gueule

Den Gaumen sollen sie verwoehnen. Kleine Schweinereien fuer zwischendurch. Leckeres fuer Augen und Mund, das Lust auf mehr macht. Und das Ganze ohne Sex. Das ist so in etwa die Bedeutung von Amuse-Gueule. In den besseren Bars und Restos in Buenos Aires fasst man diesen Begriff etwas weiter und macht jeden Cafe, jeden Espresso, jeden Cortado zu einem auch oralen, kulinarischen Vergnuegen.

Wie das geht? Ganz einfach: Man serviere zum Kaffee einfach etwas Kleines zum Essen – anstatt die bei uns ueblichen (wenn ueberhaupt) trockenen Kekse. Nach drei Tagen Buenos Aires wurde meine Gueule bereits wie folgt positiv amusiert: Mit einem kleinen Stueck Kuchen, einer winzigen Tarte, einer Himbeercreme auf Schokotorte. Lecker! Bitte mehr davon!

Reisenotizen: Kolumbianische Erfindungen

Strassenleben Cartagena 

In einer laengeren Nacht  in Santa Marta habe ich mit dem netten Manuel vom Laos Beer – viel Glueck noch auf deiner Tour und schick mal ein paar Bierkaesten rueber ;-) – angefangen, eine Liste mit kolumbianischen Erfindungen zu erstellen, die wir als importierenswert angesehen haben. Und dabei meinten wir mal nicht die schoenen Frauen und auf keinen Fall die Rumbas en Chiva. Hier mal einige Besonderheiten:

1) Fliegende Tinto-Bars: „Tinto, tinto“ ist ein typischer Ruf, der in allen kolumbianischen Staedten und Ortschaften zu hoeren ist. Meist stammt er aus der Kehle eines fliegenden Haendlers, der – in der einen Hand drei Thermoskannen schwarzer Kaffee (= Tinto), in der anderen einen Stapel Plastikbecher – durch die Strassen laeuft. Einfach kurz „Tinto, si“ rufen, und schoen laeuft eine recht schwarze und sehr heisse Fluessigkeit in den kleinen Becher. Was bei uns dazu wohl die Kaffeehaus- und Bar-Besitzer sagen wurden, wenn solche fliegenden Tinto-Haendler durch unsere Einkaufsstrassen ziehen wuerden?

2) Ratenzahlungen: Was bei uns nur bei groesseren Anschaffungen gilt, ist hier bei fast jedem Betrag ueblich: Ratenzahlungen. Schon beim Einkauf von einem Wert von ca. 20 Euro per Kreditkarte wird an der Kasse freundlich gefragt, in wie vielen Raten dieses Summe denn abgebucht werden soll. In 1, 3, 10 etc…. Bei solchen Momenten hoere ich die naechste Finanzkrise wegen geplatzter Karten schon leise in der Ferne rufen …

3) Obst-Rationen: Schubkarren voll frischem Obst koennen auch bei uns herumstehen. Aber dass die Mangos, Ananas, Melonen, Papayas, Avocados frisch geschnitten werden (stets hygienisch in Plastik-Handschuhen), fein saeuberlich in Plastiktuetchen verpackt werden, mit Salz – ganz wichtig! – und frischem Limettensaft bestreut bzw. betraeufelt werden, ist ein 50 Cent kostbarer und wirklich leckerer Service, der jeden taeglich zu seiner gesunden Portion Obst verhilft. Ach ja: Als Nachbarn wuensche ich mir aber dann solche Fleischspiesse- und Maiskolben- und Empanada-Staende bitte ….

4) Finger-Wasser: Wer bei uns Fisch isst – und dabei werden oft die Finger in „Mitleidenschaft“ gezogen – bekommt zum Schluss in guten Restos ein Toepfchen mit Wasser zum Fingerspuelen oder ein Tuetchen mit einem in kuenstliche Zitronenextrakte getunkten Lappen, mit den man sich die Fischreste von den Fingern reiben kann und den Fischgeruch so meistens gegen einen noch schlimmeren und intensiven Toiletten-Zitronen-oder-so-aehnliches-Geruch eintauschen kann. Nicht so in Kolumbien: Hat man seinen Fisch aufgegessen – meist uebrigens  nur mit Gabel und den lieben Fingerlein – werden gleich 2 Schaelchen gebracht: Eines fuer die Vorwaesche mit Seifenwasser, eines zum Klarspuelen mit reinem Wasser. Was fuer ein Service – und doch so einfach!

Reisenotizen: Die perfekte Hotel-Mini-Bar

Gerade noch haenge ich in der Sonne von Manizales ab, einer mittelgrossen Stadt mitten in der Kaffeezone Kolumbiens auf gut 2.000 Metern Hoehe – also perfekt fuer den Sonnenbrand. Eigentlich wollte ich auf dieser Hochebene nur kurz uebernachten; wirklich Aufregendes hat der Ort nicht zu bieten, obwohl: Einer der groessten Kathedralen der Welt, natuerlich mal wieder ein Goldmuseum, einen verrueckten Holzturm,  einen eindrucksvollen Friedhof, eine Zona Rosa mit aufregendem Ausblick ueber die ganze Region. Immerhin! Und irgendwie herrscht hier eine entspannte Stimmung nach dem Cali-Chaos, bevor es morgen nach Medellin und zu Boteros Gorda und Gordo geht – ich freue mich jetzt schon riesig!

Figur von Fernando Botero in Medellin 

O.k., die Menschen sind hier deutlich reservierter und die Frauen weniger aufregend – zum Anschauen natuerlich! Vor allem gibt es hier das ganz wundervolle Art-Deco-Hotel Escorial (die Website ist nicht aufregend) vom franzoesischen Architekten der Kathedrale hoechstpersoenlich – und das fuer rund 25 Euro: Grosses Zimmer mit geoelten Holzdielen, tolles Bett, Flachbildschirm und eine amuesante Mini-Bar. Mini-Bars generell kennt ihr ja alle. Aber habt ihr neben dem ueblichen Alkohol-, Nicht-Alkohol- und Knabberzeug schon mal Trockenrasierer, Zahnbuerste mit Pasta, Alka Seltzer fuer den Morgen nach der langen Nacht, Haarkuren und Pantene-Spezialshampoo fuer die empfindliche Kopfbedeckung, Deo-Creme natuerlich fuer Maennlein und Weiblein, Marlboro strong und light samt – ganz wichtig! – Streichhoelzern in der Mini-Bar gefunden? Natuerlich alles gelabelt mit dem Hotel-Logo?

Hotel-Minibar in Manizales 

Sollte kuenftig nicht jede Hotel-Mini-Bar so beduerfnisgerecht ausgestattet sein?