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Macht Facebook unglücklich?

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In die Schlagzeilen gekommen: Laut einer Studie der Uni Zürich sind Facebook-Nutzer weniger glücklich als Nicht-Nutzer.

Die Schlagzeilen sorgten in Fachkreisen für einiges an Aufsehen: „Facebook macht Nutzer nicht glücklich“, „Facebook-Verweigerer sind erfolgreicher im Job“ oder „Social-Network-Studie: Un-(soziale) sind glücklicher“ titelten zahlreiche Medien Mitte dieser Woche. Der Anlass: Eine jüngst von der Universität Zürich veröffentlichte Studie, die der Frage nachging, welche Persönlichkeiten Facebook nutzen und ob sie zufriedener sind als Nicht-Nutzer.

„Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern unterscheidet sich leicht zugunsten der Nicht-Nutzer“, sagt Bertolt Meyer, Oberassistent am Psychologischen Institut der Uni ZH, der die Studie gemeinsam mit der Lizentiandin Anett Cepela durchgeführt hat. Teilnehmer gänzlich ohne Facebook-Profil zeigen sich zufriedener als solche mit Profil. Zudem haben sie eine leicht höhere psychische Gesundheit und sind gewissenhafter als Facebook-Nutzer, schreibt die Hochschule.

Ganz anders das Bild jenseits des großen Teichs: Dort haben Wissenschaftler der Michigan State University im Jahr 2007 eine ähnliche Studie durchgeführt. Mit dem Ergebnis, dass Nutzer von Online-Netzwerken zufriedener und glücklicher seien als Nicht-Nutzer, weil sie sozial engagierter seien.

Für die Schweizer stellt sich die Thematik jedoch ein wenig anders dar. Entscheidend dafür, ob Facebook als Bereicherung empfunden wird oder nicht, ist die Persönlichkeit, sagen Meyer und Capela in der offiziellen Mitteilung der Uni Zürich.

Journalisten wollen laut Studie Journalisten bleiben

Journalisten sind zufrieden mit ihrem Job. So wollen 81% nicht in die PR-Branche wechseln. Auch würden 43% jungen Menschen den Einstieg in diesen Beruf empfehlen und nur 19% davon abraten. Und dies trotz erhöhtem Kosten- und Zeitdruck, Aktualitätszwang und Crossmedia-Herausforderungen. Dies sind einige der Zwischenergebnisse eines Forschungsprojektes der Universität Münster, deren erste Ergebnisse das Fachmagazin Journalist in seiner aktuellen Ausgabe 08.2009 vorstellt. Dazu wurden 15 Nachrichtenredaktionen in Deutschland genauer unter die Lupe genommen.

Der Trend in der Berichterstattung zu mehr Unterhaltung, Serviceorientierung, Visualisierung und Regionalisierung ist demnach für die große Mehrheit der Befragten eindeutig. Weiteres nicht gerade überraschendes Resultat: Der Einfluss der PR-Akteure auf die journalistische Arbeit ist seit 1990 gestiegen – zumindest nach Meinung eines Drittels der Befragten, während die anderen ihn als gleichbleibend bzw. als nicht beurteilbar einschätzen. Der wirtschaftliche Druck zeigt sich auch in einem anderen Ergebnis: Laut 43% sei es zunehmend wichtiger geworden, Werbekunden ein passendes redaktionelles Umfeld zu bieten. Für ein Drittel der Befragten verschwimmt daher die Trennung zwischen Redaktion und Werbung zunehmend.

Weitere Zwischenergebnisse zu diesem durchaus spannenden Forschungsprojekt gibt es im aktuellen Journalist und hoffentlich demnächst im noch ausführlicheren – und bitte download-fähigen! – Umfang auf der Uni-Website? Es wäre schön.

Harvard-Twitter-Studie ohne wirkliche Überraschung

„Twitter mutiert zur Einbahnstraße“ titelte vor kurzem der PR Professional Newsletter. Der typische Twitterer beteilige sich nur sehr spärlich am Microblogging-Dienst. 10 Prozent der aktivsten Nutzer würden allein 90 Prozent der Inhalte produzieren. Der Hintergrund: Forscher der Harvard Business School in Boston hatten im Mai 2009 ein Sample von 300.542 Twitter-Nutzern untersucht, um herauszufinden, ob Twitter „a communications service for friends and groups, a means of expressing yourself freely, or simply a marketing tool“ ist.

Wenn ich über diese Ergebnisse selbst etwas nachdenke, bin ich keineswegs so überrascht, wie anscheinend die Forscher. Ist dieses Ergebnis nicht normal und durfte genau so erwartet werden? Auch als Blogs zum Medienhype gepusht wurden, war die Zahl der wirklichen täglichen Blogger gering – und die Zahl der Einmal-Blogs auf dem Blog-Friedhof hoch. Als Second Life aufstieg – und bald schon im Keller der Innovationsversuche versank – war die Zahl der Einmaltäter hoch, die Zahl der Tagestäter dagegen sehr gering. Also wo liegt das Neue in diesen Ergebnissen? Ist es nicht sogar typisch für jede – auch von der Medienwirklichkeit – gepushte Innovation, die möglichst viele ausprobieren, bei ihren ersten und zweiten Versuchen nicht den wirklichen Sinn für sich selbst erkennen und dann – wie hier – vom eigenen Twitter-Account künftig die Finger lassen?

Etwas sonderbar fand ich den Vergleich mit sozialen Netzwerken, in denen die Aktivsten immerhin 30 Prozent aller Kommunikation produzieren würden. Dies ähnelt der berühmten Sache von dem Apfel und der Birne, die nicht zu vergleichen sind. Soziale Netzwerke sind auf einen kontinuierlichen Austausch der Mitglieder ausgerichtet. So überrascht es kaum, dass z.B. rund 50 Prozent aller SchülerVZ-Mitglieder zumindest 1x pro Tag ihr Profil besuchen und dort mit ihren – meist – Schulfreunden das Gespräch vom Schulhof fortsetzen. Dagegen lässt sich Twitter auch ganz hervorragend als Informationstool dazu nutzen, auf wichtige Neuigkeiten, Anlässe, Links, Beiträge hinzuweisen – und erst dann darüber mit Followern ins Gespräch zu kommen.

Und anders gesagt: Ist es nicht vielleicht sogar eine gute Entwicklung, dass nicht jeder „Mist“, jedes Erlebnischen, jeder Torjubel, jedes Kinderkrähen, jedes Achselzucken, jedes Katzengähnen gleich per Twitter den Weg in die Öffentlichkeit findet? Auf das dann auch wiederum Hunderte Twitterer antworten, um aus Twitter noch ein intensiveres Kommunikationstool zu machen? Darüber bin zumindest ich ziemlich froh.

Ach ja: Wie auch Heise richtig bemerkt: Die Eingangsfrage wird in der Studie übrigens nicht beantwortet. Das finde bei solch einer Zielstudie wiederum ich etwas sonderbar.

Bewiesen: Spam-Mails sind Klimakiller

Mein lieber Kollege Oliver hat gerade so einen netten, fast schon wissenschaftlichen Beitrag fürs PR-Journal geschrieben – eine Kurzform gibt’s daher auch hier:

Sein Thema: Das Internet ist kein Umwelt-Paradies.

Eine Studie von McAfee und dem Forschungsinstitut ICF belegt: Die rund 62 Billionen Spam-Mails, die pro Jahr weltweit auf Computern landen, verstopfen nicht nur die Mail-Accounts und kosten Arbeitszeit: Sie wirken sich auch extrem negativ auf das Klima aus. So ordnet der ICF-Bericht einer durchschnittlichen Spam-E-Mail einen Ausstoß von 0,3 Gramm CO2 zu, während sich einer durchschnittlichen seriösen E-Mail fast 4 Gramm CO2 zurechnen lassen. Allerdings machen Spam-E-Mails etwas mehr als ein Drittel der gesamten weltweiten Emissionen für alle geschäftlichen und privaten E-Mails aus, da 80 Prozent aller E-Mails zu unerwünschten Nachrichten gezählt werden.

Der durchschnittliche Benutzer geschäftlicher E-Mails erzeugt so pro Jahr 131 kg CO2, wobei 22 Prozent dieser Menge auf Spam entfallen. Der ICF-Bericht setzt diese Spam-Energie der Menge an CO2 gleich, die entstehen würde, wenn jeder Benutzer geschäftlicher E-Mails zusätzlich 12 Liter Benzin pro Jahr verbrauchen würde. Die Energie, die zum Erstellen, Absenden, Empfangen, Speichern und Anzeigen von Spam erforderlich ist,  entspricht in etwa der Strommenge, die von 4 neuen großen Kohlekraftwerken bereitgestellt werden. ICF schätzt, dass die jährlichen Spam-bezogenen Emissionen für alle E-Mail-Benutzer bei insgesamt 17 Millionen Tonnen CO2 oder 0,2 Prozent der gesamten weltweiten CO2-Emissionen liegen. Diese Menge entspricht den Emissionen von etwa 1,5 Millionen US-Haushalten.

Das Überraschende: Der ermittelte Energieverbrauch in den 11 untersuchten Ländern ist nicht gleich groß sondern abhängig von der Dichte der Internet-Anschlüsse und der Zahl der Online-Nutzer. Haupt-Emissionsverursacher sind demnach – mal wieder – USA, Indien oder China.

Die Oldies und die Social Networks

Gemeinhin wird die Web 2.0-Welt gerne als Teen- und begrenzt Twen-Phänomen beschrieben. Auch ich verweise in diesem Kontext meist u.a. auf die letztjährige ARD-ZDF-Online-Studie 2008. Die folgende Abbildung aus der Studie zeigt beispielsweise, wie gravierend die Zahl der Profil-Besitzer in einem Social Network ab Ende 20 sinkt.

ARD-ZDF-Online-Studie 

Auch einige weitere Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass der Grundgedanke des Web 2.0 – der Mitmachgedanke – nur innerhalb einer speziellen Zielgruppe und auch nur in einem bestimmten Bereich, den Private Communities, funktioniert. Doch beschränkt sich diese allmähliche Habitualisierung von Web 2.0-Anwendungen nur auf die „Jungen“?

Eine schon ein paar Wochen alte US-amerikanische Studie bringt mich da kräftig ins Grübeln. Nach dem Pew Internet Report „Adults and Social Network Websites“ haben in den USA bereits 35% der erwachsenen Online-User ein Profil in einem Social Network. Im Jahre 2005 waren es noch 8% gewesen. Auch wenn die Hauptnutzung (75%) bei den 18-24-Jährigen liegt, so sind bereits 30% der 35-44- und 19% der 45-54-Jährigen in einem Social Network wie LinkedIn, MySpace oder Facebook präsent. Selbst die verfolgten Ziele ähneln sich: „Stay in touch with friends“, „make plans with friends“ und „make new friends“ sind sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Teens die Top-Gründe für das soziale Networking.

Meiner Meinung nach ein wirklich interessanter – wenn auch nicht so überraschender – Trend. Jetzt stellt sich bei mir nur noch die Frage, wie viele Jahre unsere Senioren dieser Entwicklung hinterherhinken, bevor auch sie die bestehenden Networks stürmen oder eigene neue gründen. Vielleicht ein Top-Trend für das 2. Jahrzehnt?

Auf Wiedersehen Print? Oder was jetzt?

Es wurde ja schon öfters sorgenvoll prognostiziert, dass die Nutzung von Online-Medien nach und nach zu Lasten des traditionellen Print-Sektors ginge. Zumindest bei der jungen und damit – warum auch immer – werberelevanten Bevölkerung. Zu recht, wie jetzt eine neue Studie des Hamburger IFCom Institutes  ergab. 63 Prozent der 14- bis 39-Jährigen gaben bei der Befragung an, dass sie heute weniger Zeitschriften als früher lesen würden. 8 Prozent hätten schon mal auf eine Zeitschrift verzichtet, weil sie den Inhalt im Internet fanden.

 Und was heißt das? Heulen, verzweifeln, schreien, Printtitel einstampfen, den Kampf Online gegen Print aufgeben? Nein! Vernetzte Lösungen sind künftig mehr denn je gefragt, damit Zeitungen und Zeitschriften von ihren Online-Titeln im Gegenteil profitieren können. Und das sind heute schon einige, wie allein das Beispiel Spiegel Online zeigt.